Werftenverbund
Thales steigt bei DCN ein

Nach langen Verhandlungen beteiligt sich der französische Rüstungs- und Elektronik-Konzern Thales mit 25 Prozent an der staatlichen Marinewerft DCN. Das teilte die französische Regierung gestern in Paris mit. In Frankreich wird der Zusammenschluss als Nukleus für eine Konsolidierung der zersplitterten europäischen Marine-Industrie gesehen.

HB PARIS/DÜSSELDORF. In Deutschland hatten sich bereits Thyssen-Krupp und HDW zur Thyssen Krupp Marine Systems vereint. Die deutsche Seite bleibt nach wie vor skeptisch mit Blick auf eine Zusammenarbeit mit den Franzosen.

Der nun offiziell begründete Marine-Verbund aus Thales und DCN ist offen für weitere europäische Partner. Das sagte Frankreichs Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie bei der Vorstellung des Projekts. „Ich wünsche eine Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern“, sagte die Ministerin, „aber derzeit sind die Bedingungen für eine Zusammenarbeit mit unseren spanischen und portugiesischen Partnern in einem fortgeschritteneren Stadium .“

Zur Schaffung des französischen Marine-Verbunds bringt Thales die Marine-Tochter Thales Naval France ein, sowie die 50 Prozent an der mit DCN gehaltenen Vermarktungsgesellschaft Armaris. Ferner leistet Thales eine Abschlagszahlung, die Thales-Chef Denis Ranque mit „100 bis 150“ Mill. Euro bezifferte. Lange war die Bewertung von DCN der Knackpunkt bei den Gesprächen. Laut Ranque wurde bei dem Deal ein DCN-Wert von 2,8 Mrd. Euro zugrunde gelegt, der einen Teil der Cash-Bestände berücksichtige.

Thales zieht mit zwei Mitgliedern in den Verwaltungsrat von DCN ein und bekommt ein strategisches Veto-Recht. Will DCN sein Kapital erhöhen oder ein anderes Unternehmen kaufen, muss Thales zustimmen. Dagegen hat Thales kein Veto-Recht in operativen Fragen. Auch in der Zusammensetzung des Exekutivkomitees ist DCN-Chef Jean-Marie Poimboeuf frei.

„Die Partnerschaft kann ausgebaut werden, Thales kann bis zu 35 Prozent am Kapital übernehmen“, sagte Finanzminister Thierry Breton. Im Gegenzug kann Thales den Verbund auch wieder verlassen; in diesem Fall ist zwingend der französische Staat der Käufer. Im Extremfall kann der Staat Thales auch zwingen, die Beteiligung zurückzugeben, sollte die Kooperation überhaupt nicht funktionieren.

Davon wollte gestern indes niemand sprechen. Mit der Allianz will Frankreich seine Kräfte im Marine-Bereich bündeln und verhindern, dass sich Thales und DCN gegenseitig Konkurrenz machen. Thales baut zwar wie DCN keine Schiffe, doch hat sich die staatliche Marine-Werft in der jüngeren Vergangenheit auch zu einem System-Lieferanten entwickelt.

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