White Tale Clariant zeigt Großaktionär die kalte Schulter

Der aktivistische Investor White Tale hatte beim Spezialchemiekonzern Clariant drei Sitze im Verwaltungsrat gefordert. Diese lehnte Clariant aber ab – ebenso wie eine weitere Forderung des Großaktionärs.
Update: 24.11.2017 - 13:27 Uhr Kommentieren
Der Spezialchemiekonzern lehnte eine strategischen Überprüfung ab. Quelle: Reuters
Clariant

Der Spezialchemiekonzern lehnte eine strategischen Überprüfung ab.

(Foto: Reuters)

ZürichDer Spezialchemiekonzern Clariant geht auf Konfrontationskurs zu seinem größten Aktionär White Tale. Das Schweizer Unternehmen wies am Freitag die wichtigsten Forderungen des aktivistischen Investors ab. Die Amerikaner wollten sich zwar noch nicht äußern, doch Analysten gehen nun von einem längeren Kräftemessen zwischen den beiden Parteien aus. Vieles deutet darauf hin, dass es auf einer Aktionärsversammlung zu einem Showdown kommen wird. "Wie unsere Aktionäre stimmen werden, weiß ich nicht, das werden wir sehen", sagte Clariant-Konzernchef Hariolf Kottmann.

Kottmann muss sich auf massiven Widerstand gegen sein Vorgehen einstellen. Der Investor White Tale, der zuletzt über 20 Prozent an Clariant hielt, hatte im Oktober die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman zu Fall gebracht. Anfang der Woche trafen sich Vertreter des Konzerns mit ihrem größten Eigner, ohne allerdings eine Einigung zu erzielen.

Nach erneuten internen Beratungen wies Clariant nun die Forderung von White Tale nach drei Sitzen im Verwaltungsrat öffentlich zurück. Stattdessen biete „der Verwaltungsrat White Tale die Option an, ein Registrierungsverfahren einzuleiten, um ein weiteres Mitglied für den Verwaltungsrat von Clariant bei der bevorstehenden Hauptversammlung im März 2018 vorzuschlagen.“ Bisher ist White Tale gar nicht in dem Aufsichts-Gremium vertreten. Eine Gruppe von Aktionären rund um eine bayrische Familie besetzt dagegen zwei der zehn Sitze, obwohl sie mit rund 15 Prozent einen geringeren Anteil an dem Basler Konzern hält. „Die zwei Fälle lassen sich nicht vergleichen“, sagte Kottmann.

Die größten Chemiekonzerne der Welt
Platz 10 - PPG Industries (USA)
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Die Amerikaner produzieren unter anderem bruchsicheres Glas für die Auto- und Raumfahrtindustrie, aber auch Farben, Lacke und Chemikalien. 15,33 Milliarden Dollar setzte Pittsburgh Plate Glass damit im Jahr 2016 um.

Platz 9 - Linde (Deutschland)
2 von 10

Die Münchener sind weltweit einer führenden Anbieter für Gase. Ein Umsatz von umgerechnet 17,83 Milliarden Dollar im Jahr 2016 reicht für einen Platz in der Top Ten.

Platz 8 - Air Liquide (Frankreich)
3 von 10

Die Erfindung von flüssiger Luft legte den Grundstein für einen Weltkonzern. Im vergangenen Jahr kam der französische Chemieriese auf einen Umsatz von 19,08 Milliarden Dollar.

Platz 7 - Henkel (Deutschland)
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Weltweit ist der Düsseldorfer Konzern bekannt für seine Marken Persil, Pril oder Pritt. Mit einem Umsatz von 19,69 Milliarden Dollar spielt der Dax-Konzern auch unter den internationalen Chemieriesen vorne mit.

Platz 6 - Dupont (USA)
5 von 10

Der komplette Name des amerikanischen Chemieriesens lautet „E I Du Pont de Nemours“. Das geht zurück auf die französischen Gründer, die in die USA emigriert waren und dort 1802 begannen, Sprengstoffe zu produzieren. Heute macht das Unternehmen in über 80 Ländern weltweit einen Umsatz von insgesamt 24,6 Milliarden Dollar. 2017 erfolgte die Fusion mit dem Rivalen Dow Chemical zum größten Chemiekonzern der Welt.

Platz 5 - LyondellBasell Industries (Niederlande)
6 von 10

Über die Jahre ist das internationale Konglomerat durch Zukäufe immer weiter gewachsen. Aus steuerlichen Gründen ist der Konzern mittlerweile in den Niederlanden beheimatet, auch wenn die Aktien in New York gehandelt werden. Der globale Umsatz ist mit 29,18 Milliarden Euro in der internationalen Spitzenklasse.

Platz 4 - Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
7 von 10

Die Weiterverarbeitung von Öl und Gas macht den arabischen Staatskonzern zu einem der größten Chemiekonzerne weltweit. Der Umsatz von 39,5 Milliarden Dollar spricht für sich.

Die zweite Forderung des aktivistischen Investors, eine Investmentbank mit einer strategischen Überprüfung zu mandatieren, wies Clariant rundweg ab. White Tale gehe es letztlich darum, die Firma aufzuspalten und die Teile zu verkaufen, sagte Kottmann. „Wir sind anderer Meinung und akzeptieren das nicht.“ Stattdessen wolle Clariant leichte Anpassungen der Strategie wie mögliche Übernahmen, Veränderungen des Geschäftsportfolios, Kostensenkungen und zusätzliche Ausschüttungen an die Aktionäre prüfen. Die Ergebnisse dieser Überprüfung will der Konzern Anfang 2018 vorlegen.

Die Anleger reagierten verschnupft auf die sich abzeichnende Auseinandersetzung. "Die ist der operativen Entwicklung nicht förderlich, zumal Management-Ressourcen gebunden werden und nicht für das erfolgreiche Fortkommen der Gesellschaft eingesetzt werden können, sondern in die Strategieverteidigung gesteckt werden müssen", urteilte ZKB-Analyst Philipp Gamper. An der Börse verloren Clariant 0,9 Prozent auf 26,37 Franken.

Für Baader Helvea-Analyst Markus Mayer ist Clariant weiterhin das Übernahmeziel Nummer eins der europäischen Chemiebranche. Bei einer Aufspaltung könnte Clariant auf einen Gesamtwert von 30 bis 35 Franken pro Aktie kommen. Als möglichen Interessenten für Teile von Clariant gilt etwa die deutsche Evonik.

  • rtr
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