Werksschließungen
Baubranche setzt den Rotstift an

Europas Baubranche stellt sich auf schwere Zeiten ein. Weil die Nachfrage nach neuen Immobilien weltweit zurückgeht, reagieren Baustoff-Hersteller und Bauunternehmen vor allem mit Stellenabbau. Überall in den Konzernen regiert der Rotstift, deshalb werden bisher geplante Investitionsvorhaben gestreckt oder gleich komplett gestoppt.

WIEN. Nicht nur in den westlichen Industrieländern werden weniger neue Häuser gebaut, auch in Osteuropa hinterlässt die weltweite Finanzkrise ihre Spuren und führt zu einer sinkenden Nachfrage.

"Osteuropa ist auch nicht mehr die Insel der Seligen", sagt Wolfgang Reithofer, Vorstandsvorsitzender des österreichischen Baustoffherstellers Wienerberger, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Im ersten Halbjahr 2008 sei "dort die Welt noch in Ordnung gewesen", doch jetzt gingen die Wachstumsraten in Ländern wie Polen oder Ungarn auch zurück.

Wienerberger, ein Hersteller von Dach- und Mauerziegeln sowie Klinkern, macht sich allerdings mehr Sorgen um die Geschäfte in den USA und im westlichen Europa. In Nordamerika hätten sich die Finanzierungsbedingungen für neue Eigenheime drastisch verschärft. Auch in Großbritannien sei es heute viel schwieriger geworden, bei den Banken eine Hypothek für den Hausbau zu bekommen.

Unternehmen wie Wienerberger reagieren mit einem harten Sparkurs auf die Verschärfung der Lage. Der Konzern aus Österreich, der mit 15 000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro umgesetzt hat, will Werke bis zum Ende der Krise stilllegen oder gleich komplett aufgeben - betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. 25 Fabriken in aller Welt (mit zumeist jeweils 20 bis 30 Beschäftigten) sind davon betroffen. Sollte sich die Lage noch einmal verschlechtern, würde Reithofer noch weitere Werke dichtmachen.

Wienerberger steht mit diesem Sparkurs nicht allein. Der deutsche Mitbewerber Creaton kündigte zu Wochenbeginn an, dass das Unternehmen aus dem westbayerischen Wertingen wegen der schlechten Konjunktur ebenfalls einen Teil seiner Werke für befristete Zeit stilllegen werde. In den nächsten Wochen könnten andere Unternehmen aus der Branche genauso reagieren. "Für die gesamte Bauwirtschaft wird es nicht leicht", sagte Franz Hörl, Analyst bei der Erste Bank AG in Wien. Die Branche sei extrem vom Konjunkturzyklus betroffen und leide deshalb jetzt stärker als andere Unternehmen unter dem wirtschaftlichen Abschwung.

Die Unternehmen reagieren nicht nur mit Werksschließungen und Stellenabbau. Der Sparkurs trifft vor allem auch die Investitionen. So hat der Baukonzern Strabag angekündigt, dass er zunächst auf den geplanten Bau neuer Zement-Fabriken in Russland verzichten will. "Gerade in dem aktuellen Finanzmarkt-Umfeld müssen wir unsere Investitionsentscheidungen wohl dosieren", begründete Strabag-Konzernchef Hans Peter Haselsteiner den Verzicht. Im Moment sei es wichtigste Aufgabe des Konzerns mit Hauptsitz in Wien und Köln, "finanziell flexibel und unabhängig zu bleiben".

Wienerberger-Chef Reithofer hat bereits ähnlich reagiert. In diesem Jahr will er die Ausgaben für zusätzliche Investitionen von 500 Millionen Euro auf 450 Millionen Euro zurückschrauben. Im nächsten Jahr wird der Konzern nur noch maximal 200 Millionen Euro für neue Vorhaben ausgeben. "Größere Projekte würden wir heute nicht mehr machen", sagt Reithofer. Über Investitionen werde jetzt nur noch sehr selektiv entschieden.

Erfolgversprechend sind für ihn neue Werke allenfalls noch in Osteuropa in Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Russland, wo trotz der aktuellen Krise auch künftig neu gebaut werden müsse.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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