Werk hat eine Schlüsselstellung
Die „wilden Spanier“ von Bochum

Die Mitarbeiter bei Opel im Ruhrgebiet gelten als streiklustig und haben die Konzernspitze mehrfach verärgert.

hz/zel FRANKFURT/M. „Spanier“ nennt man die Kollegen in Bochum bei Opel gern. Weil sie so stolz sind – und so aufbrausend. Eine Erfahrung, die nun auch das neue Management des Mutterkonzerns General Motors (GM) machen muss. Seit Donnerstag Nachmittag hält die aufgebrachte Belegschaft die Werkstore besetzt, nachdem GM verkündet hatte, 12 000 Stellen in Europa zu streichen, davon allein 4 000 laut Betriebsratsangaben in Bochum.

Einen Streik nennt das niemand hier. Offiziell nutzen die Beschäftigten ihr Recht auf Information. Die Werksleitung sieht das anders. Normalerweise rollen in Bochum täglich rund 1200 Opel Astra und Zafira vom Band. Der 1962 eröffnete Produktionsstandort ist neben Antwerpen das größte europäische Werk von GM. Jetzt steht alles still.

Wegen ihrer radikalen Haltung haben sich die Bochumer Betriebsräte fast überall bei GM die Sympathien verscherzt. Den letzten wilden Streik gab es in Bochum vor vier Jahren, weil sich die Belegschaft damals gegen die Zusammenlegung des Antriebs- und Motorenbereichs mit Fiat wehrte. Die Opel-Mutter GM hatte mit dem italienischen Konzern ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um die Kosten bei Antriebsaggregaten nachhaltig zu senken. „Bochum hat seinen Kredit bei allen verspielt“, klagt sogar ein hoher Funktionär der IG Metall. Die Belegschaft aus dem Ruhrgebiet verhindere regelmäßig, dass die gesamte Opel-Arbeitnehmerseite mit einer Stimme sprechen könne.

Doch die Betriebsräte in Bochum leiden ihrerseits wiederum unter ihrer eigenen großen Zerstrittenheit. Bei der letzten Betriebsratswahl wurden gleich mehrere IG-Metall-Wahllisten ins Rennen geschickt. Häufig konnte sich die Arbeitnehmerseite im Ruhrgebiets-Werk auf keine gemeinsame Position einigen, meistens setzten sich radikale Positionen durch. In GM-Kreisen heißt es, dass Detroit das Werk nicht nur wegen der hohen Arbeitskosten im Visier habe, sondern auch wegen der radikalen Positionen der Betriebsräte dort.

Doch Einschnitte in Bochum gelten als schwierig. Die Mitarbeiter haben immer wieder ihre Streikbereitschaft bewiesen. Das Werk hat eine Schlüsselstellung: Wegen der engen Vernetzung, kann Bochum mit einem Ausstand die Fertigung von GM in halb Europa lahm legen.

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