Werk schließt

Im Osten geht die Sonne unter

Neue Hiobsbotschaft für den Solarstandort Deutschland: Das US-Unternehmen First Solar schließt Ende des Jahres sein Werk in Frankfurt/Oder. Mehr als 1000 Mitarbeiter sind in der „Solarstadt“ betroffen.
Update: 17.04.2012 - 16:33 Uhr 23 Kommentare
First Solar schließt sein Werk in Frankfurt/Oder - mehr als 1000 Mitarbeiter sind betroffen. Quelle: dpa

First Solar schließt sein Werk in Frankfurt/Oder - mehr als 1000 Mitarbeiter sind betroffen.

(Foto: dpa)

Frankfurt/OderDer US-Konzern First Solar zieht infolge der weltweiten Solarkrise die Reißleine und gibt seinen deutschen Standort Frankfurt/Oder mit 1200 Mitarbeitern auf. Wie der größte Solarmodulbauer der USA am Dienstag mitteilte, soll der Betrieb dort im vierten Quartal eingestellt werden.

Insgesamt will First Solar weltweit 2000 und damit 30 Prozent seiner Stellen streichen und jährlich 100 bis 120 Millionen Euro einsparen. „Der europäische Solarmarkt ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Förderung größtenteils wirtschaftlich nicht überlebensfähig“, sagte Christopher Burghardt, Geschäftsführer der First Solar GmbH und zuständig für den Vertrieb in Europa.

Die Kappungen der Solarsubventionen träfen vor allem Photovoltaik-Großanlagen und damit das Kerngeschäft von First Solar. Diese Kürzungen hätten „dramatische Auswirkungen“ auf die Nachfrage. „Dadurch kann unsere Produktion in Europa langfristig nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, sodass wir gezwungen sind, uns an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen“, erklärte Burghardt. Die Werksschließungen würden für die Mitarbeiter „möglichst sozialverträglich“ gestaltet.

Die deutsche First-Solar-Tochter hatte erst im Herbst 2011 ihr zweites Werk in Frankfurt/Oder in Betrieb genommen. Für die 1200 Mitarbeiter wurde im Februar allerdings bereits Kurzarbeit beantragt. First Solar leidet wie alle in der Branche unter dem Preisverfall infolge von Überkapazitäten. Erschwerend kommen massive Förderkürzungen in Deutschland aber auch anderen wichtigen europäischen Absatzmärkten hinzu. Verluste und Pleiten prägen derzeit die einst vielversprechende Branche.

Für Frankfurt/Oder - einst gefeiert als Solarstadt mit mehreren tausend Mitarbeitern - ist das Aus von First Solar am Standort ein weiterer Rückschlag. Ende März hatte bereits Odersun mit seinen rund 260 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet.

Die seit längerem ums Überleben ringende Conergy hatte 2011 Teile der Produktion in der Grenzstadt eingestellt, damit rund 100 Arbeitsplätze gestrichen und sich von Leiharbeitern getrennt. Mit Frankfurt/Oder steht nun ein weiterer Solar-Standort in Deutschland vor dem Aus, nachdem vor zwei Wochen in Bitterfeld-Wolfen - gemeinhin Solar Valley genannt - der einst größte deutsche Solarkonzern Q-Cells den Gang zum Amtgericht antreten musste.

Die First-Solar-Aktie stieg nach den Neuigkeiten vorbörslich um mehr als fünf Prozent an.

Solarwatt setzt auf Standort Deutschland

  • rtr
  • dpa
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23 Kommentare zu "Werk schließt: Im Osten geht die Sonne unter"

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  • Wenn die Sonne untergeht
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    Diese ineffektive Branche lebt nur von Subventionen. Bleiben diese aus, gehen sie pleite.
    Sie haben ihr Geschäftsmodell darauf aufgebaut.

    Solarstandort Deutschland?
    Deutschland hat so viele Sonnenstunden wie Island und ohne den Subventionswahnsinn würde es auch diese sogenannten "Arbeitsplätze" nicht geben.

  • Nicht nur traurig für Frankfurt/Oder, sondern auch für den Vertrieb in Mainz bedeutet es die Schließung. Dort werden bis ende des Jahres ca. 150 - 200 Leute ihren Arbeitsplatz verlieren

  • Nicht nur Frankfurt/Oder ist betroffen, sondern auch der Vertrieb in Mainz wird bis ende des Jahres nicht mehr exsistieren. Dort sind auch rund 150-200 Mitarbeiter von der Schließung betroffen!

  • Solange wir noch in der Lage sind Umweltkatastrophen und Wetterkapriolen mit Geld bei großen Rückversicherern versichern zu können, scheint ja noch alles prima zu sein. Alles hat seinen Preis, manche sind nur so naiv und schauen auf die falschen Rechnungen! Über solchen Luxus wird man später noch die Stirn runzeln und diese Zeit als eine Zeit dominierender Beschränktheit im Gedächtnis behalten.

