Werke in Übersee
Tauziehen um Verkauf belastet Thyssen-Aktien

Thyssen-Krupps Lage in Übersee verschärft sich. Der Verkauf zweier Stahlwerke verläuft nicht wie geplant. Jetzt bleibt der Großkonzern möglicherweise auf seinem Werk in Brasilien sitzen. Die Auswirkungen wären fatal.
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DüsseldorfDer Verkauf der hoch defizitären Thyssen-Krupp-Stahlwerke in Übersee steht nach Reuters-Informationen auf Messers Schneide. Eine Veräußerung des Stahlwerks in Brasilien stehe auf der Kippe, die seit Monaten andauernden Gespräche mit dem brasilianische Stahlkonzern CSN gestalteten sich weiter sehr schwierig und drohten sogar zu scheitern, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die nächsten Wochen würden nun entscheidend. Thyssen-Krupp-Aktien verloren am Vormittag deutlich an Boden und notierten zeitweise mit über drei Prozent im Minus bei 16,96 Euro.

Beim zweiten Übersee-Werk im US-Bundesstaat Alabama sehe es indes besser aus, für dieses gebe es weiter mehrere Interessenten. „Wir sind in weit fortgeschrittenen Gesprächen mit einem Bieter für den Verkauf der beiden Werke“, sagte eine Konzernsprecherin. Thyssen-Krupp „strebe ein zeitnahes Signing“ an, bekräftigte sie erneut. Wichtiger als ein schneller Abschluss sei aber, dass das Unternehmensinteresse gewahrt werde: „Wir werden die Entscheidung nicht von Stichtagen abhängig machen.“ „Wir haben uns verschätzt, der Verkauf dauert länger als zunächst erwartet“, hatte Konzernchef Heinrich Hiesinger zuletzt gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit Blick auf den Verkaufsprozess eingeräumt.

Thyssen-Krupp will die beiden Werke in Übersee im Paket verkaufen. Die Baukosten und Verluste für die Stahlwerke belaufen sich auf mehr als zwölf Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt dabei auf das Werk in Brasilien. Insider hatten bereits in der Vergangenheit berichtet, CSN könnte möglicherweise nur das Werk in Alabama übernehmen, weil dieses deutlich bessere Perspektiven biete - Thyssen-Krupp würde dann auf dem Werk in Brasilien sitzenbleiben. Trenne sich der Konzern aber nur von dem Werk in Alabama, müssten Kaufpreis und Verträge so gestaltet werden, dass sie die Belastungen für Thyssen-Krupp durch das Werk in Brasilien abfederten, sagte ein Insider. Das Werk in Santa Cruz im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro ist auf die Produktion von fünf Millionen Tonnen Stahlblöcken, sogenannten Brammen, jährlich ausgelegt. Drei Millionen Tonnen davon sollen nach den ursprünglichen Plänen im Werk in Alabama weiterverarbeitet werden.

Das andauernde Tauziehen um die Werke kommt für Konzernchef Hiesinger zur Unzeit - Finanzkreisen zufolge bereitet der verschuldete Konzern eine Kapitalerhöhung vor. Die Unsicherheit um die Werke macht dies nicht einfacher.

Aufatmen kann Hiesinger Finanzkreisen zufolge aber wohl angesichts der Gesprächen mit den Banken über die Milliarden-Kreditlinie des Konzerns: Die Kredite würden voraussichtlich nicht aufgekündigt, sagten mehrere Kenner der Verhandlungen. Thyssen-Krupp hatte mit Banken über eine Juni 2014 auslaufende Milliarden-Kreditlinie von rund 2,5 Milliarden Euro verhandelt. Die Geldhäuser hätten sich bereit erklärt, diese nicht per Ende September wegen des Verstoßes gegen Kreditbedingungen zu kündigen, hieß es in Finanzkreisen. Thyssen-Krupp hat sich nicht zu den Banken-Gesprächen äußern wollen. Für den Zeitraum danach müsse dann eine neue Linie vereinbart werden, hieß es in den Kreisen weiter. Dafür sei eine Lösung der Probleme mit den Übersee-Werken Voraussetzung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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