Widerstand gegen Großaktionär Schaeffler
Ringen um Conti-Zukunft mutiert zur Farce

Das Ringen um die Zukunft des Continental-Konzerns wird mit immer härteren Bandagen geführt. Manch ein Beteiligter setzt derzeit vor allem auf eine Loslösung vom ungeliebten Großaktionär Schaeffler. Und auch unter den Gläubigerbanken gibt es Widerstand, schließlich stehen diese kurz davor, die Macht bei Schaeffler zu übernehmen.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Das Ringen um die Zukunft des Continental-Konzerns wird mit immer härteren Bandagen geführt. Das Landgericht Hannover stoppte die Berufung des Schaeffler-Vertrauten Rolf Koerfer in den Conti-Aufsichtsrat. Der ehemalige Chef der Fondsgesellschaft DWS, Christian Strenger, hatte dagegen Beschwerde eingelegt.

Strenger begründete seine Beschwerde vor allem mit der kritischen Lage des Großaktionärs Schaeffler. "Koerfer hat als Chefjustiziar von Schaeffler eine primäre Verantwortung gegenüber diesem Unternehmen", sagte Strenger dem Handelsblatt. "Die potenziellen Interessenkonflikte sind angesichts der derzeitigen Situation bei Schaeffler so groß, dass ihm eine Führung des Aufsichtsrats im gesetzlich vorgegebenen alleinigen Interesse von Continental kaum möglich sein dürfte." Strenger betonte zugleich, dass er seine Beschwerde nicht als Mitglied der Regierungskommission für Corporate Governance führe, sondern privat als Conti-Aktionär.

Was nun passiert, ist unklar. Schaeffler kündigte am Dienstag an, man wolle an Koerfer festhalten. Die anstehende Conti-Aufsichtsratssitzung am Freitag aber wird offenbar wieder von Hubertus von Grünberg geleitet. Das Verhältnis des amtierenden Aufsichtsratschefs zu Schaeffler ist nach Aussagen anderer Aufsichtsräte zwar vollkommen zerrüttet. Nach der Entscheidung des Landgerichts gegen Koerfer gibt es aber keine naheliegende Alternative zu Grünberg.

Der stellvertretende Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE kritisierte das derzeitige Chaos scharf. "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass Herr Koerfer nicht an der Sitzung des Aufsichtsrates am Freitag teilnehmen kann", sagte Bischoff dem Handelsblatt. "Die Situation um Conti und Schaeffler ist für viele nicht mehr zu verstehen." In einem Brief an die Betriebsräte forderte er, dass endlich Schluss sein müsse mit der Unsicherheit. Ohne staatliche Unterstützung sei die Krise nicht zu bewältigen: "Bund und Länder müssen mit ins Boot."

So manch einer in Hannover setzt derzeit aber vor allem auf eine Loslösung Contis vom ungeliebten Großaktionär Schaeffler. So wurde bereits vor der Entscheidung des Landgerichts Stimmung gegen Koerfer gemacht. Auch unter den Gläubigerbanken gibt es Widerstand. Schließlich stehen die Kreditinstitute kurz davor, die Macht bei Schaeffler zu übernehmen.

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