„Werden uns um weiße Flecken kümmern“ ZF denkt nach Schuldenabbau wieder an Zukäufe

Der US-Milliardenzukauf des Zulieferers TRW finanzierte ZF Friedrichshafen weitgehend fremd. Die Verschuldung des Autozulieferers lässt jetzt wieder größere Übernahmen zu.
Update: 15.01.2018 - 17:38 Uhr Kommentieren
ZF Friedrichshafen denkt nach Schuldenabbau wieder an Zukäufe Quelle: dpa
ZF Friedrichshafen

„Wenn wir weiße Flecken entdecken, dann werden wir uns darum kümmern.“

(Foto: dpa)

DetroitDer Autozulieferer ZF Friedrichshafen kann sich nach der Milliarden-Übernahme von TRW aus dem Jahr 2015 nun doch wieder größere Übernahmen vorstellen. „Geringere Finanzverbindlichkeiten lassen unsere Eigenkapitalquote wieder steigen und erweitern den finanziellen Spielraum für weiteres Wachstum, zum Beispiel durch Zukäufe“, sagte der seit Dezember amtierende Vorstandschef Konstantin Sauer im Rahmen der US-Automesse in Detroit.

ZF hatte den US-Zulieferer TRW 2015 für rund 12,4 Milliarden US-Dollar gekauft und das zum großen Teil mit Schulden finanziert. Die Schuldenlast werde 2018 weiter sinken, betonte Sauer.

„Wenn wir weiße Flecken entdecken, dann werden wir uns darum kümmern“, sagte Sauer. In der Softwareentwicklung zum Beispiel schaue sich ZF derzeit danach um, wie man kurzfristig die Kapazitäten erhöhen könne. Dass er den laut Medienberichten bei Zukäufen derzeit vorsichtigeren Aufsichtsrat vom Sinn von Übernahmen überzeugen könne, wollte Sauer nicht in Frage stellen. „Wenn wir gute Argumente haben – warum nicht?“

Das sind die größten Autozulieferer der Welt
Platz 10: Faurecia
1 von 15

Der Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die Franzosen kletterten im Ranking in diesem Jahr um einen Rang nach oben, obwohl es beim Umsatz um 0,3 Prozent nach unten ging. Der Umsatz betrug 2016 insgesamt 18,7 Milliarden Euro.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 9: Michelin
2 von 15

Die vor allem für ihre Reifen bekannte Firma aus Frankreich machte 2016 insgesamt 20,9 Milliarden Euro Umsatz. Das bedeutet ein Minus von 1,4 Prozent. Dennoch reicht es für die Top Ten der größten Automobilzulieferer der Welt.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
3 von 15

Die Japaner, ebenfalls vor allem für ihre Reifen bekannt, bleiben trotz eines Minus von 6,7 Prozent auf dem achten Platz der Rangliste. Der Umsatz betrug zuletzt 22,5 Millionen Euro.

Platz 7: Aisin
4 von 15

Die zweite japanische Firma in den Top Ten: Aisin, das zur Toyota-Gruppe gehört, darf sich über ein Plus von 15,9 Prozent freuen. Damit lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 28 Milliarden Euro.

Platz 6: Hyundai Mobis
5 von 15

Obwohl die Koreaner, die Hyundai und Kia beliefern, ein Plus von 7,6 Prozent machten, fielen sie um einen Rang zurück. Der Umsatz betrug 30,2 Milliarden Euro.

Platz 5: ZF Friedrichshafen
6 von 15

Der Stiftungskonzern vom Bodensee konnte Hyundai Mobis überholen, denn das Umsatzplus betrug zuletzt 19,3 Prozent. Der gesamte Umsatz für das Jahr 2016 beläuft sich auf 32,353 Milliarden Euro.

Platz 4: Magna
7 von 15

Der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer verzeichnete jüngst ein Umsatzplus von 17,6 Prozent. Mit einem Erlös von 34.587 Milliarden Euro verharrt Magna auf dem vierten Rang.

Ex-Vorstandschef Stefan Sommer hatte das Unternehmen im Dezember nach einem Streit mit kommunalen Anteilseignern verlassen. Der Aufsichtsrat hatte Sommer mit der Ablehnung des Kaufs des Bremsenherstellers Wabco eine weitere Großübernahme verweigert, die rund sieben Milliarden Euro gekostet hätte. ZF gehört zu knapp 94 Prozent der Zeppelin-Stiftung, die von der Stadt Friedrichshafen vornehmlich in Person von Oberbürgermeister Andreas Brand kontrolliert wird.

Beim Neujahrsempfang der Stadt am Sonntag Abend verteidigte Brand vor 2000 Bürgern die ablehnende Haltung gegen Sommers Expansionspläne mit dem Risiko, das mit einem erneuten steilen Anstieg der Schulden verbunden gewesen sei. „In der Folge einer solchen Übernahme hätte ZF im Krisenfall nur durch Verkauf von Anteilen oder einen Börsengang abgesichert werden können“, sagte Brand.

Wie wahrscheinlich dieses Krisenszenario gewesen sei, ließ der Oberbürgermeister in seiner Rede offen. Er bekräftigte aber: „ZF hat seinen Sitz in Friedrichshafen und nicht an der Börse.“ Die Aussage „ZF war , ist und bleibt Stiftungsunternehmen“ brachte ihm großen Beifall im Friedrichshafener Publikum.

Im Vorstand des Autozulieferers hat das vom Eigentümer befürchtete Szenario eines Börsengangs offensichtlich keine große Rolle gespielt. „In meiner Zeit als Finanzchef, also seit 2010, habe ich nie einen Finanzplan aufgestellt, der einen Börsengang beinhaltet hätte“, sagte Sauer, der das Amt des Vorstandschefs und des Finanzvorstands derzeit gleichzeitig ausübt in Detroit.

Er habe auch nie einen Börsengang dem Aufsichtsrat vorgestellt. Er spreche dabei für den gesamten ZF-Vorstand. Wie lange er an der Spitze von ZF bleibe, sei Sache des Kontrollgremiums, sagte Sauer. „An unserer Strategie und an unserem Wachstumstempo wird sich auch nach dem Abgang von Herrn Sommer nichts ändern“, betonte Sauer. Auch OB Brand bekannte sich zur Unternehmensstrategie und versicherte, dass ZF in Zukunft wieder passsende Unternehmen zukaufen werde, die die Mobilität der Zukunft gestalten. Nur die operative Führung

ZF ist mit knapp 40 Milliarden Euro Umsatz drittgrößter Autozulieferer in Deutschland hinter Bosch und Continental und so groß wie ein mittlerer Dax-Konzern. Derzeit sucht der ebenfalls neue Aufsichtsrats-Chef Franz-Josef Paefgen einen dauerhaften Nachfolger für Sommer. Für den Spitzenjob kommen in Deutschland nur wenige Top-Manager in Frage. Gehandelt werden Namen wie Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, der frei verfügbar wäre und bei ZF auch schon mal vor fünf Jahren als Vorstandschef gehandelt wurde. "Es könne aber auch eine Überraschung geben", heißt es im Umfeld des Unternehmens. Nach Informationen aus Aufsichtsrats-Kreisen, ist bereits ein geeigneter Favorit für den Job ausgeguckt. Oberbürgermeister Brand hatte in seiner Neujahrsansprache das Thema Chefposten bei ZF bewusst vermieden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: „Werden uns um weiße Flecken kümmern“ - ZF denkt nach Schuldenabbau wieder an Zukäufe

0 Kommentare zu "„Werden uns um weiße Flecken kümmern“: ZF denkt nach Schuldenabbau wieder an Zukäufe"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%