Weniger Geld für weniger Arbeit - Verdi spricht von „Zumutung“
Konzerne wollen Jobabbau bremsen

Deutsche Großunternehmen greifen zu ungewöhnlichen Maßnahmen, um Kosten zu senken und den Stellenabbau zu begrenzen. Die Deutsche Telekom will für ihre 100 000 Beschäftigten im Inland eine Arbeitszeitverkürzung von zehn Prozent ohne Lohnausgleich durchsetzen. Opel plant nach Angaben aus Unternehmenskreisen, im Stammwerk Rüsselsheim die 30-Stunden-Woche einzuführen. Die Reaktionen der Arbeitnehmerseite sind gespalten.

lip/hz/tnt/dc DÜSSELDORF. Die Telekom legte gestern ihre Forderungen für die Tarifverhandlungen im Frühjahr 2004 vor. Zentraler Punkt des von Personalvorstand Heinz Klinkhammer präsentierten „Beschäftigungspakts“: Die Wochenarbeitszeit wird von 38 auf 34,1 Stunden reduziert, das Entgelt entsprechend gekürzt. Nach Angaben Klinkhammers können so 10 000 Arbeitsplätze gesichert werden. Bislang hatte das Unternehmen geplant, bis Ende 2005 rund 40 000 Arbeitsplätze abzubauen. Davon entfallen rund 30 000 auf die Festnetzsparte T-Com.

Klinkhammer sagte, die Telekom könne durch den Beschäftigungspakt einen „dreistelligen Millionenbetrag“ einsparen. Aus Unternehmenskreisen hieß es, der Betrag liege bei 500 Mill. Euro.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wies den Vorstoß als „völlig indiskutabel“ zurück. Verdi-Vize Franz Treml bezeichnete den Beschäftigungspakt als „Gipfel der Zumutung“. Es könne nicht sein, dass die Beschäftigten nun die Zeche für Managementfehler zahlen sollten.

Die weiteren Punkte des Konzeptes: Die Ausbildungsquote wird verringert, es werden weniger Auszubildende als bislang nach der Lehre übernommen, den Lehrlingen wird weniger Gehalt bezahlt. Außerdem verlangte Klinkhammer eine „differenzierte Bezahlung“ der Beschäftigten in der konzerneigenen Personal- Service-Agentur Vivento: „Es ist einfach auf Dauer nicht tragbar, dass Mitarbeiter ohne Beschäftigung das gleiche Einkommen beziehen wie diejenigen, die arbeiten.“

Offensichtlich setzt die Telekom nun auf den Beschäftigungspakt, weil sich die Hoffnungen, über Vivento einen erheblichen Teil des geplanten Personalabbaus abwickeln zu können, nicht erfüllt haben.

Die vom Telekom-Vorstand geplanten Lohnkürzungen betreffen Beamte und Angestellte in unterschiedlicher Form. Dem Telekom-Konzept zufolge sollen Beamte zum Ausgleich für die kürzeren Arbeitszeiten auf ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Dies entspricht nach Klinkhammers Angaben einem zehnprozentigen Einkommensverzicht. Bei den Angestellten dagegen wird das Gehalt komplett um den angestrebten Prozentsatz gekappt. Die Zahl der Beamten und der Angestellten bei der Telekom hält sich in etwa die Waage.

Klinkhammer kündigte an, er wolle bereits im November Verhandlungen mit Verdi aufnehmen. Der Entgelttarifvertrag für die Beschäftigten läuft Ende April aus.

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