Wenig Kautschuknachfrage: Lanxess leidet unter der Autokrise

Wenig Kautschuknachfrage
Lanxess leidet unter der Autokrise

Wenn die Autobranche kränkelt, tut das auch Lanxess weh: Der Chemiekonzern rechnet im ersten Quartal mit einem schwachen Ergebnis. Trotzdem dürfen Aktionäre auf eine satte Dividende hoffen.
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DüsseldorfDie anhaltende Autokrise in Europa zehrt am Gewinn des Chemiekonzerns Lanxess. Wegen der geringen Nachfrage aus der Reifen- und Automobilindustrie dürfte sich der operative Gewinn praktisch halbieren und bei 160 bis 180 Millionen Euro liegen, teilte der Dax-Konzern überraschend am Donnerstag mit. Anleger zeigten sich von dem Ausblick enttäuscht, der Kurs brach um rund sieben Prozent ein.

Seine Aktionäre will der Konzern trotz der harten Zeiten dennoch belohnen. Ihnen stellte Unternehmenschef Axel Heitmann in Aussicht, die Dividende für 2012 um 18 Prozent auf 1,00 Euro je Aktie aufzustocken. Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, der in Reifen und Dichtungen verwendet wird. Aktuell machen die Geschäfte mit der Reifen- und Autoindustrie etwa 40 Prozent des gesamten Konzernumsatzes aus.

„2013 wird uns das Leben nicht leichter machen. Eine grundlegende Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds ist bislang noch nicht festzustellen“, sagte Heitmann. Das schwache erste Quartal dämpft auch die Erwartungen für das Gesamtjahr. Die Rheinländer rechnen derzeit nicht damit, 2013 beim bereinigten operativen Gewinn an den Vorjahreswert von 1,2 Milliarden Euro heranzukommen. Heitmann kündigte an, dass Lanxess stark auf seine Kosten achten und seine Anlagen eng auf die Entwicklung der Nachfrage ausrichten werde.

Bei vielen Unternehmen hat die Talfahrt der europäischen Automärkte ihre Spuren hinterlassen. Der Reifenhersteller Continental stellte für das erste Quartal einen Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent in Aussicht. Der auf Dichtungen, Hitzeschilde und Kunststoffteile spezialisierte Autozulieferer Elring-Klinger verfehlte sein Gewinnziel 2012 deutlich und schockte die Börse unlängst mit einer unerwartet schwachen Geschäftsprognose. Lanxess hatte bereits angekündigt, wegen der flauen Nachfrage seine Anlage für Butyl-Kautschuk in Belgien sowie seine Produktion von EPDM-Kautschuk in Texas zeitweise herunterzufahren.

Ganz schwarz will Lanxess-Chef Heitmann aber nicht sehen. „Die Zeiten mögen im Moment stürmisch sein“, sagte der Konzernlenker. Mit der Ausrichtung auf die Schwellenländer sowie auf große globale Trends sei der Konzern aber unverändert optimistisch. So gehe das Unternehmen davon aus, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr wieder anziehe. Auch an seinen mittelfristigen Ergebniszielen hielt der Konzern fest: 2014 soll das bereinigte Ebitda bei 1,4 Milliarden Euro liegen und dann 2018 auf 1,8 Milliarden Euro zulegen.

Für das laufende Jahr stellte Lanxess zudem Investitionen von 650 bis 700 Millionen Euro in Aussicht. Seine Forschungs- und Entwicklungsausgaben will das Unternehmen ausgehend von den 192 Millionen Euro des Vorjahres um gut zehn Prozent erhöhen. Für den geplante Umzug der Konzernzentrale von Leverkusen nach Köln gab das Unternehmen nun einen konkreten Termin an. Am 3. September soll die neue Zentrale am Rhein-Ufer eingeweiht werden. Dann wird sich das Unternehmen, das Anfang 2005 vom Bayer-Konzern abgespalten wurde, auch beim Sitz der Firmenzentrale von seinem ehemaligen Mutterkonzern ganz abgenabelt haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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