Werften
Schiffbau kämpft mit der Krise

Der deutsche Schiffbau steckt in der Krise: Neue Aufträge bleiben aus, der Auftragsbestand sinkt, Kurzarbeit ist in Planung und Arbeitsplatzabbau droht. 2009 werde ein Schicksalsjahr für den Industriezweig sein, teilte der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg mit.

HB HAMBURG. Der verbliebene Auftragsbestand von 139 Einheiten im Wert von 11,5 Mrd. Euro (erstes Quartal) müsse abgesichert werden. Nur dann könnten die Werften die Umrüstung auf den Bau von Spezialschiffen schaffen. Wenn dies nicht gelinge, werde es statt neuer Produkte Standortschließungen geben, mahnte Verbandschef Werner Lüken. Die Branche hofft darauf, dass öffentliche Aufträge vorgezogen werden.

Bis Herbst 2008 hat der deutsche Schiffbau vom Boom profitiert. Die Werften lieferten im Gesamtjahr 84 Schiffe im Wert von rund 4,5 Mrd. Euro ab - plus 42 Prozent - und erreichten damit das beste Ergebnis seit 1990. Doch die Wirtschafts- und Finanzkrise zog die Schiffbauer in ihren Sog: Der Auftragseingang 2008 für 46 Schiffe im Wert von 2,9 Mrd. Euro lag bereits um 40 Prozent unter Vorjahr.

Hinzu kamen Auftragsstornierungen, die sich von Januar bis Ende März 2009 auf 40 Schiffe (1,5 Mrd. Euro) summierten. Durch niedrige Anzahlungsraten von 20 Prozent für Neubauten in Deutschland falle es Reedern leicht, Aufträge zurückzunehmen, berichtete VSM-Hauptgeschäftsführer Werner Lundt. Und seit Jahresbeginn kam kein neuer Auftrag hinzu. Verschärft würden die Probleme durch die Geschäftspolitik der Banken, die sich aus der Bauzeit- und Bauendfinanzierung von Schiffen zurückziehen.

Der aktuelle Auftragsbestand verteilt sich laut Verband nur auf wenige Werften; vier stehen bereits in der Insolvenz. „In Kürze ist mit Kurzarbeit und Kapazitätsanpassungen zu rechnen“, sagte Lundt. Im Massenmarkt - Container, Bulker - bewege sich nichts. Daher soll die Umstellung deutscher Werften auf High-Tech-Schiffstypen weiter Fahrt aufnehmen. Denn Kreuzfahrt- und Fährschiffe, Jachten und Spezialschiffe für Offshore-Technik machen zwei Drittel der zukünftigen Produktion aus. Mit einem technologischen Vorsprung wollen deutsche Werften daher bei der Auftragsakquisition für ausrüstungsintensive Schiffe punkten.

Jachtbauern geht es derzeit noch besser: Zwar sei die Nachfrage rückläufig und es gebe Stornierungen, sagte VSM-Vorstandsmitglied Friedrich Lürßen. Er rechnet in diesem und nächsten Jahr aber erneut mit der Ablieferung von fünf bis sechs Jachten über 60 Meter Länge.

Zu schaffen macht der Industrie, dass asiatische Länder wie China und Korea ihre Werften in der Krise wieder mit milliardenschweren Hilfsprogrammen unterstützen. Hinzu komme, dass die Werftkapazitäten dort weiter ausgebaut werden, obgleich der Schiffsbedarf geschrumpft ist, berichtete VSM-Manager Lundt. Er rechnet in den kommenden Jahren mit Überkapazitäten und infolgedessen mit einem harten Preiskampf.

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