Werften für Öl- und Gas-Plattformen
MAN Ferrostaal investiert in Südafrika

Die Essener MAN Ferrostaal baut am Kap Werften für Förderplattformen für Öl und Gas, die ersten ihrer Art in dem Land. Die Projekte sind Teil eines Kompensationsgeschäfts mit der südafrikanischen Regierung. Experten rechen mit Milliardeninvestitionen internationaler Konzerne in die Ölforderung.

wd KAPSTADT. Wenn es nach Klaus Lesker geht, wird die afrikanische Ölindustrie in Kürze ein neues Servicezentrum haben: Südafrika. Lesker sitzt im Vorstand der Essener MAN Ferrostaal, einem Anbieter von Industriedienstleistungen. Kürzlich gab er den Startschuss für zwei Großprojekte in Kapstadt und an der südafrikanischen Westküste. MAN Ferrostaal wird dort die ersten Werften des Landes zur Montage und Reparatur von Öl- und Erdgas-Förderplattformen errichten. „Das Projekt gibt der südafrikanischen Wirtschaft die Möglichkeit, sich in der expandieren Öl- und Gas-Industrie in Afrika zu engagieren“, sagt Lesker.

Die Öllagerstätten in Afrika machen bis zu zehn Prozent der weltweit bekannten Vorkommen aus. Branchenschätzungen zufolge werden internationale Konzerne in den nächsten fünf Jahren bis zu 100 Mrd. Dollar in die Förderung vor der Küste Westafrikas stecken. Die USA wollen künftig mehr Öl und Gas aus dieser Region beziehen, um weniger abhängig vom Nahen Osten zu sein.

Die beiden Projekte der MAN Ferrostaal am Kap sind Teil eines so genannten Kompensationsgeschäfts mit der südafrikanischen Regierung. Als Mitglied des deutschen U-Boot-Konsortiums, zu dem auch die Howaldtswerke Deutsche Werft AG und die Nordseewerke gehörten, hatte MAN Ferrostaal 2000 drei U-Boote vom Typ U 209 nach Südafrika geliefert. Den Steuerzahlern der Kaprepublik hatte die Regierung die immerhin rund 800 Mill. Euro teure Anschaffung mit einer speziellen Vertragsklausel schmackhaft gemacht: Das Konsortium musste sich verpflichten, dieselbe Summe, die es für die U-Boote erhält, in die südafrikanische Wirtschaft zu investieren. MAN Ferrostaal hatte es übernommen, diese Verpflichtung für die liefernden Unternehmen zu erfüllen. Seitdem hat das Unternehmen seine Vertragsauflagen mit verschiedenen kleineren Projekten abgestottert. So sanierte es in Südafrika mehrere Teeplantagen und errichtete eine Recyclinganlage sowie ein Call-Center. Die beiden Werft-Projekte sind das bislang umfangreichste Kompensationsgeschäft für MAN Ferrostaal.

Zunächst errichtet das Unternehmen auf einem rund 220 000 Quadratmeter großen Gelände in Saldanha Bay, rund 100 Kilometer nördlich von Kapstadt, eine Werft zur Montage neuer Offshore-Plattformen. Der Hafen dient bislang vor allem der Verschiffung von Eisenerz aus der Kalahariwüste. Die neue Werft wird MAN Ferrostaal nach Fertigstellung an einen südafrikanischen Projektpartner übergeben, der sich um den Betrieb kümmert.

In einem zweiten Projekt will MAN Ferrostaal außerdem eine Wartungs- und Servicestation für Öl- und Gasplattformen im Hafen von Kapstadt errichten. Beide Projekte zusammen werden rund 30 Mill. Euro kosten. Nach Angaben des Konzerns gibt es in Afrika bislang keine vergleichbaren Werften zur Neuproduktion von Plattformen – die Geräte dafür müssen aus Werften in Asien, Nordamerika und Europa an ihren Einsatzort geschleppt werden. Und selbst die sind angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Öl und Gas auf Jahre ausgebucht.

Bei der Infrastruktur für Wartung und Umrüstung sieht es nicht besser aus: In die Werkstatt kommen die afrikanischen Plattformen meist in Europa, den USA, Dubai oder Singapur. Und jeder Tag, an dem eine Plattform auf dem Meer unterwegs ist, statt zu fördern, kostet die Eigentümer bis zu 500 000 Dollar.

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