
PEKING/STUTTGART. Die Stadtregierung von Peking hat zum Jahresende die Autoindustrie in Schrecken versetzt: Um das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen, will sie im kommenden Jahr die Zahl der Neuzulassungen von Autos halbieren. Nicht nur bei den Autoherstellern sorgt diese Nachricht für helle Aufregung, sondern auch an der Börse.
Die Aktien deutscher Autobauer sind eingebrochen. Die Kurse der Papiere von Volkswagen, BMW und Daimler fielen am Montagvormittag zeitweise in der Spitze um bis zu fünf Prozent. Schlusslicht war die VW-Aktie mit einem Minus von 4,53 Prozent auf 122,30 Euro. Auch chinesische Autobauer sind betroffen. Anteilsscheine von Geely und Brilliance gaben gut sechs Prozent nach, Konkurrent Dongfeng rutschte im Hongkonger Handel sogar neun Prozent nach unten.
Die Entscheidung der 22-Millionen-Metropole Peking gilt nämlich als richtungweisend für die Verkehrspolitik des Landes und könnte der China-Euphorie der Autohersteller einen empfindlichen Dämpfer verpassen. Ganz besonders deshalb, weil die deutsche Autoindustrie ihre Wachstumprognosen auf einen ungebremsten Boom in China stützt.
Nicht nur die Autobauer, auch alle großen deutschen Zulieferer mit globaler Präsenz wie etwa Bosch oder ZF haben ihre schnelle Erholung im Jahr 2010 vor allem dem raschen Comeback des chinesischen Marktes zu verdanken. Die positiven Prognosen für 2011 wurden alle unter dem Vorbehalt gegeben, dass es keinen Einbruch in China gibt. So betonte ZF-Chef Hans-Georg Härter vor nicht einmal zwei Wochen, dass die starke Abhängigkeit deutscher Premium-Autobauer von China ein Risiko für die weitere Entwicklung berge.
Die deutsche Industrie ist in China stark vertreten und baut ihre Präsenz durch Milliardeninvestitionen aus. Volkswagen beispielsweise investiert bis 2012 sechs Milliarden Euro. "Das bemerkenswerte Fertigungsplus ist zum größten Teil auf die starke Nachfrage in China und anderen Schwellenländern zurückzuführen", schreibt Felix Kuhnert, Leiter des Bereichs Automotive bei der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers.
Die neuen Pekinger Zulassungsbeschränkungen werden den Absatz in der Stadtpräfektur voraussichtlich auf 400 000 Einheiten kappen, sagte Luo Lei vom chinesischen Autohändlerverband im staatlichen Fernsehen. Die Zahl ergibt sich aus der Ausgabe von 240 000 neuen Nummernschildern sowie 160 000 Ersatzkäufen. Die rationierte Zuteilung der Neuzulassungen erfolgt nach dem Losverfahren. Im Jahr 2010 lag der Absatz noch bei 800 000 Autos.

Die chinesische Hauptstadt gehört zu den reichsten Regionen des Landes. Sie ist damit einer der wichtigsten Automärkte des Landes - auf dem Lande können sich die meisten Haushalte noch keinen eigenen Wagen leisten. China ist zugleich während der Wirtschaftskrise zum größten Automarkt der Welt aufgestiegen: 2009 lag der Absatz landesweit bei 13,6 Millionen Einheiten, für 2010 erwartet der Verband der Autohersteller einen Anstieg auf von 15 Millionen. Das Wachstums war nach Einführung einer Abwrackprämie und anderer Kaufanreize in den vergangenen zwei Jahren außerordentlich stark hochgegangen. Auch der Verband erwartet nun eine Normalisierung.
Chinas Wirtschaftsplaner befinden sich derzeit in einem Dilemma. Die Autoindustrie ist einerseits eine wichtige Stütze des Wirtschaftswachstums. Ihre Förderung gilt als wichtig für die Entwicklung des Landes. Andererseits leiden Großstädte wie Peking und Schanghai unter dauernden Verkehrsstaus.Die Lebensqualität der Hauptstädter leidet erheblich darunter, so dass die Politik freier Neuzulassungen inzwischen als verfehlt gilt. Über die Weihnachtstage wurde der zuständige Pekinger Vizebürgermeister für Verkehrsplanung seines Postens enthoben und in die abgelegene Region Xinjiang versetzt - über dreitausend Kilometer ins Landesinnere.
Da in Chinas Großstädten schon aus Platzmangel des Absatzwachstum abflachen muss, hofft die Autoindustrie nun auf das schnelle Nachziehen der vielen hundert Städte jenseits der Vorzeigemetropolen. Auch sehen die Anbieter dank steigenden Lebensstandards zweistellige Absatzsteigerungen.
ich frage mich schon lange was die deutsche Autoindustrie eigentlich vor hat. Mein Zwischenergebnis: Jeder Mensch auf der Welt soll sein Auto haben, oder zwei, oder drei. Egal, wo die Dinger bleiben, in der Garage, im Stau, im Museum, ... Das Gute an den sogenannten "nicht demokratischen Ländern" ist, dass in ihnen solche Maßnahmen einfach durchgezogen werden können. Das das natürlich unserem "demokratischen Rechtsverständnis" nicht passt, hat sicher auch etwas damit zu tun, dass man so weniger oder gar kein Geld verdienen kann. Dass diese Länder aber auf diese Weise Probleme lösen, die wir nicht oder nur sehr langsam lösen, das wird gern übersehen. Dass ein Konzern, wie Daimler das ungebremste Wachstum bei den Automobilzulassungen einplant, erscheint mir schon ziemlich skurril. Aber vielleicht ist man sich sicher, dass bei einer Krise wieder mal der Steuerzahler hilft.
"lächerlich armselig verlogenes Pack"?
Wieso? Auf pivate Pkws kann der Staat in der Tat verzichten, aber nicht unbedingt auf Kohlekraftwerke.
CO2 Einsparung,
lächerlich armselig verlogenes Pack
Gruß aus China
Hier geht in 2010 wöchentlich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz.
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