Im Mittelpunkt des Aktionärstreffens steht der Machtkampf bei VW zwischen den Großaktionären Porsche
und Niedersachsen. Für den Nachmittag wird eine Kampfabstimmung über die Satzung des Konzerns erwartet.
Beide Seiten haben gegensätzliche Vorstellungen: Niedersachsen will seine Sperrminorität von 20 Prozent retten, Porsche
möchte diese VW-Sonderregel kippen. Laut Aktiengesetz liegt die Sperrminorität üblicherweise bei 25 Prozent, für VW gilt jedoch aus historischen Gründen eine Sonderregel.
Niedersachsen besitzt 20,1 Prozent der stimmberechtigten VW-Aktien. Porsche
hält früheren Angaben zufolge knapp 31 Prozent und will den Anteil auf mehr als 50 Prozent aufstocken.
Am Donnerstagabend hatten die beiden Hauptaktionäre auf einen öffentlichen Schlagabtausch verzichtet. Der Aufsichtsrat vermied einen Beschluss über einen Antrag Niedersachsens, der einen Streit mit Porsche
provoziert hätte. Das Bundesland als zweitgrößter Eigner wollte erreichen, dass das Kontrollgremium mit den Stimmen der Arbeitnehmer seine Pläne unterstützt, das umstrittene Vetorecht für das Land beizuhalten.
"Eine zusätzliche Eskalation hat keiner gewollt", sagte eine mit dem Ablauf der Sitzung vertraute Person. Ein Gesichtsverlust des größten Aktionärs Porsche
sollte vermieden werden, hieß es aus den Aufsichtsratskreisen. Das Ergebnis einer Abstimmung hätte von vornherein festgestanden. Das Land und die Arbeitnehmerseite haben die Mehrheit der 20 Stimmen.

