Weniger Aufträge: Der Motor Maschinenbau stottert

Weniger Aufträge
Der Motor Maschinenbau stottert

Der Branchenverband VDMA korrigiert seine Prognose deutlich nach unten. Statt zu wachsen werde die Branche im laufenden Jahr nur stagnieren. Grund dafür seien neben einer eingetrübten Auftragslage auch Konjunktursorgen.
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FrankfurtDie deutsche Wirtschaft muss in diesem Jahr auf den Maschinenbau als Wachstumslokomotive verzichten. Stagnation statt Wachstum lautet die Produktionsvorhersage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA): „Wir revidieren unsere Prognose von plus vier Prozent auf null“, sagte VDMA-Präsident Thomas Lindner auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt am Donnerstag. Ursachen seien neben der schwächeren Nachfrage die Unsicherheit in Europa und die abflachende Konjunktur in China. Schwarzmalen wollte Lindner aber nicht: Er wolle eher von einer Verschnaufpause als von einem Abschwung sprechen, sagte er.

Im Dezember war die Produktion der Branche sogar um 1,9 Prozent zurückgegangen. Dadurch haben die Firmen die Prognose für 2011 verfehlt - eigentlich sollte die Produktion von Maschinen und Anlagen um 14 Prozent zulegen. Stattdessen produzierten die überwiegend mitteldständischen Unternehmen 12,1 Prozent mehr als im Jahr 2010. Das Volumen stieg um 24 Milliarden Euro auf 187 Milliarden Euro.

Die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltende Branche hatte nach der Wirtschaftskrise eine furiose Aufholjagd hingelegt. 2009 war die Produktion der stark auf den Export ausgerichteten Hersteller um ein Viertel eingebrochen. In den vergangenen beiden Jahren war sie insgesamt um 22 Prozent gestiegen. Vor allem die starke Nachfrage in Wachstumsstaaten wie China, Indien, Brasilien oder Russland hatte die Orderbücher anschwellen lassen.

In den vergangenen Monaten war die Nachfrage aber im Sog der Schuldenkrise zurückgegangen. Von Oktober bis Ende Dezember lagen die Auftragseingänge sieben Prozent unter dem Vorjahr. Im Gesamtjahr steigerten die Hersteller, zu denen neben zahlreichen Mittelständlern börsennotierte Unternehmen wie Gea, Gildemeister und ThyssenKrupp gehören, die Zahl der Beschäftigten dennoch um 35.000 auf 948.000.

Die Maschinenbauer reihen sich mit ihrem zurückhaltenden Ausblick in weitere Branchen ein. In der deutschen Stahlindustrie hatte sich die Nachfrage bereits seit dem Sommer eingetrübt. Kunden greifen auf ihre Bestände zurück. Die Branche erwartet in Deutschland eine Stagnation der Rohstahlproduktion. Auch die Automobilindustrie richtet sich auf ein Ende des Booms ein. Vor allem in Südeuropa können sich viele Menschen wegen gesunkener Einkommen in Folge der Schuldenkrise keine neue Autos mehr leisten. Insgesamt ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft aber keineswegs gedrückt. So stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex im Februar den vierten Monat in Folge.

Der VDMA hatte im Dezember seine erst drei Monate alte Prognose mit Fragzeichen versehen. In den vergangenen zehn Wochen habe sich die pessimistischere Einschätzung verstärkt, sagte VDMA-Präsident Lindner. „Diese Revision wird auch erforderlich, weil sich unsere stille Befürchtung, dass der Auftragseingang stark ins Minus rutscht, leider erfüllt hat.“ Getrübt war die Nachfrage zuletzt nicht nur in den durch die Schuldenkrise gebeutelten Staaten in Südeuropa, sondern auch in China - dem mit Abstand größten Auslandsmarkt der Branche.

Zwar gebe es erste Anzeichen dafür, dass sich die Geschäfte bald wieder belebten. „Gleichwohl können wir nicht ignorieren, dass der Maschinenbau nach einem beispiellosen Aufholprozess nahe an seinem zyklischen Höhepunkt ist.“ Nicht alle Bereiche des Maschinenbaus sind gleichermaßen sorgengeplagt. So erwarten etwa die Hersteller von Werkzeugmaschinen in diesem Jahr ein Wachstum der Produktion von fünf Prozent. Die Landmaschinenhersteller rechnen mit einem Plus von drei Prozent. Schlechter ist die Situation etwa bei der Bekleidungs- und Ledertechnik. Auch deshalb wandte sich der Verband erneut vehement gegen die Forderung der IG Metall nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6,5 Prozent. „Eine Tarifanhebung in der geforderten Größenordnung passt nicht zu der Tatsache, dass wir als Maschinenbauindustrie insgesamt unser Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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