Widerstand von mehreren Seiten
RWE-Stadtwerke-Pläne drohen zu scheitern

Der Essener Energiekonzern RWE muss wegen des Widerstands in der niederrheinischen Stadt Neuss ein Scheitern des seit Jahren ersten Einstiegs bei einem Stadtwerk befürchten. Die Kommunalpolitiker legten die Angelegenheit einfach auf Eis. Während dessen bringt sich RWE -Konkurrent EnBW in Neuess in Stellung.

HB DÜSSELDORF. Wenn es zu der Fusion der Stadtwerke Neuss und Krefeld komme, wolle sich RWE zwar weiter an dem Unternehmen beteiligen, betonte zwar ein Sprecher von RWE Rhein-Ruhr am Samstag. Der Rat der Stadt Neuss hatte die Pläne allerdings am Freitagabend durchkreuzt. In einer geheimen Abstimmung setzte das Gremium den Tagesordnungspunkt ab, der den Weg für eine Fusion der Sparten Energie und Entsorgung der Stadtwerke frei machen sollte.

Damit dürfte sich das zum 1. Januar 2008 geplante Vorhaben vorerst erledigt haben. Für die nächste Sitzung im Dezember steht das Thema bislang nicht auf dem Plan. RWE hatte für einen Einstieg kürzlich die Genehmigung des Bundeskartellamts erhalten, nachdem der Konzern seine Beteiligung an den Stadtwerken Wuppertal abgegeben hatte. Die Schwebebahn-Stadt hatte dem Versorger vorgeworfen, Zusagen nicht eingehalten zu haben. Nach der Trennung von der Wuppertaler Beteiligung würde der nach Eon zweitgrößte deutschen Versorger mit einem Einstieg in Neuss und Krefeld seine Marktmacht nicht erweitern, betonte das Kartellamt.

RWE droht in seinem Stammland Nordrhein-Westfalen nun Ungemach durch den Karlsruher Konkurrenten EnBW. Die Stadtwerke Düsseldorf, die mehrheitlich EnBW gehören, haben den Neussern einen Einstieg angeboten. Für einen Anteil von 34,9 Prozent an den Stadtwerken Neuss Energie und Wasser bieten sie nach Reuters vorliegenden Unterlagen 45,5 Millionen Euro. Für 49,9 Prozent der Entsorgungs-Tochter AWL soll Neuss 4,5 Millionen Euro erhalten. Krefeld bliebe damit außen vor.

Die Stadtwerke Düsseldorf wollten ebenso wie RWE Rhein-Ruhr die Abstimmung des Neusser Rats nicht kommentieren. Die SPD -Opposition hatte sich gegen die Fusionspläne ausgesprochen und stattdessen Kooperationen mit Stadtwerken vorgeschlagen. Die Sozialdemokraten hatten sich insbesondere an dem Einstieg von RWE gestoßen und die Absetzung des Tagesordnungspunkts am Freitag beantragt. Hierfür sprach sich die überwiegende Zahl der Ratsmitglieder aus, obwohl die CDU dort eine Mehrheit hat.

Die Pläne für die Stadtwerke-Fusion hatte maßgeblich der Neusser Bürgermeister Herbert Napp (CDU) vorangetrieben. Er hatte in diesem Jahr überregional für Schlagzeilen gesorgt, weil er seine eigene Stadt verklagt hatte. Napp forderte von Neuss die Rückzahlung von rund 13 000 Euro aus seiner Nebentätigkeit im Regionalbeirat von RWE Energy. Im August bekam er Recht durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Düsseldorf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%