Whiskey
Vom Kaminzimmer in den Nachtclub

Diageo ist einer der größten Spirituosenkonzerne der Welt. Mit „Johnnie Walker“ und „J&B“ belegen seine Top-Marken die Plätze eins und zwei in der Weltrangliste für Scotch Whisky. Doch das Unternehmen hat ein Problem: Die Jugend trinkt lieber etwas anderes. Nun will Diageo den Whisky aus der Altherrenecke holen.

EDINBURGH. In der Whisky-Brennerei Glenkinchie geht es ruhig zu, sehr ruhig. Sanft schäumt die Brühe aus Malz, Wasser und Hefe in den riesigen Gärbottichen, leise zischt es in den kupfernen Destillierkesseln. Die Backsteinbauten der 1837 gegründeten Fabrik sind fast menschenleer. Keiner der acht Arbeiter ist zu sehen, als Produktionschef Bruce Mackenzie durch das Werk führt. Die Klischees aus der Whisky-Werbung passen zwischen den sanften Hügeln eine halbe Autostunde südöstlich von Edinburgh: „Bei den meisten Kollegen haben schon Vater, Großvater oder Onkel hier gearbeitet“, sagt der rothaarige Mann.

Glenkinchie ist eine der 27 Brennereien, die Diageo, der größte Spirituosenkonzern der Welt, in Schottland unterhält. Mit „Johnnie Walker“ und „J&B“ belegen seine Top-Marken die Plätze eins und zwei in der Weltrangliste für Scotch Whisky. Sie sind Verschnitte aus Erzeugnissen Dutzender Brennereien – Glenkinchie steckt zum Beispiel in „Johnnie Walker“ drin. Die kunstvolle Mischung bügelt Geschmacksdifferenzen aus und gibt einer Marke ihren unverwechselbaren Charakter.

Die großen Marken beherrschen nach wie vor den Whisky-Markt, doch die Gewichte verschieben sich. Am oberen Ende wachsen die unverschnittenen „Single Malts“ aus der Exoten-Nische heraus, und am unteren Ende versuchen Konzerne wie Diageo, mit neuen Einstiegs-Produkten jüngere Käufer zu gewinnen.

„Single Malts“, reinrassige Whiskys einer einzigen Brennerei, bieten dem Kenner den puren Geschmack. In Deutschland etwa haben sie schon gut acht Prozent Marktanteil erobert. Glenkinchie ist eine von sechs Diageo-Brennereien, die einen Teil ihrer Produktion als Single Malt verkaufen. „Unser Whisky ist darunter der sanfteste und zugänglichste“, schwärmt Mackenzie. Mild und weich verbreite er sich im Mund, bevor er den Schlund wärmt. Am anderen Ende der Skala steht Talisker, das Produkt der einzigen Brennerei auf der Isle of Skye. Scharf und herb mit rauchigem Abgang, passt er zur rauen Landschaft der Westküste.

Doch solche Single Malts, die man in gut sortierten Supermärkten bekommt, sind noch nichts für die wahren Experten. Die Mitglieder der Scotch Malt Whisky Society im Edinburgher Hafenviertel Leith probieren Whiskys, die nicht nur nach Brennerei und Jahrgang sortiert sind, sondern auch nach Abfülldatum, Herkunft des Fasses und Destilliermeister. „Wir wissen sogar, in welcher Ecke des Lagerhauses das Fass stand und in welcher Höhe“, sagt Douglas Macfarlane, Manager in der Herzkammer des Whisky-Kults.

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