Werkserhalt
Kostenlose Mehrarbeit soll AEG retten

Die Hoffnungen auf den Erhalt des Stammwerkes der AEG in Nürnberg sind wieder gestiegen. Die Arbeitnehmervertreter haben sich mit dem deutschen Management auf ein neues Konzept verständigt, das die drohende Schließung des Hausgerätewerkes mit noch 1 750 Mitarbeitern abwenden soll. Entscheiden wird allerdings der Aufsichtsrat der Konzernmutter Electrolux in Stockholm bis zum 12. Dezember.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Der weltgrößte Hersteller von Hausgeräten setzt zur Zeit ein Programm zur Senkung seiner Fertigungskosten um. Electrolux will bis 2008 umgerechnet rund eine Mrd. Euro einsparen und dafür über zehn seiner insgesamt 43 Fabriken schließen und an billigere Standorte wie Osteuropa, Asien oder Mexiko verlagern.

Für Nürnberg haben sich das Management der deutschen AEG und die Arbeitnehmerseite nach Aussage eines Unternehmenssprechers in einem ersten Schritt auf eine Verlängerung des Beschäftigungssicherungsvertrages bis Mitte 2006 geeinigt. Er sieht die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 30 Stunden mit entsprechendem Lohnverzicht vor. Daneben steht bereits fest, dass die Fertigung von Wäschetrocknern in das neue Werk des Konzerns in Polen verlagert wird. Dies wird 220 Stellen kosten.

Um das Werk in Nürnberg zu retten, gehen die Arbeitnehmer aber noch weiter: Ab Juli 2006 würden sie wieder auf 35 Stunden gehen – bei einem Lohn für nur 30 Stunden. Damit fielen weitere 250 Stellen weg. Die Kapazität des Werkes soll drastisch reduziert werden, um weitere 300 Stellen streichen zu können. Übrig bliebe eine Rumpfbelegschaft von unter 1 000 AEG-Arbeitern, die dafür eine Beschäftigungssicherung bis 2010 verlangt. Zudem erwarten die Arbeitnehmer, dass Elektrolux in moderne Fertigungsverfahren investiert.

Knackpunkt der Vereinbarung ist die erwartete Produktionskapazität. „Wir fordern eine garantierte Mindestfertigung von 800 000 Geräten pro Jahr“, sagte Jürgen Wechsler, IG-Metall-Vertreter im deutschen Aufsichtsrat, dem Handelsblatt. Derzeit fertigt das AEG-Werk nach Angaben des Sprechers pro Jahr 1,4 Mill. Geräte, davon 715 000 Waschmaschinen, 565 000 Spülmaschinen und 126



000 Trockner. Vor zwei Jahren waren es noch 1,8 Mill. Geräte pro Jahr.

Wechsler schätzt die Chancen auf einenErhalt des NürnbergerWerkes auf 50 Prozent. Er setzt auch darauf, dass das neue Werk von Electrolux in Polen noch gar nicht fertiggestellt ist und frühestens 2007 eine größere Menge produzieren kann. Electrolux-Chef Hans Straberg hatte allerdings vor einiger Zeit gesagt, dass eine Senkung der Lohnkosten von zehn oder 20 Prozent nicht ausreiche.

Preisdruck und Überkapazitäten setzen die Hersteller von Wasch- und Spülautomaten unter Druck. So ist in den vergangenen fünf Jahren der Verkaufspreis für Waschmaschinen um dreißig Prozent gefallen. Neben AEG baut auch der Gütersloher Traditionshersteller Miele Stellen ab, die Münchener Bosch-Siemens-Hausgeräte verhandelt seit Monaten mit der Belegschaft über die Schließung ihres Werkes in Berlin-Gartenfelde.

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