Wendelin Wiedeking
„Sieben magere Jahre“

Auch Porsche bleibt von der Krise in der Autoindutrie nicht verschont. Im Handelsblatt-Interview verrät Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, wie er Porsche durch die Krise führen will, warum die Allianz mit VW die richtige Entscheidung war und warum er Konkurrent Opel nicht helfen will.

Handelsblatt: Herr Wiedeking, Opel dringt derzeit in Berlin auf Staatshilfen. Befürworten Sie das oder sehen eine Wettbewerbsverzerrung?

Wendelin Wiedeking: Ich möchte derzeit nicht in der Haut der Politiker stecken, denn das ist eine ganz schwierige Gemengelage. Einerseits sind viele Menschen und Arbeitsplätze betroffen – nicht nur bei Opel, sondern auch bei den Lieferanten. Andererseits sind die Politiker Hüter des Wettbewerbs und sollten keine Präzedenzfälle schaffen. Und natürlich wollen sie auch wieder gewählt werden. Ich weiß nicht, wie ich an ihrer Stelle entscheiden würde.

Die CSU hat ein Konzept der deutschen Hersteller zur Rettung von Opel gefordert. Sind Sie bereit zu helfen?

In der Krise zeigt sich jetzt deutlich, dass unsere Strategie, eine schlagkräftige Automobilallianz zwischen VW und Porsche zu schmieden, die richtige war. Aber man kann von uns nicht erwarten, dass wir jetzt auch noch unsere Wettbewerber retten.

Sind Sie der Ansicht, dass es neben den Banken auch ein systemisches Risiko beim Ausfall eines Autobauers gibt?

Die Vernetzung in der Autoindustrie ist groß. Wenn über Nacht ein großer Volumenhersteller wegfiele, würde das die Lieferanten treffen, und das könnte nicht jeder verdauen. In einem solchen Fall würde es auch auf der Lieferantenseite eine gewisse Bereinigung geben. Aber von einem Systemrisiko – wie bei Banken – würde ich nicht sprechen.

Erwarten Sie eine massive Konsolidierung des Marktes?

Ich glaube, dass man mit Prognosen dieser Art sehr zurückhaltend sein sollte. Vor allem sollten wir die Kreativität und Schaffenskraft der Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie nicht unterschätzen. Die Leute haben sehr wohl den Willen, aus der Situation etwas zu machen. Wir neigen dazu, zu extrem und negativ zu denken und uns selbst schlecht zu reden. Gerade in Deutschland haben wir solide, gut geführte Unternehmen mit hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern und einer attraktiven Produktpalette. Ich bin überzeugt, wir kriegen die Situation in den Griff.

Porsche hat erstmals in allen Baureihen Absatzeinbrüche zu verzeichnen. Haben Sie 2009 bereits abgeschrieben?

Nein, wir haben gemeldet, dass der Umsatz deutlich geringer gesunken ist als der Absatz. Das spricht für einen guten Fahrzeugmix. Allerdings können auch wir uns dem Trend nicht entziehen. Auch wir kochen nur mit Wasser. Und der Siedepunkt ist der gleiche wie bei unseren Wettbewerbern.

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