Wie Dieter Zetsche Schrempp vergessen macht
Daimler Reloaded

Wenn Dieter Zetsche morgen die Bilanz vorstellt, feiert er auch die Erfindung der neuen Daimler AG. In zwei Jahren als Daimler -Chef hat Zetsche die Baustellen seines Vorgängers Jürgen Schrempp resolut abgearbeitet. Aber er führt den Konzern Schon murrt die Belegschaft - und fragt, wohin die Reise von Daimler dieses Mal gehen soll. Ein Handelsblatt-Report.

STUTTGART/FRANKFURT. Detroit, Januar 2008. Dunkle Mercedes-Limousinen rollen vor dem Museum für Zeitgenössische Kunst vor. Butler mit schwarzen Melonen und weißen Handschuhen öffnen die Wagentüren. Roter Teppich. Über dem etwas gammeligen Gebäude in der Woodward Avenue schwebt an einem Autokran ein gut drei Meter großer Mercedes-Stern. Drinnen spielen Max Raabe und das Palastorchester, extra aus Deutschland eingeflogen, Melodien aus den zwanziger Jahren. Schließlich betritt Kim Catrell die Bühne, das Biest aus der TV-Serie "Sex and the City", und scherzt herzlich mit Gastgeber Dieter Zetsche.

Fröhlich verkündet der Daimler -Chef den 350 Gästen: "Als Erfinder des Automobils sind wir auch bestens präpariert für seine Zukunft." Und Kim Catrell schnurrt ins Mikrofon: "Ich bin immer glücklich in der Umgebung von vielen, vielen Männern und ihren Spielzeugen."

Willkommen beim Neujahrsempfang von Daimler. Willkommen bei einem völlig neuen Konzern.

Milliardenverluste der US-Sparte Chrysler, ein schmerzlicher Managementumbau, quälende Untersuchungen der Finanzaufsicht SEC wegen Korruption - war da was? Nur ein Jahr ist das her, doch es wirkt wie aus einer längst vergessenen Zeit. Dieter Zetsche ist der, der Daimler das Vergessen lehrte. Seit er vor einem Jahr den Verlustbringer Chrysler verkloppte, wirkt Daimler wie befreit. "Dank der harten Arbeit der vergangenen Jahre starten wir dieses Jahr von einer exzellenten Position aus - sowohl was Effizienz, Qualität, Service als auch Verkaufszahlen angeht", sagt Zetsche in Detroit. Neues Selbstbewusstsein für Daimler, mehr Selbstbewusstsein für Zetsche.

Daimler Reloaded.

Zetsche hat Daimler zurück zu seinen Wurzeln geführt

Seit zwei Jahren steht der 54-Jährige nun an der Spitze des Weltkonzerns. In diesen zwei Jahren hat Zetsche vor allem den Schlamassel aufgeräumt, den ihm sein Vorgänger Jürgen Schrempp hinterlassen hatte: die Welt-AG-Vision kuriert, Chrysler verkauft, bei Mitsubishi ausgestiegen, viele Qualitätsmängel behoben, die EADS-Beteiligung abgestoßen.

Zetsche hat Daimler zurück zu seinen Wurzeln geführt: Autos und Laster zu bauen. Eine neue Vision hat er dem Traditionsunternehmen bislang nicht verordnet - wohl zu Recht. Der neue Pragmatismus prägt den Konzern nicht weniger als die Pläne seiner Vorgänger. Aber er steht und fällt auch mit Zetsche selbst, der die Führung ganz auf sich ausgerichtet hat und dem Ziel Profit alles andere zu unterwerfen scheint - zum Wohle der Aktionäre.

Die Zahlen werden gut sein, wenn Zetsche und sein Vorstand morgen im weiten Rund der 1 500 Quadratmeter großen Multifunktionsarena im neuen Carl Benz Center in Stuttgart die Bilanz 2007 vorstellen. Der Umsatz wird auf knapp über 100 Milliarden Euro schrumpfen, aber das operative Ergebnis nach Schätzung von Experten auf rund 8,6 Milliarden Euro hochschnellen. Das würde eine Umsatzrendite von über neun Prozent möglich machen - deutlich mehr, als der Münchener Erzrivale BMW derzeit schafft.

Denn während Daimler das Jahr mit weiteren Verkaufsrekorden startete, verkauften die Bayern im Januar weniger Autos. Und die Kosten um Milliarden senken und 8 000 Stellen abbauen müssen sie auch.

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