Widerstand gegen Übernahmen bleibt oft erfolglos
Schweizer Firmen wechseln den Besitzer

Die erste Übernahmewelle in der Schweiz ebbt ab. Das Ergebnis allerdings sieht dabei oft anders aus, als es sich die Betroffenen vorgestellt hatten.

oli ZÜRICH. Vor allem drei Unternehmen haben in den vergangenen Wochen im Mittelpunkt des Interesses gestanden: der Industriekonzern Unaxis, der von der österreichischen Beteiligungsgesellschaft Victory angegriffen wurde; der Vermessungspezialist Leica Geosystems, der mal an die schwedische Hexagon und dann an den US-Konzern Danaher gehen sollte, sowie der Automobilzulieferer Saia Burgess, auf den sich lange Zeit die japanische Sumida-Gruppe Hoffnungen gemacht hatte.

Das Rennen um diesen vorerst letzten Übernahmekandidaten entschied sich gestern: Sumida gibt auf und bietet seine 180 245 Saia-Aktien der in Hongkong beheimateten Johnson Electric an, die als „Weißer Ritter“ aufgetaucht war. Die Japaner erklärten, dass sie das höhere Angebot von Johnson nicht übertreffen wollten. Sumida hatte 950 Schweizer Franken (630 Euro) je Saia-Aktie geboten. Die Konkurrenzofferte von Johnson Electric liegt bei 1060 Franken. Die Führung von Saia-Burgess hatte die Sumida-Avance stets als feindlichen Akt empfunden und sich gewehrt: Das Angebot entspreche nicht dem Wert von Saia-Burgess. Dagegen begrüßte der Verwaltungsrat die höhere Offerte von Johnson Electric einstimmig.

Dass alles Sträuben nichts bewirkt, musste letztlich der Verwaltungsrat von Leica Geosystems erfahren, ein Unternehmen, das mit den in Deutschland tätigen Leica-Gruppen verwandt ist. Hier haben zwei Bieter den Preis von zunächst 436 auf schließlich 573 Franken je Aktie hochgetrieben. Hexagon war als erster Käufer aufgetreten. Der Verwaltungsrat lehnte ab und begrüßte später das Konkurrenzangebot von Danaher. Der Konzern hatte zuvor bereits die deutsche Leica-Microsystems gekauft. Überraschend legte Hexagon jedoch nach und konnte Anfang dieser Woche seinen Erfolg vermelden.

Unaxis schließlich ging an die österreichische Victory-Gruppe, obwohl sich auch hier der Verwaltungsrat sträubte. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass die Unaxis-Besitzer, die Schweizer Industriellenfamilien Bührle und Anda den Großteil ihres Pakets an die Österreicher verkauften.

Für die oft wohlhabenden eidgenössischen Firmen, die bislang selbst auf Einkaufstour gegangen waren, hat dieses Jahr damit eine neue Erfahrung gebracht. Analysten vermuten, dass die Übernahmewelle weiterrollen wird. Bruno Winiger vom Bankhaus Julius Bär nennt aber Gründe dafür, dass es besonders mittelgroße, technikorientierte Schweizer Unternehmen trifft: Sie seien international bekannt, weil sie wegen ihres kleinen Heimatmarkts viel exportieren. Sie seien solide finanziert und verfügten über Innovationspotenzial.

Von den Analysten der Credit-Suisse Gruppe wird darüber hinaus auf liberale Schweizer Gesetze hingewiesen, die den Angriff von außen leicht machen. So ist kein unabhängiger Verwaltungsrat vorgeschrieben: Wer genügend Stimmrechte hat, rückt schnell in das Gremium auf und kann die Geschicke der Firma mitbestimmen.

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