Wettbewerbsregeln
Neue Gasanbieter warten auf den Durchbruch

Zum Oktober gelten auf dem deutschen Gasmarkt neue Spielregeln. Sie sollen neuen Anbietern den Einstieg in den Markt erleichtern. Doch die Machtverhältnisse bleiben vorerste die alten – und das Chaos ist größer denn je.

DÜSSELDORF / BRÜSSEL / BERLIN. „Das Chaos im Markt ist größer denn je.“ Jörg Bauth, Vorstandsvorsitzender des unabhängigen Gashändlers Natgas, ist ernüchtert. Zum ersten Oktober, wenn in der Branche mit der Heizperiode das neue Geschäftsjahr beginnt, sollte auf dem deutschen Gasmarkt alles anders werden: Neue Regeln, neue Chancen für neue Anbieter – und möglichst sinkende Preise für die Verbraucher. Doch der große Durchbruch lässt nach Bauths Worten weiter auf sich warten: „Der Wettbewerb kommt zwar voran, aber nur in sehr kleinen Schritten – das neue Energiewirtschaftsgesetz hat für noch mehr Unsicherheit gesorgt, als wir ohnehin schon hatten.“

Dabei waren die Versprechungen großspurig: Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur sprach im Frühjahr bereits von einem „Meilenstein für mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt.“ Der Chef-Regulierer erarbeitete im Wechselspiel mit Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge zum ersten Oktober neue Regeln für den Gasmarkt. Letztlich sollte sich das auch in niedrigeren Preisen für die Verbraucher niederschlagen, wie Böge versprach.

Die neuen Spielregeln gelten zwar: Mit Beginn des neuen Gaswirtschaftsjahres gibt es ein neues Modell, das Konkurrenten die Nutzung der Netze erleichtern soll. Mussten sie bislang den Transport bis zum Endkunden komplett organisieren, müssen sie sich ab sofort in einzelnen Marktgebieten nur noch am Einspeise- und am Entnahmepunkt mit dem Betreiber einigen. Zudem sollen die Entgelte für die Netznutzung sinken. Die Bundesnetzagentur prüft derzeit die Anträge der Betreiber und hat bereits in ersten Bescheiden deutliche Kürzungen verfügt. Parallel versucht das Bundeskartellamt für mehr Nachfrage zu sorgen. Es hat Marktführer Eon Ruhrgas gezwungen, langfristige Lieferverträge mit Stadtwerken zu lösen. Neue Anbieter sollen so leichter Kunden finden.

Dass es Fortschritte gibt, will Natgas-Chef Bauth gar nicht verleugnen. Ausdrücklich lobt er die Initiative des Kartellamtes gegen Langfristverträge: „Das spüren wir.“ Viele Stadtwerke wollten die Chance zum Wechsel nutzen. Eine „Hand voll neuer Kunden“ habe das Unternehmen auch bereits gefunden.

Überhaupt nicht zufrieden ist er dagegen mit dem Netzzugang. Noch seien die Regeln zu kompliziert und viele Fragen ungeklärt, kritisiert Bauth. Die neuen Anbieter bemängeln vor allem, dass es zu viele Marktgebiete gibt: Stolze 19, so dass sie doch wieder an zu vielen Punkten den Transport organisieren müssen.

Unklarheit herrscht auch bei den Netzentgelten. Die Bundesnetzagentur hat bislang nur einen Bruchteil der Anträge abgearbeitet. „Wir mussten zum ersten Oktober mit einer großen Unbekannten kalkulieren“, klagt Bauth. Das Geschäft für das nächste Gaswirtschaftsjahr ist für die neuen Anbieter inzwischen gelaufen, ihr Blick geht bereits ins nächste Jahr. „Ich hoffe, dass wir zum ersten Oktober 2007 mehr Rechtssicherheit haben werden“, sagt Natgas-Chef Bauth.

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