Wie die Russland-Sanktionen wirken
Superblöd auch für Super-Oligarchen

Airlines heben nicht mehr ab, dem Oligarchen Timtschenko wird die Wartung seines US-Jets verweigert, ein Millionen-Rüstungsdeal platzt: Die Sanktionen gegen Russland greifen – und sie treiben bisweilen seltsame Blüten.
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DüsseldorfGennadi Timtschenko ist der sechstreichste Mann Russlands. Sein Vermögen wird auf 13 Milliarden Dollar geschätzt. Timtschenko ist ein Super-Oligarch – und Freund von Wladimir Putin. Ein sogenannter „enger Vertrauter“ des Präsidenten.

Doch weder sein Geld noch sein Einfluss helfen ihm in diesen Tagen. Selbst ein Mann wie Timtschenko muss sich den Sanktionen der USA und EU beugen. Eine Woche nachdem die Repressalien gegen Russland verstärkt wurden, entfalten die Maßnahmen immer mehr ihre Wirkung.

Bereits im März geriet Timtschenkos Name auf die Sanktionsliste der USA. Doch Timtschenko kam nur einen Tag vor der Bekanntgabe möglichen schwerwiegenden Folgen zuvor: Der 61-Jährige verkaufte seine Anteile am Ölhändler Gunvor in einer Blitz-Transaktion an deren Chef Torbjörn Törnquist. Timtschenko hatte Gunvor im Jahr 2000 mitgegründet.

Das Unternehmen mit Sitz in Genf ist inzwischen der viertgrößte Ölhändler der Welt. Mit dem Verkauf vermied der Multi-Milliardär direkte Auswirkungen durch die Sanktionen auf Gunvor. Doch die Vermutung liegt nahe, dass er im Hintergrund weiter die Fäden zieht, auch wenn das Unternehmen dies verneint. Weiterhin ist Timtschenko Hauptaktionär des zweitgrößten russischen Gasförderers Novatek.

Jetzt allerdings hat der Oligarch ein Problem: Timtschenko muss sich einen neuen Privatjet suchen. „Die Sanktionen kommen in den seltsamsten Formen daher“, beklagte sich Timtschenko gegenüber Itar-Tass. Nach Angabe der russischen Nachrichtenagentur besitzt er eine Gulfstream G650 – ein Luxusjet für rund 65 Millionen Dollar. Jetzt verweigert ihm der Hersteller, eine Tochter des US-Unternehmens General Dynamics, die Wartung des Flugzeugs. „Gulfstream darf weder die Lieferung weiterer Jets mit mir besprechen, noch die Wartung des gegenwärtigen“, so Timtschenko weiter.

Und die verschärften Sanktionen treffen nicht nur Oligarchen. Am Sonntag gab die Billigfluggesellschaft Dobroljot bekannt, ihren Betrieb einzustellen. Die russische Staatsairline Aeroflot hatte die Billig-Tochter erst im Oktober gegründet. Aktuell seien Starts nicht möglich, da europäische Vertragspartner Verträge für die technische Wartung, die Versicherung von Flugzeugen und Leasingabkommen nicht einhielten, teilte Dobroljot mit. Der Billigflieger hatte zuletzt unter anderem die von Russland annektierte Krim angeflogen.

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  • "Es muss nicht unbedingt ein Druckabfall der Nord-Stream-Pipeline auf 0 sein, was die deutsche Wirtschaft als "Gegemaßnahme" der Russen hart treffen würde."

    Sollte Deutschland tatsächlich mal aus der EU austreten, zittern dann die deutschen Euro-Separatisten dann genauso vor der Rest-EU? Kuschen die Deutschen dann genauso vor der EU-Kommission, wie jetzt vor Putin und lassen sich von der EU erpressen? ;)

  • ""Superblöde" ist, daß man von den "Beweisen" bzgl MH17 immer noch nichts hört - während die Presse mit Hilfe unserer US-Polit-Marionetten eine Sanktionseskalation hoch-schreiben."

    Superblöd ist, wenn man immer noch nicht verstanden hat, dass die offizielle Untersuchung nicht abgeschlossen ist. Superdumm ist, wenn man - obwohl man weiß, dass die offizielle Untersuchung nicht abgeschlossen ist - trotzdem jeden Tag darauf rumreitet und nörgelt, dass die Beweise noch nicht da sind.

    Es kommt ja schließlich auch niemand auf die Idee sich bereits nach fünf Monaten Schwangerschaft täglich zu beschweren, dass es für die Geburt langsam Zeit wird und der werdenden Mutter vorzuwerfen, sie sei gar nicht schwanger, weil das Kind ja immer noch nicht da sei.

  • Es muss nicht unbedingt ein Druckabfall der Nord-Stream-Pipeline auf 0 sein, was die deutsche Wirtschaft als "Gegemaßnahme" der Russen hart treffen würde.
    Als Land, das High-Tech-Endprodukte herstellt, benötigt D eben auch entsprechende Rohstoffe als "Grundkomponenten" dafür (weshalb sich die russische und die deutsche Wirtschaft eigentlich geradezu ideal ergänzen).
    Einer dieser begehrten Rohstoffe mit Russland als Hauptexporteur ist beispielsweise das Edelmetall Palladium. (Und da ich persönlich auf die absolute Dummheit der westlichen Politiker setze, bin ich hier auch ultra-long positioniert). Kommt bei Palladium ein russisches Exportverbot, so ist das schwerlich bis überhaupt nicht durch andere Lieferanten zu kompensieren.
    Was für eine Schande es aber grundsätzlich ist, dass EU und USA hier Russland und nicht die ukrainische Regierung sanktioniern, habe ich bereits letzten Freitag anhand der Äußerungen Jazenjuks klargestellt (der die Separatisten als "Untermenschen" bezeichnete, die beseitigt werden müssen).
    Wer nun glaubt, dass es übler nicht mehr kommen kann, der irrt sich allerdings gewaltig:
    "“Es ist ganz einfach. Man muss 1,5 Millionen Menschen im Donbass töten.”
    Diesen Satz äußerte der ukrainische Journalist Bogdan Boutkevitch auf dem von Kiew gesteuerten Sender Hromadske TV, der durch die USA und die Niederlande mitfinanziert wird."
    http://konjunktion.info/2014/08/ukraine-es-ist-ganz-einfach-man-muss-15-millionen-menschen-im-donbass-toeten/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=ukraine-es-ist-ganz-einfach-man-muss-15-millionen-menschen-im-donbass-toeten
    Propagierter Völkermord mit freundlicher Unterstützung Ihrer USA und EU.
    Abgrundtiefer kann die "westliche Wertegemeinschaft" eigentlich nicht mehr sinken. Aber man wird immer wieder eines Besseren bzw. Schlechteren belehrt...

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