Westliche Hersteller sehen deutlich verbesserte Absatzmöglichkeiten – Messe in Moskau eröffnet
Autokonzerne entdecken Russland

Er ist rot, kommt aus Russland und heißt – natürlich – Revolution. Gestern präsentierte der größte Autokonzern des Riesenreichs, AvtoVaz (Marke: Lada) zur Eröffnung der Moskau-Motor-Messe Russlands ersten Rennwagen.

MOSKAU. Außer dem Boliden führte das Werk von der Wolga auch erstmals mit dem „Projekt 2170“ einen Wagen vor, der im Gegensatz zu allen anderen ausgestellten russischen Fahrzeugen nicht bestialisch nach Plastik stinkt und endlich europäischen Abgasnormen entspricht.

Doch aufkeimende Hoffnungen bremst das Wirtschaftsblatt „Kommersant“ gleich wieder aus: „Die Vergangenheit zeigt, dass die meisten Lada-Projekte nur Ausstellungsstücke bleiben.“ Entsprechend kündigte AvtoVaz-Aufsichtsratschef Wladimir Kadannikow gegenüber dem Handelsblatt sogar einen Produktionsrückgang an: „Weil wir mehr für unser Gemeinschaftsunternehmen mit General Motors zuliefern müssen.“ So wurden im ersten Halbjahr gerade noch 320 400 Ladas gefertigt, gut 50 000 weniger als vor einem Jahr. Trotzdem rechne er mit einem um 4 % wachsenden Automarkt in Russland.

Für westliche Konzerne jedoch wird der Markt bedeutender. Russische Hersteller – die mengenmäßig noch dominieren – geraten zunehmend ins Hintertreffen. Für die Daimler-Chrysler-Beteiligung Mitsubishi Motors ist der russische Markt inzwischen so wichtig, dass die Japaner die Europa-Premiere ihres neuen Modells Lancer auf der Messe in Moskau feierten. „Für Mitsubishi ist Osteuropa und insbesondere Russland ein besonderer Schwerpunkt bei der Rückeroberung unserer Marktanteile“, sagt Europa-Präsident Stefan Jacoby. Mitsubishi war dort auf 1 % Marktanteil geschrumpft.

Tatsächlich wächst Mitsubishis Russland-Absatz kräftig: Während der Gesamtmarkt im vorigen Jahr durchschnittlich um 3,4 % wuchs, konnten die Japaner ihren Absatz dort um 36 % steigern und wollen in diesem Jahr 14 000 Autos zwischen Petersburg und Pazifik verkaufen. Mitsubishi rechnet damit, dass in ganz Russland in diesem Jahr 1,8 Millionen PKW verkauft werden, 2010 bereits 2,3 Millionen. Heute machen russische Wagen 63 % aller Autoverkäufe aus, 14 % sind Neu-Importe und 23 % Gebrauchtwagen aus dem Ausland. Bis 2010 wendet sich laut Prognose das Blatt: Dann werden mehr ausländische Marken (45,2 % Marktanteil) in Russland verkauft als heimische (43,4 %). Zu den ausländischen Marken gehören auch Westmarken, die in Russland hergestellt werden.

Davon gibt es immer mehr: Wegen der anhaltenden Nachfrage wird die Focus-Produktion im Russland-Werk von Ford bis Ende Dezember auf 13 000 erhöht, im nächsten Jahr auf 25 000 Einheiten. Der weltgrößte Autokonzern, General Motors (GM), will in seinem Joint Venture GM-AvtoVaz dieses Jahr 35 000 Chevrolet bauen. Im nächsten April, so GM-AvtoVaz-Direktor John Mylonas, sollen 16 000 Chevrolet-Nivas – mit Opel-Motoren und japanischer Technik gespickt – den Geländewagenmarkt Europas erobern. „Russland kann stolz sein. Das ist ein russisches Produkt, das sich im Westen durchsetzen wird“, gab er sich zuversichtlich. Die Gesamtproduktion solle nächstes Jahr auf 60 000 Einheiten wachsen. Bis Jahresende werde entschieden, ob ein weiteres GM-Modell – möglicherweise der Opel Astra – künftig auch in Russland gefertigt wird.

Der BMW-Konzern, der die 3er- und 5er-Modelle in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad montieren lässt, zeigte sich ebenfalls zufrieden. „Trotz des starken Euro werden wir unsere Marktführerschaft im oberen Preissegment verteidigen und erstmals mehr als 4 000 Wagen in Russland verkaufen“, meinte Christian Kremer, Direktor von BMW Russland Trading.

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