Widersprücliche Aussagen
EADS ist sich über Einstieg von Russen uneins

Die zweitgrößte russische Staatsbank Vneshtorgbank ist nach einer russischen Pressemeldung und Informationen des Handelsblatts beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS eingestiegen. Das Unternehmen selbst bestätigte den Aktienkauf am Mittwoch, um dann aber einen Rückzieher zu machen.

HB/fas/mbr/rob MÜNCHEN. EADS-Konzernsprecher Michael Hauger sagte am Mittag in München, die Aussagen seiner Pariser Kollegin Gaelle Pellerin seien falsch. Diese hatte gesagt, die Vneshtorgbank (TVB) habe 4 Prozent der EADS-Aktien gekauft: „Sie haben uns darüber informiert und um ein Treffen gebeten.“ Die Einzelheiten des Erwerbs müssten noch geklärt werden. Es werde in naher Zukunft ein Treffen geben. Absicht der Russen sei es, die Anteile später wieder zu veräußern.

Hauger sagte dagegen: „Die Aussagen treffen nicht zu.“ Als Konzernsprecher weise er die Äußerungen Pellerins zurück. Nähere Erklärungen lehnte er mit dem Hinweis ab, dass EADS „Einzeltransaktionen von Aktionären grundsätzlich nicht kommentiert“.

Der Konzern habe über die russische Presse von dem Deal erfahren, hatte Pellerin gesagt. Die angesehen Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ hatte am Dienstag berichtet, die VTB habe bislang 1,2 Mrd. Dollar in EADS-Aktien investiert und sich damit knapp 5 Prozent der Anteile gesichert. Ab 5 Prozent ist ein Engagement meldepflichtig. Die Bank habe an verschiedenen europäischen Handelsplätzen in den vergangenen Wochen gekauft, bestätigten Finanzkreise dem Handelsblatt. Ein Sprecher der VTB wollte den Vorgang nicht kommentieren.

Der Kauf sei „allein aus Finanzgründen“ erfolgt, heißt es in russischen Finanzkreisen, was mit den Aussagen von EADS-Sprecherin Pellerin übereinstimmt. Die Aktien des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns gelten seit Bekanntwerden der Lieferprobleme beim Riesenairbus A 380 als unterbewertet.

Russen dürfen nicht mitreden

Der Einstieg der VTB würde den Russen keine Mitsprachemöglichkeit bei EADS erlauben. Die Kontrolle über den Konzern liegt allein bei den Mitgliedern des Aktionärspaktes, in dem Deutsche, Franzosen und Spanier ihre Interessen festgeschrieben haben. Dafür ist nicht einmal die Kapitalmehrheit erforderlich.

Für die EADS ist Russland ein strategisch wichtiger Markt. Der Kreml führt gerade die russische Flugzeugindustrie zu einer Vereinten Aviations-Gesellschaft OAK zusammen und sammelt die Fluggesellschaften unter der Führung Aeroflots. Die EADS ihrerseits hat erst kürzlich einen Zehn-Prozent-Anteil am russischen Kampfflugzeughersteller Irkut erworben und will ältere Airbus-Maschinen in Russland zu Frachtern umrüsten lassen. Die russische Industrie soll zudem in die Komponentenfertigung für Airbus einbezogen werden.

Gleichzeitig will die EADS ihre Präsenz in Indien massiv ausbauen. Konzernchef Tom Enders kündigte in Neu-Delhi an, in den kommenden 15 Jahren bis zu 2 Mrd. Euro auf dem Subkontinent investieren zu wollen. Geplant sind unter anderem ein neues Entwicklungszentrum und eine vertiefte Kooperation mit indischen Firmen. Mit fast 230 bestellten Airbus-Flugzeugen waren die Inder 2005 Top-Kunden bei der EADS.

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