Werk hat nur bei Kostensenkung Zukunft
VW-Krise erreicht Kassel

dpa-afx BAUNATAL. Die klaren Worte an die Belegschaft lassen aufhorchen: Das Volkswagenwerk in Baunatal bei Kassel habe nur bei einer Senkung der Kosten und Steigerung der Produktivität eine Zukunft, machte Produktionsvorstand Reinhard Jung bei einer Betriebsversammlung am Dienstag klar. "Schneller und produktiver, genau das muss Kassel sein, wenn es nicht vom Wettbewerber überholt und verdrängt werden will." In dem zweitgrößten deutschen VW-Werk arbeiten rund 15 000 Beschäftigte. Damit ist der Autobauer der weitaus größte Arbeitgeber im strukturschwachen Nordhessen.

Das Komponentenwerk habe bei den Fabrikkosten ein gutes Ergebnis erzielt und auch das Budget eingehalten, sagte Jung. Trotzdem seien weitere Verbesserungen der Kosten unumgänglich, um die Budgetvorgaben für das kommende Jahr zu erreichen und damit auch nachhaltig die Beschäftigung zu sichern. Um Volkswagen wieder in Fahrt zu bringen, müsse einiges in Frage gestellt werden. Ob dies Einschnitte und einen Personalabbau im Werk Kassel bedeuten könnte, präzisierte das Unternehmen nicht. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung des Werkes ist noch im Gang. Klarheit soll es im Februar oder März geben.

Der Betriebsrat will die Zukunft des Kasseler Werkes - wie schon mit Erfolg in der Vergangenheit - über Innovationen sichern. "Wir müssen intelligente Wege gehen und intelligente Produkte finden", sagte der Kasseler Betriebsratsvorsitzende Jürgen Stumpf. "Es wird einen Transformationsprozess geben müssen." Bei bestimmten in Kassel gefertigten Komponenten könne das Werk auf Dauer nicht mit preiswerteren ausländischen Zulieferern konkurrieren. Zur Sicherung von Produktion und Belegschaft sei der Betriebsrat auch zu Zugeständnissen bei den Personalkosten bereit. Denkbar seien neue Schichtmodelle, aber nicht Mehrarbeit ohne Lohnausgleich.

Rund 60 000 Menschen in der Region leben nach Angaben von Volkswagen direkt oder indirekt von dem Werk. Hauptgeschäft ist die Fertigung von jährlich rund 2,5 Mill. Getrieben, dazu kommen Auspuffanlagen und Karosserieteile sowie das weltweite Ersatzteillager für VW und Audi./ev/DP/zb

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