Wie der Markt funktioniert und wo die Probleme liegen
Hintergrund: Das Geschäft mit dem Strom

Die deutschen Energiekonzerne und die Großkunden aus der Industrie streiten über die Strompreise. Die Gründe für den rasanten Preisanstieg sind dabei vielschichtig. Wie das System funktioniert.

Marktmacht: Die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg kontrollieren 80 Prozent der deutschen Stromproduktion. Ausländische Versorger wie Electrabel oder Essent und Energiehändler haben in Deutschland kaum eigene Kapazitäten.

Strombörse: Als Referenzgröße in den Verträgen dient in der Regel der Preis, der sich an der Leipziger Strombörse EEX bildet. Vertreter der Industrie werfen den Produzenten vor, diesen mit ihrem Oligopol zu manipulieren. Die EEX verweist auf ein steigendes Handelsvolumen - inzwischen 16 Prozent des deutschen Stromverbrauchs.

Verträge: Die Laufzeiten und Preisklauseln in den Verträgen unterscheiden sich stark. Viele Unternehmen haben vor Jahren zu Tiefstpreisen Strom langfristig eingekauft, nicht vorgesorgt und sind jetzt zu Vertragsverlängerungen zu Höchstpreisen gezwungen.

Rohstoffe: Der Betrieb von Kraftwerken ist teurer geworden. Der Grenzübergangspreis für Gas stieg zwischen April 2004 und April 2005 um 32,5 Prozent. Der Importpreis für Kraftwerkskohle lag im ersten Quartal mit 65 Euro je Tonne um 16 Euro höher als ein Jahr zuvor. Allerdings erzeugt Deutschland je ein Viertel des Stroms mit günstiger Kernenergie und heimischer Braunkohle.

Staatliche Abgaben: Der Strompreis in Deutschland wird stark durch staatliche Abgaben belastet unter anderem zur Förderung der erneuerbaren Energien. Trotz Härtefallregelungen summierten sich die staatlich verursachten Lasten 2004 auf 11,5 Mrd. Euro.

Netzentgelte: Deutschland hat in Europa das sicherste Stromnetz. Energiehändler müssen aber auch besonders hohe Entgelte für die Netznutzung bezahlen und klagen über Diskriminierung.

Emissionshandel: Seit Anfang des Jahres treibt auch der Emissionshandel den Strompreis. Der Zertifikatspreis für eine Tonne Kohlendioxid kletterte von acht auf 28 Tonnen. Zwar gibt es Gründe für einen Anstieg - der hohe Gaspreis, begünstigt emissionsreiche Kohlekraftwerke. Das Handelsvolumen ist aber noch dünn, der Markt anfällig für Spekulationen.

Internationaler Handel: Die Versorger verweisen auf den internationalen Handel: Die Großhandelspreise steigen europaweit und liegen zum Teil wesentlich höher als in Deutschland. Großbritannien, das viele Gaskraftwerke hat, wird vom hohen Gaspreis getroffen. Die Briten importieren Strom aus Frankreich, die Franzosen wiederum aus Deutschland.

Hitze: Verstärkt wird der Handel auch durch die Hitzeperiode in Südeuropa. Der Stromverbrauch klettert, Wasserkraftwerke fallen wegen der Dürre aus. Frankreich importiert verstärkt nach Spanien und Italien und stellte zwischenzeitlich die Lieferungen nach Deutschland komplett ein.

Kuppelstellen: Dem internationalen Handel sind aber Grenzen gesetzt, weil die Netze nur durch wenige Kuppelstellen verbunden sind. Die Europäische Union hat das Problem erkannt und drängt auf den Bau von Leitungen.

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