Widerstand gegen EADS-Pläne
Aktionäre bremsen EADS-Chef aus

EADS-Chef Louis Gallois machen die Großaktionäre zu schaffen. Denn Lagardère, Daimler und der französische Staat wollen EADS weder eine strategische Übernahme in den USA genehmigen, noch unterstützen sie Überlegungen Gallois zu einer tiefgreifenden internen Restrukturierung des Konzerns.

PARIS „Hier gibt es eine Vielzahl an Blockade-Punkten“, heißt es aus EADS-Kreisen. EADS erklärte lediglich, dass „der Konzern Berichte über einen geplanten Umzug der Konzernzentrale nach Toulouse dementiert“. Ein Daimler-Sprecher wollte keinen Kommentar abgeben.

Durch die französische Presse geistern seit Wochen Gerüchte, wonach EADS eine tiefgreifende Umstrukturierung erwägt. Angeblich denkt Konzern-Chef Gallois über eine Zusammenlegung der Sparten nach, um Kosten zu senken. Die Zahl der Sparten solle von fünf (Airbus, MTA, Defense/Securitiy, Astrium, Eurocopter) auf drei sinken. So könnte Airbus mit der Tochter MTA fusioniert werden; MTA produziert den Militärtransporter A400M. Das Satelliten-Geschäft von Astrium könnte mit der Verteidigungssparte zusammen gelegt werden. Eurocopter soll indes als eigenständige Einheit weitergeführt werden, heißt es.

Die Überlegungen gehen damit über das hinaus, was das EADS-Board am 13. November unter dem Plan „Future EADS“ abgesegnet hat. Der Plan sieht eine Zentralisierung bestimmter Stabsfunktionen vor. So sollen Teile des Einkaufs und der Informationstechnologie aus den fünf Sparten ausgegliedert und konzernweit zusammengefasst werden. Das soll die Kosten ab 2011 um jährlich 200 Mio. Euro drücken. Wie es in den Kreisen weiter heißt, seien die Großaktionäre derzeit nicht gewillt, bei EADS tief in die etablierten Strukturen einzugreifen, wohl aus politischer Rücksichtnahme. Denn wenn die Zahl der Sparten von fünf auf drei sinkt, müssen zwei Spartenchefs ihren Top-Job aufgeben. Die Spanier werden dabei eifersüchtig ihren einzigen Spartenchef Carlos Suarez, Chef von MTA, verteidigen.

Eine Zusammenlegung der Satelliten-Tochter Astrium, geleitet vom Franzosen Francois Auque, mit dem Verteidigungs-Geschäft unter Stefan Zoller ist politisch ebenfalls heikel. Die Bundesregierung ist erpicht darauf, dass das Verteidigungsgeschäft von einem Deutschen geleitet wird, schließlich fließt der überwiegende Teil der Bundeswehr-Investitionen in die Kassen der EADS. Die Franzosen wiederum werden nicht zulassen, eine fusionierte Sparte einem Deutschen zu überlassen. Denn Astrium ist an der französischen Nuklear-Streitmacht beteiligt. „Für all diese Probleme ließen sich Lösungen finden“, heißt es aus EADS-Kreisen, „strategische Bereiche ließen sich in eine Sondereinheit ausgliedern.“

Der Widerstand gegen solche Pläne hat dabei nichts mit dem stereotypen Konflikt zwischen Deutschen und Franzosen zu tun – die Streitlinien gehen quer durch die Lager. So hat sich Airbus-Chef Thomas Enders vergangene Woche gegenüber der Presse offen für eine weitergehende Integration gezeigt – bis hin zu einer Zusammenlegung der Konzernzentrale in Toulouse. „Gallois will den Konzern auf die eine oder andere Weise voranbringen“, heißt es in intern. Aber auch eine strategische Übernahme in den USA stößt auf Widerstand. „Die Aktionäre sitzen auf dem Geld“, so ein Insider. Zwar verfügt EADS über Cashbestände von neun Milliarden Euro. Doch die Aktionäre sorgen sich, dass die Cash-Berge schnell schmelzen; so wird die Entwicklung der A350 noch Milliarden kosten. Und weder Daimler noch Lagardère haben Lust, auch nur einen Cent zusätzliches Kapital bereitzustellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%