Werksschließung in Nürnberg
AEG-ler lassen Electrolux ihren Zorn spüren

Alles Bitten und Betteln, alle Streiks und Protestaktionen und selbst weitreichende Zugeständnisse halfen nichts: Der schwedische Haushaltsgerätekonzern Electrolux schließt das traditionsreiche AEG-Stammwerk in Nürnberg. Die Mitarbeiter reagieren wutentbrannt.

HB NÜRNBERG. Bis 2007 wird die 83 Jahre alte Fabrik stillgelegt. Das teilte das Unternehmen am Montag am Unternehmssitz in Stockholm mit. Vorausgegangen war eine Sitzung des Electrolux-Aufsichtsrats. 1750 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit. Die Produktion von Waschmaschinen und Geschirrspülern soll nach Polen und Italien verlagert werden.

Das Unternehmen habe den Schluss ziehen müssen, dass es keine Möglichkeit zur Überbrückung der großen Kostenlücke gebe, um die Fertigung in Nürnberg wettbewerbsfähig zu machen, teilte Vorstandsmitglied Johan Bygge in Stockholm mit. „Das war eine der schwierigsten Entscheidungen, die ich in meiner Zeit bei Electrolux erlebt habe“, ergänzte er. Die Werksschließung werde 2,3 Mrd. schwedische Kronen (umgerechnet gut 240 Mill. Euro) kosten.

In dem Nürnberger Werk wurde die Belegschaft am Nachmittag über das Aus informiert. Belegschaft und IG Metall reagierten bestürzt auf den Beschluss. Ein Electrolux-Manager kam nach Gewerkschaftsangaben auf einer Belegschaftsversammlung über die Worte „Es tut mir sehr leid“ nicht hinaus, bevor Gegenstände nach ihm geworfen wurden. Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Nürnberg, Jürgen Wechsler, sagte: „Das ist eine Sauerei.“

Betriebsrat und IG Metall hatten bis zuletzt um eine Rettung für das Nürnberger Werks gekämpft. Sie hatten zusätzliche Einsparungen vorgeschlagen und sich mit einem Stellenabbau sowie mit der Reduzierung der Fertigung auf etwa 800 000 statt geplanter 1,2 Mill. Geräten einverstanden gezeigt. Im Gegenzug hatten sie eine Bestandsgarantie bis 2010 gefordert.

Die IG Metall will für die Beschäftigten nun einen Sozialtarifvertrag durchsetzen. Dazu werde man zu Streiks aufrufen, kündigte Jürgen Wechsler am Montag auf einer Kundgebung vor den AEG-Werkstoren an. „Wir werden Electrolux in den nächsten Monaten ordentlich verprügeln“, rief Wechsler aus.

Der neue bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) bedauerte die Entscheidung: „Die Schließung des Werks mit seinen über 1700 Beschäftigten ist ein schmerzlicher Schlag für die Region Nürnberg“, sagte er. Es sei bedauerlich, dass die Führung von Electrolux trotz der angebotenen Zugeständnisse der Mitarbeiter und trotz Bemühungen von Bund, Land Bayern und Stadt Nürnberg so entschieden habe.

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