Wichtigste Foerdertochter wird in einem Monat unter Wert zwangsversteigert
Yukos vor dem Aus

Russlands groesster Erdoelexporter, Yukos, steht vor dem Aus. Die staatliche russische Vermoegensverwaltung gab am Freitag bekannt, die groesste Foerdereinheit des Konzerns, Yuganskneftegaz (YNG), am 19.Dezember zwangszuversteigern.

HB MOSKAU. Der Startpreis fuer 76,8 Prozent von YNG (was 100 Prozent der stimmberechtigten Anteile sind) wurde auf nur 246,75 Mrd. Rubel, umgerechnet 8,65 Mrd. Dollar, festgelegt. Damit bleibt der Staat deutlich unter der schon vorsichtigen Schaetzung der von ihr mit der Wertermittlung beauftragten Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein. Diese hatte YNG mit 15,7 bis 18,3 Mrd. Dollar bewertet.

Unklar ist deshalb, ob die ausserordentliche Hauptversammlung am 20.Dezember einen Yukos-Bankrott beschliessen wird oder dieser Schritt bereits frueher erfolgt: Firmennahe Kreise schlossen nach Handelsblatt-Informationen nicht aus, dass der am Wochenende tagende Vorstand bereits am Montag Insolvenz beantragen koennte. Um damit sechs Monate lang Glaeubigerschutz zu bekommen und einen YNG-Zwangsverkauf vorerst abzuwenden.

Yukos-Aktien brachen am Freitag wegen der negativen Nachricht so stark ein, dass der Handel zwischenzeitlich ausgesetzt wurde. Insgesamt haben sie bereits um rund 85 Prozent an Wert verloren seit der Verhaftung von Yukos-Gruender und -Mehrheitsaktionaer Michail Chodorkowskij am 25. Oktober vorigen Jahres. Yukos-CEO Steven Theede nannte das Vorgehen der Behoerden “staatlich organisierten Raub”. Der Staat beweise damit, wie ernst er die Gesetze nehme. Denn YNG trage mit einer Tagesfoerderung von einer Mill. Barrel (je 159 Liter) zu gut 60 Prozent der Yukos-Produktion bei und duerfe als Kernbestandteil des Unternehmens somit erst an letzter Stelle zwangsversteigert werden.

Obwohl auch auslaendische Unternehmen an der Versteigerung teilnehmen duerfen, schaetzen Analysten in Moskau die Lage negativ ein: “Die Regierung kann mit weiteren Steuernachforderungen das Unternehmen vollstaendig zerstoeren”, meinte Tim McCarthy von der Moskauer Investmentbank Troika Dialog. Zudem duerften sich westliche Konzerne kaum an der Auktion beteiligen, da unklar ist, was eigentlich versteigert wird: Denn eine Entscheidung des russischen Naturressourcenministeriums ueber den Entzug der YNG-Foerderlizenzen steht ebenso noch aus wie weitere Steuernachforderungen gegen YNG den Wert des Unternehmens im Falle eines dem Kreml unliebsamen Kaeufers weiter druecken koennten.

Der YNG-Startpreis liegt zudem unterhalb der insgesamt Yukos ausgestellten Steuernachforderungen, die insgesamt 20 Mrd. Dollar gegen Yukos und YNG betragen. Damit wuerden weitere Zwangsverkaeufe anderer Yukos-Toechter moeglich.

Die Yukos-Affaere hat bereits jetzt das russische Investitionsklima stark beeintraechtigt: Die Kapitalflucht stieg in den ersten neun Monaten auf 10,9 Mrd. Dollar gegenueber 3,8 Mrd. Dollar im Vorjahresvergleichszeitraum. Die parlamentarische Versammlung des Europarats verurteilte zudem heute in Strassburg das Vorgehen gegen Yukos als selektive Anwendung der Justiz und politisch motiviert.

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