Werk in Chinas Unruheprovinz
Volkswagens heikles Investment

In der chinesischen Region Xinjiang werden jetzt Volkswagen gebaut. Dort flammen häufig blutige Konflikte mit der uigurischen Minderheit auf. Gerade jetzt wittert Peking dort verstärkte Terrorgefahr.
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PekingIm äußersten Nordwestzipfel Chinas, in der der autonomen Region Xinjiang, bauen einige Hundert Arbeiter seit vergangener Woche Autos von Volkswagen. Das neue Werk ist der ganze Stolz der örtlichen Investmentförderung – sie wirbt bereits mit der Präsenz des deutschen Weltkonzerns. Auch Volkswagen versucht das Werk dabei ebenfalls als Pionierleistung zu verkaufen, doch es erweist sich zunehmend als politische Gratwanderung mit erheblicher Gefahr für das Image des Unternehmens.

Praktisch zeitgleich mit dem Signal für den Start des Fließbandes in der Stadt Urumqi hat die Regierung in Peking wieder einmal klar gemacht, was sie von der Provinz im äußersten Westen hält. „Die größte Sicherheitsbedrohung geht in China von der Provinz Xinjiang aus“, sagt Li Wei, Sicherheitsexperte am staatsnahen Chinesischen Institut für Internationale Beziehungen (CICIR) auf einer offiziellen Pressekonferenz. „Die Terrorattacken destabilisieren die Region und stehen der wirtschaftlichen Entwicklung im Weg.“

Warum sich Volkswagen in die Wüstenregion verirrt hat, erklärt Jochem Heinzmann, Chef von Volkswagen China, zwar so: „Unsere Autofabrik in Urumqi erlaubt uns, vom erwarteten Wachstum in Westchina zu profitieren.“ Aber das VW-Werk ist die allererste Autofabrik in Xinjiang. Die größte Provinz Chinas, die an Kasachstan, Afghanistan und Pakistan grenzt, lebt bisher vor allem von Landwirtschaft und Rohstoffvorkommen.

Auch die Warnung des chinesischen Experten ist eine schlechte Nachricht für VW. Denn wenn sich im Umfeld des Werkes ein Zwischenfall mit islamistischem Hintergrund ereignen würde, dann würde sich eine lange gehegte Befürchtung bestätigen: Dass das Investment in Xinjiang keine unternehmerische Entscheidung war, sondern auf Druck der Regierung zustande kam.

Denn Volkswagen-Chef Winterkorn hat den ehrgeizigen Plan, bis 2018 Weltmarktführer zu werden. Dafür will er auf seinem größten Absatzmarkt China, wo er schon heute 40 Prozent seiner Autos verkauft, mit weiteren sieben Werken expandieren.

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Zugeständnis an Peking

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  • Die Fabrik wurde in West China gebaut weil sich die Autos von dort einfacher nach Deutschland transportieren lassen, ist hält näher dran als der Osten von China. Dann steht auf dem Golf wenn man die Motorhaube aufmacht: Made in China :-)

  • Volkswagen als führendes Unternehmen hat sich schon immer in Gebiete vorgewagt, wo anderen der Mut zur Investition fehlte.

    Und so hilft auch Volkswagen den chinesischen Freunden bei strukturellen Maßnahmen in Krisenregionen, wie in dem Westen des Landes. Dass es schwer wird, war klar, zumal die dort vorherrschenden Unruhen nur mit dem zu vergleichen sind,w as wir aus dem Kuredengebiet kennen.

    Trotzdem sollte man bedenken, dass Unruhen fast immer aus HUNGER geboren sind. Gib dem Volk eine reele chance, dass es mit (ehrlicher) Arbeit sein gutes auskommen hat und die Unruhen nehmen ein Ende.

    Das war auch die Feststellung von Herrn Clinton, nachdem er nicht mehr Präsident war. Er sagte schon vor gut 10 Jahren, dass man das Geld für den 1. Überfall auf den Iraq besser in Entwicklungshilfe gesteckt hätte. Und man hätte die ganze Region zum Freund gehabt.

    Aber naja, Kriegstreiber und Falken leben besser, wenn man Völker abschlachtet.

  • ...von denen 282 Mrd wegverwaltet werden und direkt in den Taschen windiger Funktionäre verschwinden! Egal, wo man China aus dem Flugzeug steigt stink es jetzt schon widerlich ungesund...

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