Weyerhaeuser
Der Holzkönig von Amerika

Friedrich Weyerhäuser, ein Auswanderer aus Rheinhessen, hat eines der größten Forstunternehmen der Welt aufgebaut. Mit dem nachwachsenden Rohstoff verdient der nordamerikanische Konzern, schlicht nach seinem Gründer benannt, Milliarden.

OTTAWA. Vielleicht wäre Friedrich Weyerhäuser auch in der Heimat, in Saulheim in Rheinhessen, glücklich geworden. In dem Weinbauort hätte er ein Weingut oder einen landwirtschaftlichen Betrieb aufbauen können. Stattdessen zog er 1852 als 18-Jähriger in die USA und begann in Illinois eine Lehre in einem Sägewerk. Als er 1914 im kalifornischen Pasadena starb, war er der „Holzkönig von Amerika“. Heute ist die Weyerhaeuser Company mit 50 000 Beschäftigten in 18 Ländern und einem Umsatz von 22,6 Mrd. Dollar eines der größten internationalen Forstwirtschaftsunternehmen.

Mit einer strategischen Entscheidung machte das in Federal Way im US-Bundesstaat Washington ansässige Unternehmen dieser Tage von sich reden: Es trennt sich von seinem Feinpapiergeschäft und vereinigt den Geschäftszweig mit der kanadischen Domtar zu einer neuen Domtar. Zwar werden nach der Neuausgabe der Domtar-Aktien Weyerhaeuser-Aktionäre 55 Prozent des neuen Unternehmens besitzen, Weyerhaeuser selbst ist aber an Domtar nicht beteiligt.

Zwar lief das Papiergeschäft nicht schlecht, aber Weyerhaeuser fühlt sich im Holzbereich besser positioniert. Der Konzern werde in ein Unternehmen „mit stärker fokussiertem Geschäftsportfolio transformiert“, das seine volle Aufmerksamkeit dem Kerngeschäft widmen könne, sagt Weyerhaeuser-Chef Steven Rogel. Für den Analysten Steven Chercover vom Broker-Haus DA Davidson ist der Verkauf des Papiergeschäfts ein „guter Zug“. Angesichts des Trends zu elektronischen Medien werde es immer schwerer, mit Papier Geld zu verdienen. Weyerhaeuser werde mit der Konzentration auf Kernbereiche gestärkt.

Das Kerngeschäft sind für Weyerhaeuser traditionell Forstwirtschaft und Holzeinschlag. Dafür steht der Begriff „timber“, der die Geschichte des Unternehmens seit der Zeit von Friedrich Weyerhäuser prägt, der sich in den USA Frederick Weyerhaeuser nannte. Sein Aufstieg entspricht dem Klischee, das man vom mittellosen Einwanderer hat, der es zu Wohlstand brachte. Weyerhaeuser, geboren am 21. November 1834 in Nieder-Saulheim, stieg schnell vom Lehrling zum Betriebsleiter eines Sägewerkes in Illinois auf und konnte das Unternehmen nach wenigen Jahren kaufen. Holz war ein begehrtes Produkt: Für den Eisenbahnbau wurden Schwellen benötigt. Weyerhaeuser kaufte Wälder und baute das „Weyerhaeuser Syndikat“ auf. 1900 erwarb er von der Northern Pacific Railway zusammen mit einen Partnern 900 000 Acres – rund 360 000 Hektar – Waldland im Nordwesten der USA. Dies ist die Basis des heutigen Unternehmens, und das Jahr 1900 gilt als das Gründungsjahr der Weyerhaeuser Company.

Fast 100 Jahre später – im Jahr 1999 – wurde aus dem US-Unternehmen ein nordamerikanisches, auch wenn der Sitz weiter in Federal Way in den USA ist: Damals kaufte Weyerhaeuser für 2,6 Mrd. US-Dollar in Aktien den kanadischen Forstkonzern MacMillan Bloedel. Durch dieses Geschäft wurde Weyerhaeuser um Dutzende Sägewerke und Kartonagefabriken reicher. Vor allem aber konnte der Konzern seinen Landbesitz in den USA erweitern und Nutzungsrechte für Staatsforst in Kanada erwerben. Heute bewirtschaftet Weyerhaeuser 15,4 Mill. Hektar Wald, davon rund 2,3 Mill. Hektar Firmenbesitz in den USA, während in Kanada die Wälder überwiegend weiter dem Bund und den Provinzen gehören. Hier erhalten Forstunternehmen Lizenzen zum Holzeinschlag. Weyerhaeuser hat langfristige Lizenzen für etwa 11 Mill. Hektar in Kanada. Allerdings wird jährlich nur ein Bruchteil der Fläche tatsächlich genutzt: 3,2 Prozent des Landes in den USA, 0,5 Prozent in Kanada.

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