  • Hallo Zukunft..wenn es vor über 150 Jahren nicht den Weg in die fossilen Energien gegeben hätte, so würde die Menschheit in feudalen Gesellschaften leben und Sie wären mit grosser Wahrscheinlichkeit Knecht auf einem Landgut in Norddeutschland und müssten genfreies Biofutter essen, hätten den Gutsherren vor der Heirat fragen müssen wobei dieser das Recht auf die erste Nacht hatte, oder Sie wären Kleinbauer in Süddeutschland. Mit Ende 40 wäre das Leben aufgrund diverser Gebrechen zu Ende.

    Die fossilen Energien haben mit ihrer Energiedichte und Verfügbarkeit das Industriezeitalter und den Wohlstand der heutigen Zeit begründet. Mit dem Atomzeitalter steht eine noch hellere Zukunft vor der Tür.

    Vandale

  • Ich bitte schon vorab um Entschuldigung, dass ich etwas polemisch werde. Doch jahrelange Beobachtung und fachliche Zuarbeit für die Politik hat mich gelehrt, dass die Dummheit und fachliche Unfähigkeit von (Berufs)Politikern wenn es um wirtschaftliche strategische Dinge geht, in Deutschland kaum zu ertragen ist.

    Lobbyisten in allen Bereichen, gezielt von Unternehmen und Verbänden in den Parteien positioniert untergraben systematisch den demokratischen Ansatz zum fairen Interessensausgleich. Aber vielleicht ist Demokratie in Deutschland auch nie wirklich in den Herzen der Menschen angekommen und man möchte von solchen Leuten regiert werden, die bestimmen wo es lang gehen soll, weil es auch bequemer ist. Wer von den Politikern blickt denn schon wirklich durch, was uns die exorbitante Ausbeutung und Nutzung fossiler und atomarer Energien wirklich kostet und welche Alternativen es dazu gab und gibt?

    Hätte es von über 100 Jahren nicht den technologischen Lock-in in die nicht zukunftsfähige und gar nicht nachhaltige fossile Energiewirtschaft gegeben (wovor schon damals Experten gewarnt haben), wäre vieles anders gelaufen und wir würden heute nicht und dauernd den totalen Müll anhören müssen, dass erneuerbare Energien nicht wirtschaftlich sind. WIrtschaftlich ist bei Infrastrukturinvestitionen mit langen Refinanzierungszeiträumen (wozu Energie gehört) immer nur dass, was durch staatliche Rahmensetzung abgesichert wird. Sonst investiert kein Unternehmen, weil es das Risiko gar nicht tragen kann. Das kann man überall beobachten, wo lange Rückzahlungszeiträume notwendig sind (Schienenwege, Tunnel, Straßen, Strom- und Gasleitungen, Funknetze, etc. pp.)

    Diese Rahmensetzungen werden durch die Politik gestaltet, das ist ihre primäre Aufgabe. Um ein Land langfristig erfolgreich zu machen und zu halten braucht es (neben vielen anderen Dingen ) auch Politiker mit strategischen Weit- und Durchblick sowie aufrechtem Charakter. Eine seltene Erscheinung - nicht nur in D.

  • Die Chinesen sind halt schlauer! Fast jedes chinesische Haus hat eine Solaranlage auf dem Dach. Allerdings keine PV, sondern eine Warmwassererzeugung. Das entlastet die Umwelt, den Geldbeutel und ist ohne Netzausbau, Backupkraftwerke, Subventionitis und Stromspeicher möglich.

  • Naja, da hat unsere Regierung ja mal wieder Bockmist gebaut - erst ein Strohfeuer entfachen und dann die versprochenen Leistungen nicht erbringen - so das die Hersteller reihenweise pleite gehen oder D verlassen - First Solar war Marktführer und hatte seine Kosten sehr wohl im Griff, gerade in FFO werden 1200 Arbeitslose weh tun

  • ... wenn ich meine Stromrechnung ansehe, freue ich mich. Die sinkt Dank vieler neuer Stromanbieter und Stromlieferanten seit einigen Jahren. Man muss nur jährlich wechseln und die Wechselprämie mitnehmen. (Vorauszahlung sind tabu)

    Wer zu träge ist, sich um seine Finanzen zu kümmern hat in der Marktwirtschaft verloren.

  • zarakthuul..die Chinesen bauen diese ökoreligiösen Monumente nicht für den Eigenverbrauch sondern für den Export. Mit Abstand grösster Solarmarkt ist Deutschland. In China werden Solarzellen nur insoweit installiert als dies durch CDM (Klimasünden) Zertifikate finanziert wird.

    Vandale

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