Werk in den USA
Major Tom attackiert Boeing

EADS-Chef Thomas Enders geht in die Offensive. Um seine Wachstumspläne umzusetzen, plant Airbus laut Medienberichten ein neues Werk in den USA. Es wäre ein Direktangriff auf den US-Konkurrenten Boeing.
  • 0

DüsseldorfSchon bei seinem Amtsantritt in Amsterdam gab sich der neue EADS-Chef Thomas Enders angriffslustig: Marktführer wolle man bleiben, versprach der ehemalige Fallschirmjäger. Nun werden erste Details bekannt, wie der 53-jährige den Vorsprung von Airbus behaupten will. Seine erste Amtshandlung: Eine Attacke auf den großen Konkurrenten Boeing auf dem Heimatmarkt. Mit einem eigenen Werk in Mobile im US-Bundesstaat Alabama will Airbus seine Marktanteile in Amerika ausbauen, meldet die "New York Times" unter Berufung auf einen anonymen Insider. Damit will Airbus den Verkaufsschlager A320 neo noch attraktiver für die US-Fluglinien machen. Bisher schweigt Airbus zu den Berichten und wird sich wohl erst am Montag offiziell äußern. Eine Bestätigung wäre keine Überraschung.

Die USA sind der größte Markt für Mittelstreckenflugzeuge. Bisher konnte Boeing die Vorherrschaft auf dem Heimatmarkt behaupten. In den USA kommt Airbus bisher nur auf einen Marktanteil von 20 Prozent.

Doch weil die Flotten der US-Airlines veraltet sind und in den kommenden Jahren modernisiert werden müssen, war zuletzt auch das Interesse von Airbus gestiegen. Mit dem neuen Werk wäre der offene Wettbewerb im US-Massenmarkt eröffnet - und Airbus hätte die besseren Argumente. Mit der A320 neo ist Airbus der Boeing 737 technisch voraus.

Obwohl der Mittelstreckenflieger erst ab Oktober 2015 ausgeliefert wird, gilt er schon heute als die bisher erfolgreichste Markteinführung in der Luftfahrtgeschichte. Die Liste der Bestellungen ist lang - es gibt 1311 Vorbestellung und 495 weitere Optionen. Und weil das Flugzeug nur eine Weiterentwicklung der bisherigen A320 ist, fallen auch die Entwicklungskosten gering aus. Die A320neo bringt Airbus schon ab dem ersten Flugzeug Geld ein.

Darum gab schon der scheidende EADS-Chef Louis Gallois seinem Nachfolger Enders die Aufgabe mit auf den Weg, das Engagement in den USA auszubauen. Denn bisher verhindert nur ein Argument den großen Durchbruch in Übersee: Während Boeing mit dem "Made in USA" werben konnte, gilt Airbus als ausländische Marke. Mit dem neuen US-Werk könnte sich das ändern. EADS-Chef Thomas Enders und Airbus-Chef Fabrice Bregier waren zuletzt sogar persönlich in die USA gereist, um ihre Verbindungen zur lokalen Politik zu vertiefen.

Seite 1:

Major Tom attackiert Boeing

Seite 2:

Ärger mit Frankreich droht

Kommentare zu " Werk in den USA: Major Tom attackiert Boeing"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%