Widersprüchliche Daten und heftige Debatten über die Risiken von Vioxx
Merck & Co beschleunigt Chefsuche

Die Rücknahme des Schmerzmittels Vioxx hält den US-Konzern Merck & Co wie auch seine externen Kritiker in Atem. Während Fachleute immer neue Kalkulationen über die Zahl betroffener Patienten präsentieren, hat der Pharmariese jetzt offenbar die Suche nach einem neuen Firmenchef beschleunigt.

shf/wsje HB FRANKFURT/M. Dieser soll den amtierenden CEO Raymond Gilmartin spätestens im März 2006 ablösen. Nach Informationen des Wall Street Journals hat der Aufsichtsrat bereits in den Tagen vor der Rücknahme des Schmerzmittels externe Personalberater eingeladen, die man möglicherweise mit der Suche nach einem Nachfolger für Gilmartin beauftragen will. Dies wiederum hat Spekulationen beflügelt, dass zum einen der Wechsel früher kommen könnte als zunächst geplant, und dass zum anderen externe Kandidaten eine größere Chance haben als bislang erwartet. Personalberater, die nicht direkt involviert sind, sehen unter anderem Fred Hassan, den derzeitigen Chef von Schering- Plough.

Merck & Co. hatte Vioxx vor zehn Tagen vom Markt genommen, nachdem sich erhöhte Risiken für Herzattacken bei dem Schmerzmittel offenbarten. Die ohnehin bestehenden Probleme des US-Konzerns haben sich damit drastisch verschärft. Denn der bisher größte Rückruf eines Medikaments konfrontiert Merck mit einem Umsatzausfall von 2,5 Mrd. Dollar und dem Risiko zahlreicher Schadensersatzklagen.

Zudem hat sich die Debatte über ein mögliches Fehlverhalten von Merck und den Zulassungsbehörden in den vergangenen Tagen weiter intensiviert. Der US-Mediziner Eric Topol, ein längjähriger Kritiker von Vioxx und anderen Mitteln aus der Wirkstoffgruppe, sprach von einem „enormen öffentlichen Gesundheitsproblem“. In einem Leitartikel das einflussreichen New England Journal of Medicine kalkuliert er, dass bis zu 160 000 Herzattacken oder Schlaganfälle in den USA mit Vioxx in Verbindung stehen könnten. Eine andere Analyse, die von der US-Zulassungsbehörde FDA und dem Versicherungsunternehmen Kaiser Permanente initiiert wurde, spricht von mehr als 27



000 Fällen, die man hätte vermeiden können, wenn Patienten statt Vioxx Konkurrenz-Produkte aus der gleichen Wirkstoffgruppe genommen hätten. In Deutschland hat das neu geschaffene Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hochgerechnet, dass etwa 2 700 Fälle von Schlaganfällen oder Herzattacken mit Vioxx in Verbindung stehen könnten.

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