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24.04.2008 
Fronten zwischen VW-Betriebsrat und Porsche verhärten sich

„Wiedeking hat nichts geboten“

Auf dem Aktionärstreffen von Volkswagen hat der Chef des Autobauers, Martin Winterkorn, ehrgeizige Ziele vorgegeben. Er räumte ein, beim Zusammenwachsen mit Porsche gebe es noch einige Schwierigkeiten. Immerhin haben sich Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der Gesamtbetriebsratschef von Volkswagen, Bernd Osterloh, vor der Hauptversammlung doch noch getroffen.

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh (im Bild) hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking getroffen. Danach zeigte er sich unzufrieden. Foto: dpaLupe

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh (im Bild) hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking getroffen. Danach zeigte er sich unzufrieden. Foto: dpa

mcs/mwb/HB HAMBURG. Zu Beginn der VW-Hauptversammlung demonstrierten rund 1 000 Beschäftige des Autobauers für den Erhalt ihrer Werke und für Mitbestimmung. Unter all dem Pfeifen, Tröten und Klatschen der aus allen deutschen Standorten des Konzerns herangekarrten VW-Mitarbeiter und IG-Metaller vor dem Hamburger Congress Center wäre die Nachricht vom Treffen des Volkswagen-Gesamtbetriebsratschefs mit dem Porsche-Chef fast untergegangen. Das Gespräch war von Osterloh immer wieder gefordert worden, der machtbewusste Wiedeking hatte es über Monate blockiert. Über den Verlauf des Gesprächs haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Zu einer Annäherung ist es allerdings nicht gekommen. "Wiedeking hat nichts geboten", sagte Osterloh vor Beginn der Hauptversammlung dem Handelsblatt. Der Porsche-Chef habe keinen Kompromissvorschlag im Gepäck gehabt. Porsche hielt sich auf Anfrage bedeckt.

Vor den demonstrierenden VW-Beschäftigten gab sich Osterloh alles andere als versöhnlich und warf dem Großaktionär "gefährliche Allmachtsphantasien" vor. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wolle mit der "Arroganz eines Alleinherrschers" schalten und walten, dies habe unheimliche Risiken für VW und die Beschäftigten. "Schlechter kann man eine Übernahme nicht gestalten." Der Porsche-Chef könne nicht mit Menschen umgehen, er habe "null Fingerspitzengefühl". Wiedeking agiere nach Gutsherrenart "ohne Rücksicht auf Verluste".

In dem Streit geht es um die Mitbestimmungsrechte in der neuen Porsche-Holding. Die Satzung der Holding sieht vor, dass die Arbeitnehmerseite von VW nur drei Vertreter in den Holding-Aufsichtsrat entsenden darf, genauso viele, wie die Arbeitnehmervertreter der deutlich kleineren Porsche AG. "Wir werden weiter durch alle Instanzen für unsere Rechte kämpfen", sagte Osterloh.

Die Regelung tritt dann in Kraft, wenn Porsche wie angekündigt die Beteiligung an Europas größtem Autobauer auf über 50 Prozent aufstockt. Osterloh befürchtet eine Beeinträchtigung der Mitbestimmungsrechte der VW-Arbeitnehmer. Am Dienstag sehen sich die Parteien in dieser Sache vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht. Versuche, diese Gerichtsverhandlung durch eine Einigung noch zu verhindern, sind damit offensichtlich gescheitert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: VW-Vorstand steht hinter Porsche-Einstieg

Auf der VW-Hauptversammlung hat VW-Chef Martin Winterkorn nach dem Rekordjahr 2007 auch für die Zukunft ehrgeizige Ziele ausgeben. Obwohl sich die Autobranche in „rauer See“ befinde, wolle der Konzern „2008 die Rekordwerte des Vorjahres bei Auslieferungen, Umsatz und operativem Ergebnis erneut übertreffen.“ Die Marke VW solle bei "Kundenzufriedenheit, Qualität und Prozessen zu den besten Autobauern der Welt gehören", sagte er am Donnerstag. 2018 solle die Marke Volkswagen-Pkw jährlich 6,6 Mill. Autos verkaufen und zu den profitabelsten Unternehmen der Branche gehören.

