Wie die Russland-Sanktionen wirken

Superblöd auch für Super-Oligarchen

Airlines heben nicht mehr ab, dem Oligarchen Timtschenko wird die Wartung seines US-Jets verweigert, ein Millionen-Rüstungsdeal platzt: Die Sanktionen gegen Russland greifen – und sie treiben bisweilen seltsame Blüten.
Update: 06.08.2014 - 13:02 Uhr 28 Kommentare
Luxusjet Gulfstream G650 (Werbefoto): „Die Sanktionen kommen in den seltsamsten Formen daher“. Quelle: PR

Luxusjet Gulfstream G650 (Werbefoto): „Die Sanktionen kommen in den seltsamsten Formen daher“.

(Foto: PR)

DüsseldorfGennadi Timtschenko ist der sechstreichste Mann Russlands. Sein Vermögen wird auf 13 Milliarden Dollar geschätzt. Timtschenko ist ein Super-Oligarch – und Freund von Wladimir Putin. Ein sogenannter „enger Vertrauter“ des Präsidenten.

Doch weder sein Geld noch sein Einfluss helfen ihm in diesen Tagen. Selbst ein Mann wie Timtschenko muss sich den Sanktionen der USA und EU beugen. Eine Woche nachdem die Repressalien gegen Russland verstärkt wurden, entfalten die Maßnahmen immer mehr ihre Wirkung.

Bereits im März geriet Timtschenkos Name auf die Sanktionsliste der USA. Doch Timtschenko kam nur einen Tag vor der Bekanntgabe möglichen schwerwiegenden Folgen zuvor: Der 61-Jährige verkaufte seine Anteile am Ölhändler Gunvor in einer Blitz-Transaktion an deren Chef Torbjörn Törnquist. Timtschenko hatte Gunvor im Jahr 2000 mitgegründet.

Das Unternehmen mit Sitz in Genf ist inzwischen der viertgrößte Ölhändler der Welt. Mit dem Verkauf vermied der Multi-Milliardär direkte Auswirkungen durch die Sanktionen auf Gunvor. Doch die Vermutung liegt nahe, dass er im Hintergrund weiter die Fäden zieht, auch wenn das Unternehmen dies verneint. Weiterhin ist Timtschenko Hauptaktionär des zweitgrößten russischen Gasförderers Novatek.

Jetzt allerdings hat der Oligarch ein Problem: Timtschenko muss sich einen neuen Privatjet suchen. „Die Sanktionen kommen in den seltsamsten Formen daher“, beklagte sich Timtschenko gegenüber Itar-Tass. Nach Angabe der russischen Nachrichtenagentur besitzt er eine Gulfstream G650 – ein Luxusjet für rund 65 Millionen Dollar. Jetzt verweigert ihm der Hersteller, eine Tochter des US-Unternehmens General Dynamics, die Wartung des Flugzeugs. „Gulfstream darf weder die Lieferung weiterer Jets mit mir besprechen, noch die Wartung des gegenwärtigen“, so Timtschenko weiter.

Und die verschärften Sanktionen treffen nicht nur Oligarchen. Am Sonntag gab die Billigfluggesellschaft Dobroljot bekannt, ihren Betrieb einzustellen. Die russische Staatsairline Aeroflot hatte die Billig-Tochter erst im Oktober gegründet. Aktuell seien Starts nicht möglich, da europäische Vertragspartner Verträge für die technische Wartung, die Versicherung von Flugzeugen und Leasingabkommen nicht einhielten, teilte Dobroljot mit. Der Billigflieger hatte zuletzt unter anderem die von Russland annektierte Krim angeflogen.

Statt Rüstungskonzernen leiden Bauern und Hotelbesitzer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Wie die Russland-Sanktionen wirken - Superblöd auch für Super-Oligarchen

28 Kommentare zu "Wie die Russland-Sanktionen wirken: Superblöd auch für Super-Oligarchen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Es muss nicht unbedingt ein Druckabfall der Nord-Stream-Pipeline auf 0 sein, was die deutsche Wirtschaft als "Gegemaßnahme" der Russen hart treffen würde."

    Sollte Deutschland tatsächlich mal aus der EU austreten, zittern dann die deutschen Euro-Separatisten dann genauso vor der Rest-EU? Kuschen die Deutschen dann genauso vor der EU-Kommission, wie jetzt vor Putin und lassen sich von der EU erpressen? ;)

  • ""Superblöde" ist, daß man von den "Beweisen" bzgl MH17 immer noch nichts hört - während die Presse mit Hilfe unserer US-Polit-Marionetten eine Sanktionseskalation hoch-schreiben."

    Superblöd ist, wenn man immer noch nicht verstanden hat, dass die offizielle Untersuchung nicht abgeschlossen ist. Superdumm ist, wenn man - obwohl man weiß, dass die offizielle Untersuchung nicht abgeschlossen ist - trotzdem jeden Tag darauf rumreitet und nörgelt, dass die Beweise noch nicht da sind.

    Es kommt ja schließlich auch niemand auf die Idee sich bereits nach fünf Monaten Schwangerschaft täglich zu beschweren, dass es für die Geburt langsam Zeit wird und der werdenden Mutter vorzuwerfen, sie sei gar nicht schwanger, weil das Kind ja immer noch nicht da sei.

