Werksschließungen in den Vereinigten Staaten
Die neuen Leiden der US-Autobranche

Krise bei den amerikanischen Auto-Riesen: General Motors verzögert seinen neue Geländewagen, Ford legt ein Werk still - aber der berüchtigte Milliardär Kirk Kerkorian stockt seine Anteile an Ford weiter auf.

FRANKFURT. Die angeschlagenen US-Hersteller verlieren angesichts der Flaute auf dem amerikanischen Automarkt weiter an Boden. Nach General Motors (GM) hat jetzt auch Erzrivale Ford angekündigt, ein Werk in Michigan für mindestens neun Wochen zu schließen. GM hatte jüngst das dauerhafte Aus für vier Werke in Nordamerika verkündet, in denen Kleinlaster gebaut werden. Die Krise der US-Hersteller verschärft sich damit weiter. Denn auch der dritte große US-Autokonzern, Chrysler, hat bereits neue Nachfrageeinbrüche angedeutet. Chrysler-Boss Robert Nardelli räumte in einer internen Mail an die Mitarbeiter ein, dass die industrieweiten Verkäufe rund 20 Prozent schlechter liegen als der Hersteller vorhergesehen habe.

Die Börse reagierte bestürzt auf die Nachrichten und drückte die Aktien der US-Hersteller deutlich ins Minus. Die Papiere von GM erreichten sogar zeitweise einen neuen Rekord-Tiefpunkt. Der amerikanische Milliardär Kirk Kerkorian hat jedoch davon unbeeindruckt seine Beteiligung am zweitgrößten US-Autobauer Ford wie geplant auf mehr als fünf Prozent aufgestockt. Der als aggressiver Investor bekannte Kerkorian halte über seine private Holding Tracinda nun 6,49 Prozent der Ford-Anteile, teilte Tracinda gestern mit.

Der drastische Nachfrageeinbruch nach großen, benzinschluckenden Fahrzeugen auf dem US-Automarkt hinterlässt aber tiefe Spuren bei den einheimischen Autokonzernen. Der Mai war der Monat mit den niedrigsten Verkaufszahlen auf dem US-Markt seit Jahren. Der Absatz war im vergangenen Monat gegenüber dem Vorjahr nach Angaben des Marktforschungsinstituts Autodata elf Prozent eingebrochen. Geradezu abgestürzt war dabei das in Amerika traditionell sehr starke Geschäft mit großen Fahrzeugen wie Transportern (Pick-up-Trucks) und sportlichen Geländewagen (SUV), weil diese Fahrzeuge besonders viel Sprit schlucken. Dieses Segment ist aber die letzte Domäne der US-Autobauer, die deshalb der Nachfrageschwenk ins Mark trifft.

Als Konsequenz versuchen die großen US-Autobauer nun, ihre Produktionskapazitäten stärker hin zu den in den USA zunehmend gefragten kleineren Modellen zu verlagern. So tritt auch GM bei spritfressenden Geländewagen und Pickups immer deutlicher auf die Bremse. Geplante neue Modelle und Überarbeitungen der Fahrzeuge würden aufgeschoben, sagte ein Unternehmenssprecher dem "Wall Street Journal". Statt dessen solle der Modellzyklus der aktuellen Palette an Pickup Trucks und SUV, darunter der Cadillac Escalade (SUV) und der Chevrolet Silverado (Pickup), verlängert werden. GM wendet sich damit immer klarer von einem Segment ab, das zuletzt sein Kerngeschäft ausgemacht hatte.

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