White Tale
Clariant zeigt Großaktionär die kalte Schulter

Der aktivistische Investor White Tale hatte beim Spezialchemiekonzern Clariant drei Sitze im Verwaltungsrat gefordert. Diese lehnte Clariant aber ab – ebenso wie eine weitere Forderung des Großaktionärs.
  • 0

ZürichDer Spezialchemiekonzern Clariant geht auf Konfrontationskurs zu seinem größten Aktionär White Tale. Das Schweizer Unternehmen wies am Freitag die wichtigsten Forderungen des aktivistischen Investors ab. Die Amerikaner wollten sich zwar noch nicht äußern, doch Analysten gehen nun von einem längeren Kräftemessen zwischen den beiden Parteien aus. Vieles deutet darauf hin, dass es auf einer Aktionärsversammlung zu einem Showdown kommen wird. "Wie unsere Aktionäre stimmen werden, weiß ich nicht, das werden wir sehen", sagte Clariant-Konzernchef Hariolf Kottmann.

Kottmann muss sich auf massiven Widerstand gegen sein Vorgehen einstellen. Der Investor White Tale, der zuletzt über 20 Prozent an Clariant hielt, hatte im Oktober die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman zu Fall gebracht. Anfang der Woche trafen sich Vertreter des Konzerns mit ihrem größten Eigner, ohne allerdings eine Einigung zu erzielen.

Nach erneuten internen Beratungen wies Clariant nun die Forderung von White Tale nach drei Sitzen im Verwaltungsrat öffentlich zurück. Stattdessen biete „der Verwaltungsrat White Tale die Option an, ein Registrierungsverfahren einzuleiten, um ein weiteres Mitglied für den Verwaltungsrat von Clariant bei der bevorstehenden Hauptversammlung im März 2018 vorzuschlagen.“ Bisher ist White Tale gar nicht in dem Aufsichts-Gremium vertreten. Eine Gruppe von Aktionären rund um eine bayrische Familie besetzt dagegen zwei der zehn Sitze, obwohl sie mit rund 15 Prozent einen geringeren Anteil an dem Basler Konzern hält. „Die zwei Fälle lassen sich nicht vergleichen“, sagte Kottmann.

Die zweite Forderung des aktivistischen Investors, eine Investmentbank mit einer strategischen Überprüfung zu mandatieren, wies Clariant rundweg ab. White Tale gehe es letztlich darum, die Firma aufzuspalten und die Teile zu verkaufen, sagte Kottmann. „Wir sind anderer Meinung und akzeptieren das nicht.“ Stattdessen wolle Clariant leichte Anpassungen der Strategie wie mögliche Übernahmen, Veränderungen des Geschäftsportfolios, Kostensenkungen und zusätzliche Ausschüttungen an die Aktionäre prüfen. Die Ergebnisse dieser Überprüfung will der Konzern Anfang 2018 vorlegen.

Die Anleger reagierten verschnupft auf die sich abzeichnende Auseinandersetzung. "Die ist der operativen Entwicklung nicht förderlich, zumal Management-Ressourcen gebunden werden und nicht für das erfolgreiche Fortkommen der Gesellschaft eingesetzt werden können, sondern in die Strategieverteidigung gesteckt werden müssen", urteilte ZKB-Analyst Philipp Gamper. An der Börse verloren Clariant 0,9 Prozent auf 26,37 Franken.

Für Baader Helvea-Analyst Markus Mayer ist Clariant weiterhin das Übernahmeziel Nummer eins der europäischen Chemiebranche. Bei einer Aufspaltung könnte Clariant auf einen Gesamtwert von 30 bis 35 Franken pro Aktie kommen. Als möglichen Interessenten für Teile von Clariant gilt etwa die deutsche Evonik.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " White Tale: Clariant zeigt Großaktionär die kalte Schulter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%