Wie Pfizer und Novartis ihre Forschung optimieren
Jagd der Pillendreher nach dem Blockbuster

Der erste Blick im Foyer des Backsteinbaus fällt auf eine silberne Schale voll mit bunten Bonbons. Sie schmecken aber nicht nach Schokolade, nicht nach Früchten, nicht mal nach Zucker, sondern irgendwie gesund, eher nach Medizin.

CAMBRIDGE/NEW LONDON. Der Geschmack der farbigen Drops verrät das Unternehmen, das hier an der Massachusetts Avenue im Zentrum der amerikanischen Universitätsstadt Cambridge residiert. Das Gebäude beherbergt eine der modernsten Forschungsstätten der Pharmaindustrie. Der Schweizer Konzern Novartis hat hier sein weltweites Zentrum für Biomedizin eingerichtet.

Der vor einem Jahr eröffnete Hauptsitz der Novartis Institutes for Biomedical Research gilt als „state of the art“ in der Pharmaforschung. „Es ist ein Forscherparadies“, sagt Thomas Hughes, der hier die Diabetes-Forschung leitet. Was der dunkelhaarige Mann damit meint, wird bei einem Rundgang durch den 47 000 Quadratmeter großen Komplex schnell klar: Novartis hat keine Kosten gescheut, um die besten Forscher, die besten Technologien und die besten Arbeitsbedingungen zusammenzubringen.

Nur eine knappe Autostunde von Cambridge entfernt hat der Weltmarktführer Pfizer sein Forschungsreich eingerichtet. Schon der Blick auf die gewaltigen Anlagen in New London und Groton/Connecticut verrät die Macht der großen Zahlen. Beigefarbene Gebäude reihen sich links und rechts des Thames River. „Wir zeigen hier, dass auch Elefanten tanzen können“, sagt John La Mattina. Der oberste Pfizer-Forschungschef hat nicht nur 12 000 Entwickler und Wissenschaftler unter sich, sondern verfügt auch über ein jährliches Budget von rund acht Milliarden Dollar.

Zwei Unternehmen und zwei Beispiele dafür, wie die Riesen in der Pharmaindustrie im Rennen um die Entwicklung neuer Blockbuster ihre Forschung optimieren. So nennt man in der Branche Medikamente, die mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz bringen.

Novartis und Pfizer sind nicht allein. Die gesamte Pharmaindustrie sucht mit enormen finanziellen Kraftakten nach neuen Heilmitteln. In diesem Jahr steckt die Branche 56 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Und dennoch stagniert die Zahl wirklich neuer Wirkstoffe. Nur etwa 20 haben die Pharmaforscher in den vergangenen Jahren entdeckt. Zugleich laufen wichtige Patente für die Blockbuster aus. Darauf warten die Generika-Hersteller bereits mit ihren billigen Nachahmerprodukten. Für Pfizer und Co. kommt erschwerend hinzu: Staatliche Aufsichtsbehörden verschärfen ständig die Sicherheitsvorschriften für die Entwicklung und Vermarktung von Arzneimitteln – vor allem nach Problemen mit bekannten Medikamenten wie Vioxx. Hat das Schmerzmittel des US-Konzerns Merck tödliche Nebenwirkungen gehabt? Diese Frage untersucht derzeit ein Gericht in Texas. Es geht um enorme Schadensersatzsummen, die womöglich in die Milliarden gehen.

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