Für den Erfolg von Volkswagen hat das Unternehmen laut Winterkorn mit der Strategie 2018 alle nötigen Schritte eingeleitet, um "aus ehrgeizigen Zielen messbare, positive Ergebnisse zu machen". Er machte deutlich, das der Vorstand hinter dem Einstieg und der Aufstockung der Anteile durch den Autobauer Porsche stehe. "Und wir freuen uns, dass Porsche angekündigt hat, die Aktienmehrheit an der Volkswagen Aktiengesellschaft übernehmen zu wollen." Dieser Schritt zeige, wie nachhaltig das Engagement der Eignerfamilie von Porsche sei. Es gehe nicht um schnelle Profite, sondern um eine langfristige Entwicklung.

Winterkorn sagte auch, dass es "auf dem Weg bis zum Zusammenwachsen noch einige Hürden zu meistern gilt." Ungeachtet der nächsten Schritte werde der Vorstand seine Strategie konsequent weiterverfolgen: "Wir haben klare Ziele und Aufgaben definiert, um den Konzern auf seinem profitablen Wachstumskurs voranzubringen." Daran werde man festhalten und weiterarbeiten.

Volkswagen sei "ein Juwel für jeden Anleger", sagte der Vorstandschef mit Blick auf das Rekordjahr 2007. Im vergangenen Jahr sei VW der börsennotierte Autobauer mit der besten Kursentwicklung gewesen. Winterkorn bezeichnet 2007 als Schlüsseljahr, etwa weil die Produktivität in den Werken um zehn Prozent gesteigert und die Herstellungskosten für die Fahrzeuge gesenkt wurden. VW will in den nächsten Jahren zum weltweit größten Autobauer aufsteigen und fordert dabei vor allem den japanischen Konkurrenten Toyota heraus.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Kampfabstimmung im Machtkampf erwartet

Im Mittelpunkt des Aktionärstreffens steht der Machtkampf bei VW zwischen den Großaktionären Porsche und Niedersachsen. Für den Nachmittag wird eine Kampfabstimmung über die Satzung des Konzerns erwartet.

Beide Seiten haben gegensätzliche Vorstellungen: Niedersachsen will seine Sperrminorität von 20 Prozent retten, Porsche möchte diese VW-Sonderregel kippen. Laut Aktiengesetz liegt die Sperrminorität üblicherweise bei 25 Prozent, für VW gilt jedoch aus historischen Gründen eine Sonderregel.

Niedersachsen besitzt 20,1 Prozent der stimmberechtigten VW-Aktien. Porsche hält früheren Angaben zufolge knapp 31 Prozent und will den Anteil auf mehr als 50 Prozent aufstocken.

Am Donnerstagabend hatten die beiden Hauptaktionäre auf einen öffentlichen Schlagabtausch verzichtet. Der Aufsichtsrat vermied einen Beschluss über einen Antrag Niedersachsens, der einen Streit mit Porsche provoziert hätte. Das Bundesland als zweitgrößter Eigner wollte erreichen, dass das Kontrollgremium mit den Stimmen der Arbeitnehmer seine Pläne unterstützt, das umstrittene Vetorecht für das Land beizuhalten.

"Eine zusätzliche Eskalation hat keiner gewollt", sagte eine mit dem Ablauf der Sitzung vertraute Person. Ein Gesichtsverlust des größten Aktionärs Porsche sollte vermieden werden, hieß es aus den Aufsichtsratskreisen. Das Ergebnis einer Abstimmung hätte von vornherein festgestanden. Das Land und die Arbeitnehmerseite haben die Mehrheit der 20 Stimmen.

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