Widerstand einiger Vorzugsaktionäre
EU verlängert Prüfung der Wella-Übernahme

Die EU-Kommission hat ihre Prüfung der Übernahme des Darmstädter Haarpflegekonzerns Wella durch den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) um knapp zwei Wochen verlängert.

Reuters BRÜSSEL. Die Kommission teilte am Montag in Brüssel mit, sie werde statt bis zum 17. Juli nun bis zum 30. Juli entscheiden, ob sie die Übernahme genehmige. Konkrete Gründe für die Verlängerung nannte die Kommission zunächst nicht. Eine solche Fristverschiebung deutet aber meist daraufhin, dass sich Wettbewerber oder Kunden der beteiligten Firmen bei der EU-Behörde mit Stellungnahmen gemeldet haben.

P&G hält nach eigenen Angaben bereits rund 80 % am Wella-Kapital. Die US-Kartellbehörden haben der Übernahme bereits zugestimmt. P&G hatte selbst die europäische Genehmigung als einzige denkbare Hürde bezeichnet. Der US-Konzern hatte sich durch den Erwerb von 78 % der stimmberechtigten Stammaktien von den Wella-Familienaktionären bereits auf einen Schlag die faktische Mehrheit an dem Darmstädter Traditionsunternehmen gesichert.

P&G stößt bei der Übernahme von Wella nach wie vor auf den Widerstand einiger Vorzugsaktionäre. Diese lehnen einen Verkauf ihrer Papiere bislang ab, da sie die Offerte von derzeit 65 € je Vorzugsaktie als zu niedrig ansehen. Für die Wella-Stammaktien hatte P&G 92,25 € je Anteilsschein geboten. Diese Gruppe von Aktionären hält oder kontrolliert nach Angaben der sie vertretenen Investmentbank Close Brothers rund 30 % der Wella-Vorzugsaktien.

Die unzufriedenen Vorzugsaktionäre hatten bereits über gerichtlichem Wege versucht, die Übernahme von Wella aufzuhalten. Vergangenen Woche kündigten sie an, auch die Unabhängigkeit des Haarpflegekonzerns notfalls per Gerichtsentscheid erzwingen zu wollen. Solange es noch Minderheitsaktionäre gebe, müsse Wella weiter nach deutschen Regularien und Gesetzen als eigenständige Firma und ohne jedweden negativen Einfluss von P&G fortgeführt werden. Dazu zähle auch ein weiterhin unabhängiges Management sowie die Börsennotiz am Frankfurter Aktienmarkt.

Um die verbliebenen Wella-Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen drängen zu können (“Squeeze Out“), benötigt P&G mindestens 95 % am Kapital der übernommenen Gesellschaft. P&G hatte stets betont, dass sie zur Umsetzung der strategischen Ziele der Übernahme kein „Squeeze Out“ benötigten.

Von Wella oder P&G war zunächst ebenso wenig ein Kommentar zur Verlängerung der EU-Prüfungsfrist zu erhalten wie von Close Brothers.

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