Wenn Sanierer streiten: Die blockierte Rettung

Wenn Sanierer streiten
Die blockierte Rettung

Die Westfälische Papierfabrik muss dringend saniert werden. Doch der vom Aufsichtsrat ausgesuchte Sanierer darf nicht kommen, weil die Banken sich querstellen. Bei dem seltsamen Streit sind 2900 Arbeitsplätze bedroht.
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ArnsbergDie Krise ist ein lukratives Geschäft: Wenn Unternehmen von der Pleite bedroht sind, kommen Sanierer ins Spiel. Die können dort, wo vermeintlich gar nichts mehr ist, noch Millionen verdienen. Schwierig wird es, wenn im Streit um den Sanierungsauftrag die Sanierung selbst ins Stocken gerät. Ein Paradebeispiel für diese absurde Situation ist die Westfälische Papierfabrik, kurz Wepa. Seit zwei Monaten hängt die Berufung eines Chefsanierers in der Luft. Die Beteiligten bekämpfen sich mit allen Mitteln.

Die 1948 gegründete Wepa mit ihren 2900 Mitarbeitern kämpft ums Überleben. Die Umsätze sind zu niedrig, die Schulden zu hoch, seit Monaten erlaubt nur noch ein Stillhalteabkommen der beteiligten Banken die Fortführung des Geschäftsbetriebs.

Kurz vor Weihnachten beauftragte der Aufsichtsrat der Wepa deshalb die Personalberatung Egon Zehnder, einen sogenannten Chief Restructuring Officer (CRO) zu finden, einen Krisenmanager auf Zeit.
Schon Anfang Januar stellte sich eine Reihe von Kandidaten vor. Am 19. Januar entschied sich der vom Ex-CDU-Spitzenpolitiker und Anwalt Friedrich Merz geleitete Aufsichtsrat der Wepa für Walter Bickel von der US-Sanierungsberatung Alvarez & Marsal.

Vier Tage später bekam Merz Post. Heinz-Günter Gondert von der Kanzlei Clifford Chance schrieb dem Chefkontrolleur, er sei von den vier kreditgebenden Banken der Wepa beauftragt, allergrößte Vorbehalte vorzutragen.
„Es bleibt festzuhalten, dass es sich bei Herrn Dr. Bickel als Kandidaten für das Amt des Chief Restructuring Officers weder um eine effektive noch um eine effiziente Maßnahme handelt“, schrieb Gondert. „Darüber hinaus müssen sich die Banken aufgrund des fehlenden Vertrauens fragen, inwieweit bei dieser Ausgangslage die Voraussetzungen für die weitere Gewährung des Überbrückungskredits noch fortbestehen können.“

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