Wettbewerber wächst rasant
Wie Hyundai zu VWs Angstgegner wird

Der koreanische Autobauer Hyundai ist der Angstgegner der etablierten Wettbewerber. Er ist der am schnellsten wachsende Autokonzern, selbst VW-Chef Martin Winterkorn sieht Hyundai als größten Konkurrenten. Damit dienen die Koreaner als Vorbild der Chinesen, die ebenfalls den Weltmarkt erobern wollen.

Glühend rot schießt ein langer, knapp zwei Meter breiter Streifen Stahlblech unter der Walze hervor und landet mit ohrenbetäubendem Zischen zum Abkühlen im Wasserbad. Vier Millionen Tonnen dünnes Autoblech spuckt das nagelneue Walzwerk in Dangjin an der Westküste von Südkorea jährlich aus. Eigentümer der Anlage ist Hyundai Motor, Abnehmer - zu 40 Prozent - ebenfalls Hyundai Motor.

Fast eine Flugstunde entfernt, bei Dymos in Ulsan, im Südosten Koreas. Der Autozulieferer ist bekannt für seine Präzisionsachsen und Autositze. Eigentümer der Firma ist Hyundai, Abnehmer der Achsen und Sitze ebenfalls Hyundai. Eine halbe Autostunde nördlich, bei IHL Industry. Die Firma mit dem englischen Namen hat sich auf alles spezialisiert, was am Auto leuchtet, bis zu den Lampen für das Kennzeichen. Auch IHL Industry gehört Hyundai, und auch IHL beliefert in großem Stil - na, wen wohl? - Hyundai. Autolämpchen, Achsen, Bleche, Einspritzpumpen, selbst Fabrikgebäude aus einer Hand und zum Eigenverbrauch: Kein Chef eines gewöhnlichen Autokonzerns käme auf die Idee, sich einen derart gigantischen Produktionsapparat ans Bein zu binden.

Doch Chung Mong-koo ist kein gewöhnlicher Autoboss und die Hyundai Motor Group, die er steuert, kein gewöhnlicher Fahrzeughersteller. Die Aktien der milliardenschweren Autoholding werden zwar an der Börse gehandelt, doch im Grunde gebietet Chung nach Gutdünken über sein Reich. Wo andere Konzerne sich auf Zulieferer verlassen, vertraut Chung nur auf sich, auf sich und nochmals auf sich. Wo Toyota mit Zuverlässigkeit und Volkswagen mit Beständigkeit werben, regiert der Fernöstling mit Aggressivität und Raubtierinstinkt. "More! Now! Hurry!" - "Mehr! Jetzt! Beeil dich!", so beschreibt das US-Fachblatt "Automotive News" die Angriffslust und den Temporausch bei Hyundai. Dazu kommen Autoritätshörigkeit der Mitarbeiter und Drill.

Gefährlichster Wettbewerber

Die Autobranche ist alarmiert. Während die meisten Hersteller in der Krise stark litten, avancierte Hyundai zum am schnellsten wachsenden Autokonzern der Welt. Zusammen mit der Tochter Kia steigerten die Südkoreaner 2009 den Absatz um 14,4 Prozent auf 4,76 Millionen Fahrzeuge, nur noch 1,5 Millionen weniger als Volkswagen. Mindestens 13 Prozent mehr, rund 5,4 Millionen Fahrzeuge, sollen es 2010 werden. Bis 2012 soll die Fertigungskapazität auf 6,5 Millionen Fahrzeuge steigen - schon nah an Europas Branchenprimus VW. Bei der Qualität bricht Hyundai Rekorde. Die Zeitschrift "Auto Bild" verlieh in ihrem aktuellen Qualitätsreport den Koreanern als einzigen von 20 Herstellern eine Goldmedaille. Selbst beim Gewinn fährt Hyundai an der Spitze. Die operative Marge erreichte zuletzt neun Prozent - fast doppelt so viel, wie VW in den kommenden Jahren anstrebt, und beinahe das Niveau von Toyota zu besten Zeiten.

"Nicht mehr die Japaner, sondern Hyundai ist der gefährlichste Wettbewerber von Volkswagen", bekannte VW-Chef Martin Winterkorn kürzlich. Nach Meinung des US-Autoexperten Ron Harbour werden Hyundai, Toyota und Volkswagen "in fünf Jahren um Platz eins kämpfen".

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