Werk in Chattanooga eröffnet
VWs riskante Attacke in den USA

Gratisgrundstücke, Steuerrabatte, neue Autobahnauffahrten: VW wird in Chattanooga nicht allein bevorzugt behandelt. Mit großzügigen Anreizpaketen locken die USA deutsche Unternehmen ins Land.

New York/ChattanoogaMartin Winterkorn ist heute der große Held in der kleinen Stadt im Süden von Tennessee. Eine Milliarde Dollar hat der Volkswagen-Chef hier investiert, um ein Autowerk in den USA zu bauen. Mitten in der Wirtschaftskrise entstanden so Hunderte neue Arbeitsplätze in Chattanooga, 2 000 sollen es insgesamt werden. Heute feiert die Stadt mit Winterkorn die offizielle Werkseröffnung - und ihr wirtschaftliches Comeback.

Rund 400 Städte haben um die Großinvestition gekämpft. Doch keine kämpfte so hart wie Chattanooga: Finanzielle Anreize von 577 Millionen Dollar wurden VW bereitgestellt. Die Mittel kommen von der Stadt, aus dem Bundesstaat und aus Washington. Die Summe ist Rekord. In dem Paket enthalten sind Steuerrabatte für die nächsten 30 Jahre, Zuschüsse für die Ausbildung der Mitarbeiter, zwei Millionen Dollar für Marketing. Das Grundstück gab es gratis, ebenso wie die neue Autobahnauffahrt.

Je größer das Projekt, desto größer die Geschenke

Doch VW ist längst nicht das einzige deutsche Unternehmen, das bevorzugt behandelt wird. Zwischen den US-Bundesstaaten ist ein intensiver Wettbewerb um die ausländischen Investoren entbrannt. Wenn eine Region ein Unternehmen unbedingt haben will, greifen die Verantwortlichen tief in die Tasche, vermitteln Kontakte zu Banken, bürgen für Kredite. "Man wird mit Anreizen regelrecht zugeschüttet", freut sich ein Manager, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will.

Die Deutschen gelten als besonders attraktive Ziele: "Sie haben den Ruf, verlässlich zu sein und langfristig zu planen", sagt Thomas Schwegmann von der deutsch-amerikanischen Handelskammer in Houston. Er leitet ein Beraterteam, das deutschen Firmen dabei hilft, Standorte in den USA zu finden.

"Incentives" heißt das Zauberwort, das den Deutschen in den USA ungewöhnlich gute Investitionsbedingungen beschert. Diese sind eine Folge der Krise: Mehr als sieben Millionen Arbeitsplätze wurden in der Rezession vernichtet, nur wenige sind wieder zurückgekommen. Umso wichtiger werden die Investitionen aus dem Ausland.

Die finanziellen Anreize allein, betonen Unternehmen und Wirtschaftsförderer, seien nicht entscheidend. "Das gesamte Paket muss stimmen. Gibt es qualifizierte Arbeitskräfte, eine gute Anbindung an Flughäfen? Wie einfach bekommt man Baugenehmigungen? Das alles müssen Unternehmen beachten", sagt Nick Masino vom Wirtschaftsförderer aus Gwinnett County, einer Region nordwestlich von Atlanta. Doch er räumt ein: "Incentives sind heute so wichtig wie noch nie."

Rainer Floeth hat auf der ganzen Welt nach einem geeigneten Standort für ein neues Werk gesucht, um Röhren für die Öl- und Gasindustrie zu produzieren. Saudi-Arabien, China und Brasilien hatte der Geschäftsführer des Krefelder Unternehmens W. Schulz auf seiner Liste. Doch nirgendwo hat er so gute Konditionen bekommen, wie in den USA.

Seite 1:

VWs riskante Attacke in den USA

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%