Wiedeking fast am Ziel
Porsche und VW schmieden Autogiganten

Für Europas größten Autobauer Volkswagen dürfte dieser 3. März als besonders denkwürdig in die Geschichte des Unternehmens eingehen. VW übernimmt die Macht bei Scania. Und Porsche leitet die Übernahme der Mehrheit bei VW ein. Zufall oder Absicht, dass die beiden neuen Weichenstellungen bei Volkswagen so kurz nacheinander verkündet wurden?

HB WOLFSBURG/STOCKHOLM. Die Scania -Nachricht war noch ganz frisch - als aus Stuttgart die nächste Neuigkeit hereinplatzte: Der Porsche -Aufsichtsrat hat grünes Licht gegeben für eine Mehrheitsübernahme von Volkswagen. Der Aufsichtsrat des Stuttgarter Sportwagenherstellers habe dessen Vorstand ermächtigt, die Beteiligung an VW von derzeit 31 Prozent auf über 50 Prozent aufzustocken, teilte Porsche mit. Der Zukauf von weiteren 20 Prozent an VW würde bei dem derzeitigen Aktienkurs von etwa 150 Euro rund zehn Milliarden Euro kosten.

Porsche -Chef Wendelin Wiedeking hatte diesen Coup von langer Hand vorbereitet: Nun greift der 55 Jahre alte Westfale nach Macht bei Europas größten Autobauer, dem Volkswagen -Konzern. Im Jahr 2005 war Stuttgarter Konzern bei den Wolfsburgern eingestiegen. Seitdem war immer wieder spekuliert worden, wann Porsche wohl die Mehrheit übernimmt.

Ob es aber Zufall oder Absicht war, dass die beiden neuen Weichenstellungen bei VW so kurz nacheinander verkündet wurden - die Frage ist offen. Volkswagen jedenfalls ließ durch seinen Sprecher verkünden: "Wir begrüßen die geplante Aufstockung von Porsche genauso, wie wir die Beteiligung begrüßt haben." Arbeitnehmervertreter kommentierten dagegen die Porsche -Pläne bisher nicht.

Mit der anderen VW -Nachricht des Tages ist Volkswagens Firmenpatriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch indes seinem Traum von einem LKW-Giganten einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Der Wolfsburger Autokonzern übernham für rund 2,9 Mrd. Euro die Mehrheit am schwedischen LKW-Produzenten Scania. Die Deutschen erhöhten ihre Stimmrechte an Scania von 38 auf 68,6 Prozent.

Mit der Übernahme der Mehrheit der fast 70 Prozent an Scania ist jetzt der Weg frei für die von VW schon so lange angestrebte Lkw-Ehe mit Scania und MAN. Beobachter sehen in der Scania -Übernahme eine weitere Etappe auf dem Weg zu einem internationalen LKW-Riesen aus Volkswagens brasilianischer Nutzfahrzeugsparte, Scania und MAN.

Denn die bisherigen Mehrheitseigner von Scania - Investor und die Familie Wallenberg - galten als die wichtigsten Blockierer der Allianz. An ihrem Veto scheiterte der Übernahmeversuch von MAN Ende 2006. Der größte Scania -Aktionär VW hatte sich damals ebenfalls gegen die Übernahme gestellt - die Wolfsburger wollten bei dem Bündnis von Anfang an selbst im Führerhaus sitzen und kauften sich deshalb bei MAN ein. Denn der Lkw-Markt gilt als sehr lukrativ.

Die ganze Geschichte wirbelte viel Staub auf - aber zuletzt war es still geworden um das Thema. "Es gibt nichts Neues" und "Wir haben keinen Zeitdruck", waren die einzigen Kommentare bei Nachfragen. Dass im Hintergrund die mächtigen Patriarchen von VW und Scania die Strippen zogen und den Weg bereiteten, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Die Familien Wallenberg und die von VW -Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kennen sich schon lange. Und so dürfte der jüngste Coup auch auf ihr Konto gehen. Piëch bringt er einen Schritt näher an seinen großen Autotraum heran: Die "graue Eminenz" bei VW strebt einen breit aufgestellten Konzern an, der vom Klein- über den Sport- bis zum Lastwagen alles im Angebot hat.

Allerdings hat das Sagen bei VW künftig der Sportwagenbauer Porsche. "Unser Ziel ist die Schaffung einer der innovativsten und leistungsstärksten Automobil-Allianzen der Welt, die dem verschärften internationalen Wettbewerb gerecht wird", sagte Wiedeking. Piëch gehört zu den Eigentümern bei Porsche, aber die Machtverhältnisse sind undurchsichtig.

Seite 1:

Porsche und VW schmieden Autogiganten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%