Weniger Geld steht für Ausbau des Schienennetzes zur Verfügung
Massiver Stellenabbau in Bahnindustrie

Nach mehreren Boomjahren hat die deutsche Bahnindustrie in diesem Jahr einen Auftragseinbruch vor allem wegen geringer Bestellungen der Deutschen Bahn verzeichnet. Die Branche erwartet in diesem Jahr den Abbau von zehn Prozent ihrer Stellen.

HB BERLIN. Seit Jahresbeginn wurden in der Branche mit ihren bundesweit knapp 40 000 Beschäftigten bereits mehr als 1800 Stellen gestrichen. Bis zum Jahresende werden es nach Einschätzung des Bahnindustrie-Verbandes VDB etwa 4000 sein. Als Grund für den Auftragsrückgang nannte Verbandschef Friedrich Smaxwil am Dienstag in Berlin vor allem Kürzungen im Bundeshaushalt, weshalb die Deutsche Bahn erheblich weniger Geld ausgeben kann.

Nach VDB-Angaben gingen im ersten Halbjahr noch Aufträge für 3,2 Mrd. Euro ein. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2003 (4,9 Mrd. Euro) bedeutet dies ein Minus von 34 Prozent. Die Inlands-Bestellungen gingen sogar fast um die Hälfte auf nur noch 1,6 Mrd. Euro zurück. Smaxwil, der auch im Siemens-Vorstand sitzt, bezeichnete dies als „Katastrophe“. Der Verbandschef äußerte aber die Erwartung, dass sich die Situation etwas entspannen wird. Für das Gesamtjahr rechne die Branche aber immer noch mit einem Auftrags- Minus von 20 Prozent.

Beim Umsatz fiel das Minus im ersten Halbjahr deutlich geringer aus: Er sank von 4,4 auf 4,3 Mrd. Euro. Hier rechnet die Bahnindustrie über das Jahr hinweg mit einem Rückgang von zehn Prozent auf knapp neun Milliarden Euro. Smaxwil begründete die schlechteren Zahlen unter anderem damit, dass deutlich weniger Geld für den Ausbau der Schienennetzes zur Verfügung stehe. Im Regionalverkehr würden kaum noch neue Fahrzeuge bestellt, weil das vorgesehene Geld für andere Zwecke verwendet werde.

Auf eine Prognose für das nächste Jahr legte sich der Verband noch nicht fest. Hauptgeschäftsführer Michael Clauecker äußerte allerdings die Befürchtung, dass weitere Stellen verloren gehen. „Wenn es kein neues Tempo bei den Bestellungen gibt, wird sich der Arbeitsplatzabbau eher noch beschleunigen.“ Der Verband vertritt knapp 100 Mitgliedsunternehmen, darunter Konzerne wie Siemens und Bombardier.

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