Wettbewerbsnachteile
Eon-Chef kritisiert Fusion von GDF und Suez

Eon-Chef Wulf Bernotat übt scharfe Kritik an der von der französischen Politik forcierten Fusion von Gaz de France (GDF) und Suez. „Ich habe nichts gegen den Umbau der europäischen Energielandschaft, ich habe aber etwas dagegen, wenn Mitgliedstaaten derart massiv eingreifen“, sagte Bernotat am Dienstag auf einer Energiekonferenz in Köln.

juf KÖLN. Eon sei fast nur noch von staatlich kontrollierten Konkurrenten umgeben. Gleichzeitig würden die Pläne der EU-Kommission, die Versorger zur Abgabe ihrer Strom- und Gasnetze zu zwingen, vor allem die deutschen Versorger treffen.

GDF, Europas größte Gasgesellschaft, und Suez, Europas fünftgrößter Stromproduzent, hatten ihre Fusion vor einer Woche verkündet. Durch den Zusammenschluss entsteht ein neuer Energieriese, der auf Augenhöhe mit den bisherigen Branchengrößen Eon, Electricité de France (EDF) und Enel agiert. Bei der Fusion spielte die französische Regierung, die GDF kontrolliert und auch am neuen Unternehmen eine Sperrminorität halten wird, eine aktive Rolle.

Frankreichs Premierminister Francois Fillon habe dies unverblümt eingeräumt, kritisierte Bernotat auf der Konferenz, die vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veranstaltet wurde. Paris wollte mit dem Zusammenschluss den französischen Markt vor dem Einstieg eines ausländischen Wettbewerbers schützen und mit dem neuen Branchenriesen auf dem europäischen Energiemarkt angreifen. „Was Fillon hier so freimütig sagt, können wir – und vor allem die Europäische Kommission – nicht unter der Rubrik andere Länder, andere Sitten abbuchen“, sagte Bernotat. Brüssel habe zwar keine Möglichkeiten, rechtlich gegen die Fusion vorzugehen, müsse sie aber politisch kritisch bewerten.

Bernotat verwies auf die leidvollen Erfahrungen, die Eon in Spanien gemacht habe. Dort war der Konzern mit seiner Offerte für den größten Versorger Endesa von Anfang an auf heftigen Widerstand der spanischen Regierung gestoßen. Letztlich musste sich Eon dem Konkurrenten Enel, der vom italienischen Staat kontrolliert und von der spanischen Regierung begünstigt wurde, geschlagen geben. Direkte Folgen aus der Fusion von GDF und Suez für sein eigenes Unternehmen sieht Bernotat zwar nicht. Er bezeichnete es aber als „ungute Entwicklung“, dass es immer mehr staatlich kontrollierte Energiekonzerne in Europa gebe.

Auch RWE sieht die Entwicklung kritisch. Vertriebsvorstand Berthold Bonekamp verwies darauf, dass andere europäische Staaten „gerade in jüngster Zeit bei energiepolitischen Weichenstellungen dezidiert nationale Interessen vertreten“. Sowohl Bernotat als auch Bonekamp kritisierten, dass speziell die deutschen Energiekonzerne durch die von Brüssel geplanten Maßnahmen zur Belebung des Wettbewerbs geschwächt werden sollen. Die EU-Kommission will in der kommenden Woche ihr Pläne vorstellen und fordert vor allem, dass die Versorger sich komplett von ihren Transportnetzen trennen. Bernotat gab sich überzeugt, dass sich die Kommission mit ihrem Vorschlag nicht durchsetzen werde, „weil er unsinnig ist und dem Wettbewerb nichts bringt“.

Unterstützung bekamen die deutschen Energiemanager in dieser Frage vom Präsidenten des Bundeskartellamtes: „Wie soll ich von einem Unternehmen die notwendigen Investitionen ins Netz erwarten, wenn dieses Unternehmen damit rechnen muss, dass man ihm das Eigentum nimmt?“, fragte Bernhard Heitzer.

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