Werkzeugmaschinenhersteller
Weitere Ermittler nehmen Gildemeister unter die Lupe

Im Fall Gildemeister hat nun auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld Vorermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel eingeleitet. „Während unserer Razzia am Dienstag sind sehr viele Gildemeister-Aktien verkauft worden, obwohl die Öffentlichkeit von der Durchsuchung noch nichts wusste“, hieß es. „Wir versuchen zu ermitteln, wer am Dienstag Gildemeister-Aktien verkauft hat“, wird Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann im „Westfalen-Blatt“ zitiert.

HB FRANKFURT. Nach dem kräftigen Kurssturz tags zuvor war die Aktie des Bielefelder Werkzeugmaschinenbauers am Donnerstag mit einem Plus von zwölf Prozent größter Gewinner in MDax. Erneut war der Umsatz auffällig hoch.

Am Mittwoch hatten insgesamt 4,4 Millionen Gildemeister-Aktien den Besitzer gewechselt. Das entspricht mehr als zehn Prozent des Grundkapitals von 43,3 Millionen Aktien und dem Neunfachen des durchschnittlichen Handelsvolumens der vergangenen zwölf Monate. Die Nachricht über eine Razzia der Staatsanwalt Bielefeld bei Gildemeister-Chef Rüdiger Kapitza hatte eine regelrechte Verkaufswelle ausgelöst. Die Behörde ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen den Manager. Der Kurs brach um bis zu 25 Prozent ein. Als Folge der Ermittlungen gegen Kapitza haben etwa das Bankhaus Lampe und die BHF-Bank die Bewertung der Gildemeister-Aktie stark gesenkt.

Bereits am Dienstagnachmittag, unmittelbar nach dem Beginn der Durchsuchungen, war der Gildemeister-Kurs in die Knie gegangen, obwohl es darüber noch gar keine Meldung gab. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ermittelt wegen des Verdachts auf Insider-Handel. Eine Sprecherin bestätigte, dass man sich die Kurse ansehen werde. Der Gildemeister-Kurs war bereits in den vergangenen Wochen stark gefallen. Die Sprecherin betonte aber, dass dies erst die erste Stufe der Ermittlungen sei. Man werde den Handel in der Gildemeister-Aktie mit den Informationen des Unternehmens abgleichen.

Im Oktober hatte der Kurs mit knapp 23 Euro seinen bisherigen Höchststand erreicht, gestern kostete das Papier noch zwölf Euro. Betriebsratschef Wulf Bantelmann, der auch im Aufsichtsrat sitzt, vermutet eine Intrige gegen das Unternehmen: "Jemand streut da gezielt Gerüchte. Wir sind in den Fokus von Heuschrecken geraten."

Ausgeschlossen scheint der Angriff eines Finanzinvestors, eines Hedge-Fonds oder eines Konkurrenten nicht. Gemessen an der Ertragskraft ist die Gildemeister-Aktie ein echtes Schnäppchen. Analyst Gordon Schönell vom Bankhaus Lampe hält es durchaus für möglich, dass sich institutionelle Investoren zum Einstieg entschließen. "Dies wäre eine gute Gelegenheit, wie jetzt bei Pfleiderer", sagte Schönell. Andere Analysten vermuten gar, dass die ersten Pakete bereits geschnürt sind. Meldepflichtig ist ein Anteilsbesitz von mehr als drei Prozent.

Die Relation zwischen Unternehmenswert (Börsenkapitalisierung zuzüglich Nettofinanzschulden) und Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) beträgt aktuell 6,8 und dürfte in den nächsten zwei Jahren auf unter vier sinken, heißt es in einer aktuellen Studie der BHF-Bank. Bei den jüngsten Übernahmen in der Branche wurden deutlich höhere Multiplikatoren gezahlt. Als Aufkäufer tat sich der US-Konzern Maxcor hervor, der Werkzeugmaschinenaktivitäten von IWKA und Thyssen-Krupp erwarb.

Unterdessen hat sich der bekannte Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt Sven Thomas bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft als Verteidiger von Kapitza gemeldet. Thomas war früher Verteidiger von Klaus Esser im Mannesmann-Prozess und hat auch Otto Graf Lambsdorff und Friedel Neuber vertreten. Wann Kapitza vernommen wird ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch offen. Die Ermittlungen könnten im Falle von Schmiergeldzahlungen auf weitere Personen bei Gildemeister ausgedehnt werden.

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