  • Es muss nicht unbedingt ein Druckabfall der Nord-Stream-Pipeline auf 0 sein, was die deutsche Wirtschaft als "Gegemaßnahme" der Russen hart treffen würde.
    Als Land, das High-Tech-Endprodukte herstellt, benötigt D eben auch entsprechende Rohstoffe als "Grundkomponenten" dafür (weshalb sich die russische und die deutsche Wirtschaft eigentlich geradezu ideal ergänzen).
    Einer dieser begehrten Rohstoffe mit Russland als Hauptexporteur ist beispielsweise das Edelmetall Palladium. (Und da ich persönlich auf die absolute Dummheit der westlichen Politiker setze, bin ich hier auch ultra-long positioniert). Kommt bei Palladium ein russisches Exportverbot, so ist das schwerlich bis überhaupt nicht durch andere Lieferanten zu kompensieren.
    Was für eine Schande es aber grundsätzlich ist, dass EU und USA hier Russland und nicht die ukrainische Regierung sanktioniern, habe ich bereits letzten Freitag anhand der Äußerungen Jazenjuks klargestellt (der die Separatisten als "Untermenschen" bezeichnete, die beseitigt werden müssen).
    Wer nun glaubt, dass es übler nicht mehr kommen kann, der irrt sich allerdings gewaltig:
    "“Es ist ganz einfach. Man muss 1,5 Millionen Menschen im Donbass töten.”
    Diesen Satz äußerte der ukrainische Journalist Bogdan Boutkevitch auf dem von Kiew gesteuerten Sender Hromadske TV, der durch die USA und die Niederlande mitfinanziert wird."
    http://konjunktion.info/2014/08/ukraine-es-ist-ganz-einfach-man-muss-15-millionen-menschen-im-donbass-toeten/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=ukraine-es-ist-ganz-einfach-man-muss-15-millionen-menschen-im-donbass-toeten
    Propagierter Völkermord mit freundlicher Unterstützung Ihrer USA und EU.
    Abgrundtiefer kann die "westliche Wertegemeinschaft" eigentlich nicht mehr sinken. Aber man wird immer wieder eines Besseren bzw. Schlechteren belehrt...

  • Sehr geehrter Herr Behrendt,

    es ist natürlich sehr einfach, ad personam zu argumentieren statt ad rem.

    Wenn Sie ad rem etwas zu sagen haben, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dies hier äußern würden.

    Ich bin gespannt: Wie erklären Sie die regelmäßigen kreisrunden Löcher mit nach innen gebogenen Rändern an der Außenhaut des Flugzeugs im Cockpitbereich? Wie erklären Sie, dass sich an derselben Stelle auch unregelmäßige Löcher mit nach außen gebogenen Rändern befinden? Was anderes können die kleinen regelmäßigen Löcher sein als Einschusslöcher von Geschossen aus Bordkanonen? Und was anderes können die Löcher mit nach außen gebogenen Rändern anders sein, als Austrittslöcher von Geschossen, die auf ihrem Weg durch das Flugzeug ihre regelmäßige Form verloren haben?

    Ich versichere Ihnen, ich könnte sehr viel ruhiger schlafen, wenn ich auf diese Fragen eine weniger schockierende Antwort bekommen könnte, als ich sie mir zu geben vermag.

    Im übrigen bekomme ich von niemandem Geld dafür, dass ich mich hier zu Wort melde.


  • die Apfel-Bauern sind so sauer"

    Vor allem sind die russischen Geschäfte Apfel-frei, denn so schreibt der Spiegel in "Putins Paralleluniversum":

    "Und so hat die Regierung gleich noch den Kauf ausländischer Busse, Straßenbahnen, Rolltreppen und Bulldozer für Staatszwecke untersagt. Und die Einfuhr von Obst und Gemüse aus Polen sowie von Milchprodukten aus der Ukraine gestoppt, obwohl die Supermärkte zu großen Teilen auf diese Importe angewiesen sind und Russland beispielsweise selbst nur ein Viertel seines Bedarfs an Äpfeln decken kann. "

    Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-putins-propaganda-wird-dreister-und-funktioniert-a-984074.html

  • "Aber Deutschland wird wohl als Zahl-Meister ersatz-weise für den Export-Ausfall zur Verfügung stehen..!"

    Dann zeigen wir doch ein bisschen europäische Solidarität und kaufen ein paar Äpfel - warum nicht?

    Freiheit kostet. Wenn sich die freie Welt nicht gegen wildgewordene Autokraten wehrt und Landnahmen duldet, läuft sie Gefahr, eines Tages genauso von den Putins dieser Welt behandelt zu werden wie die Ukraine.




  • "die Apfel-Bauern sind so sauer" - das höre ich allerdings von polnischen Bekannten anders.

  • wenn die dann man auf westlichen Flughäfen noch Landerechte bekommen....

  • Willkommen zurück im Kalten Krieg - verursacht von BEIDEN Seiten!

    Übrigens zur Erinnerung: Im bzw. nach dem Krieg gibt es nur Verlierer.

    Statt andere zu beschimpfen, sollten wir überlegen, was WIR Europäer tun können. Als ersten Schritt sollten wir unseren Einfluss auf die von uns unterstützten Ukrainer nutzen und sie zwingen, sich an einen echten Runden Tisch zu setzen, um mit ALLEN Beteiligten zu REDEN, statt zu schießen.




  • Ich empfinde es mittlerweile als erschreckend, wie auch das Handelsblatt sich gleich-schalten lässt: Wo sind die Berichte über die Sanktionen Russlands gegen den Westen..? Da gäbe es eine ganze Reihe von Details, die in unseren Medien und dem Handelsblatt glatt "vergessen" werden. Gleich-Schaltung ist von Übel, wie wir es durch die DDR-1 haben erleben müssen - und jetzt DDR-2..?
    Ein winziges Beispiel: Polen als eines der größten Apfel-Export-Länder darf seine Äpfel nicht mehr nach Russland liefern - die Apfel-Bauern sind so sauer, dass man bei ihnen als total Unschuldige so etwas zulässt..! Aber Deutschland wird wohl als Zahl-Meister ersatz-weise für den Export-Ausfall zur Verfügung stehen..!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%