Wer das Geld seiner Investoren für gesellschaftliche Projekte ausgibt, muss mit schlüssigen Konzepten antreten
Bürgerpflichten rechnen sich

Wer den Unternehmen sein Geld zur Verfügung stellt, der will auch wissen, wie es verwendet wird. Aktionäre fragen deshalb nach den Konzepten zur Corporate Citizenship.

FRANKFURT/M. „In welches soziale Projekt ist eigentlich das Geld geflossen, das Henkel eingespart hat, weil Sie uns keine Taschen mit Produkten mehr geben?“ fragte eine Aktionärin auf der Hauptversammlung den Konzernchef Ulrich Lehner. Böse Zungen würden der Fragestellerin vielleicht Enttäuschung über das Ausbleiben der Naturaldividende unterstellen. Nüchtern betrachtet, ist die Frage der Aktionärin des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers aber „absolut berechtigt“, findet Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK). Aktionäre haben ein Recht darauf zu erfahren, in welche sozialen Projekte Unternehmen Geld investieren, schließlich ist es ja meistens das Geld der Aktionäre.

Weil in Deutschland die Diskussion um bürgerschaftliches und soziales Engagement der Unternehmen – neudeutsch Corporate Social Responsibility (CSR) – entfacht ist, werden sich börsennotierte Unternehmen künftig immer öfter den kritischen Fragen ihrer Kapitalnehmer stellen müssen. Davon sind CSR-Experten überzeugt. „Unternehmen sind zunehmend gefordert, Stellung zu beziehen, inwieweit sie sich über den gesetzlichen Rahmen hinaus für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen“, sagt beispielsweise Florian Sommer, Berater bei der gemeinnützigen Organisation „Forum for the Future“ in London, die Unternehmen bei CSR-Projekten berät.

Nach der Tsunami-Katastrophe in Asien, die auch viele Unternehmen zu großzügigen Spenden bewogen hat, diskutieren CSR-Verantwortliche wieder verstärkt die Frage, wie soziale Verantwortung von Unternehmen eigentlich aussehen soll. „Menschenfreund auf Kosten von anderen, sprich den Kapitalgebern, kann es eigentlich nicht sein“, provozierte der „Economist“ kürzlich.

Dabei stellt niemand grundsätzlich den Sinn der Spenden nach einer Ausnahmekatastrophe wie der in Südostasien Anfang des Jahres in Frage. Dennoch: Geld geben ist das eine. Echte Corporate-Social-Responsibility ist etwas anderes. „Wenn sich Unternehmen im Sinne von Corporate Citizenship engagieren, dann muss es ökonomisch sinnvoll sein. Denn Unternehmen sind nicht gemeinnützig, sondern dazu da, um Gewinn zu machen“, sagt Alexander Bassen, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftlehre an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik.

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