Werksschließungen und Stellenabbau drücken die Kosten der Daimler-Sparte deutlich
Chrysler zeigt GM und Ford den Weg aus der Krise

Ford und GM haben die Märkte in den vergangenen Wochen mit Gewinnwarnungen geschockt und Produktionseinschränkungen sowie Personalabbau angekündigt. Ganz anders Chrysler: Für die US-Sparte des Daimler-Chrysler-Konzerns rechnen die meisten Analysten in diesem Jahr mit einer weiteren Gewinnsteigerung.

hof FRANKFURT. Rick Wagoner und Bill Ford, die Chefs der beiden größten US-Automobilbauer, müssen in dieser Woche Farbe bekennen. Wenn General Motors am Dienstag und Ford am Mittwoch ihre Quartalsergebnisse präsentieren, geht es um die Strategie. „Die Zahlen dürften kaum im Vordergrund stehen“, sagt Arndt Ellinghorst, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Vielmehr erwarten die Investoren klare Antworten darauf, wie die beiden Konzerne den Turnaround schaffen wollen. „Es muss eine Volumenanpassung stattfinden, die deutlich schmerzlicher ist, als das, was bislang angekündigt wurde“, sagt der Autoexperte.

Ford und GM hatten die Märkte in den vergangenen Wochen mit Gewinnwarnungen geschockt und Produktionseinschränkungen sowie Personalabbau angekündigt. Ganz anders Chrysler: Für die US-Sparte des Daimler-Chrysler-Konzerns rechnen die meisten Analysten in diesem Jahr mit einer weiteren Gewinnsteigerung. Zumindest in den ersten drei Monaten des Jahres ist es Chrysler auch gelungen, mehr Autos zu verkaufen. Während bei General Motors nach eigenen Angaben im ersten Quartal bereits ein Verlust von mehr als 800 Mill. Dollar zu Buche schlagen wird, wird bei Ford das Ausmaß der Misere wohl erst im Laufe des Jahres deutlich werden. Im ersten Quartal rechnet Ford noch mit einer Verbesserung gegenüber dem Schlussquartal 2004.

Bei sinkenden Marktanteilen, einem nach wie vor hohen Rabattniveau –im Schnitt mehr als 3 500 Dollar je Auto – und einer harten Konkurrenz durch Toyota, Nissan, Honda und Co. haben sich die beiden führenden US-Anbieter über Jahre in die Sackgasse manövriert. Chrysler dagegen hat nach der Krise vor vier Jahren die Trendwende bereits geschafft – Ergebnis eines harten Sanierungskurses. Nach Meinung von Chrysler-Chef Dieter Zetsche stehen Ford und GM nun dort, wo sein Unternehmen 2001 stand.

Nach einem massiven Gewinneinbruch wurden bei Chrysler ab 2001 sechs Fabriken geschlossen und fast 30 000 Arbeitsplätze abgebaut.Die Produktionszahlen wurden gekappt, mit technologischer Hilfe von Mercedes die Modellpalette neu ausgerichtet. „Die Kostenbasis von Chrysler ist heute deutlich besser als die der beiden Wettbewerber“, konstatiert Patrick Juchemich, Autoexperte bei Sal. Oppenheim.

Zwar haben auch GM und Ford ihre Produktivität und Qualität zuletzt deutlich verbessert, doch sie leiden unter zu hohen Fixkosten. Besonders General Motors steckt in einem Dilemma: Beim Branchenführer muss jeder aktive Beschäftigte das Geld für die Pensionen und Krankheitskosten von 2,7 ehemaligen Mitarbeitern miterwirtschaften. Bei dringend erforderlichen Kapazitätssenkungen und entsprechendem Abbau würde sich dieses Verhältnis noch verschlechtern. Bei Chrysler liegt es bei eins zu 1,3.

Schon jetzt verteuern allein die Gesundheitskosten jedes Auto des GM-Konzerns in den USA um etwa 1 600 Dollar. Bei Ford ist die Situation nicht ganz so dramatisch. Die US-Automobilgewerkschaft UAW lehnte Verhandlungen über eine Kostenbeteiligung der Mitarbeiter bislang mit dem Verweis auf den noch bis 2007 laufenden Tarifvertrag bei GM und bei Ford ab. Chrysler konnte sich dagegen kürzlich mit der UAW darauf einigen, die Mitarbeiter an den Krankheitskosten stärker zu beteiligen, wenn die Kosten deutlich steigen. Zetsches Erklärung für das Einlenken der Gewerkschaft klingt lapidar: Es sei das Ergebnis „eines offenen und glaubwürdigen Umgangs“.

Auch Wagoner und Ford setzen darauf, dass die Gewerkschaft letztlich einsieht, dass es um das langfristige Überleben der Konzerne geht. Die Anleihen von Ford und GM stehen bereits auf der Kippe, und es droht ihnen die Herabstufung in die hohe Risikoklasse der Junk-Bonds. Das würde die Handlungsfreiheit des Managements gänzlich beschneiden.

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