Wiedeking von Großer Koalition enttäuscht
Porsche greift Berlin an

Der Streit um die Macht über die Volkswagen AG verschärft sich. Wegen der beabsichtigten Neuauflage des VW-Gesetzes attackiert Porsche-Chef Wendelin Wiedeking jetzt auch die Große Koalition in Berlin.

bz/cha/mcs/mwb STUTTGART. "Uns überrascht schon, wie die Politik mit uns umgeht. Wir haben hierzulande im vergangenen Jahr 1,5 Mrd. Euro Steuern bezahlt. Viele Politiker behandeln uns, als seien wir eine Heuschrecke. Das tut uns richtig weh", sagte Wiedeking dem Handelsblatt. Es gebe keinerlei Grund, Porsche in den gleichen Topf zu werfen wie etwa Nokia "und eigens ein Gesetz gegen uns zu machen", fuhr Wiedeking fort. Am Dienstag hatte das Bundeskabinett unter Vorbehalt eine Neuauflage des VW-Gesetzes auf den Weg gebracht, nachdem der Europäische Gerichtshof das alte Gesetz in weiten Teilen gekippt hatte. Das neue Gesetz soll den Einfluss des Landes Niedersaschsen und des VW-Betriebsrats festschreiben.

Porsche als größter Einzelaktionär hält derzeit gut 31 Prozent der Stimmrechte und ist dabei, die Mehrheit an Volkswagen zu übernehmen. Die Stuttgarter hatten daher bereits gegen das alte VW-Gesetz geklagt. Seit Monaten tobt zwischen Porsche, dem VW-Betriebsrat, dem Land Niedersachsen und Berlin heftiger Streit.

Er wurde am Donnerstag auch durch Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef des Großaktionärs, verschärft. Während Porsche Volkswagen im "Manager-Magazin" Schwächen im Vertrieb vorwarf, attackierte Wiedeking im Handelsblatt die Kabinettsentscheidung: "Mir ist unverständlich, warum die Große Koalition ein Gesetz macht, das wider besseres Wissen nicht europarechtskonform ist".

Indirekt warf Wiedeking Berlin vor, die VW-Übernahme zu behindern. "Das Verhalten der Politik beim Thema Porsche-VW ist nicht dazu angetan, Ausgleich und Befriedung zu schaffen". Stattdessen polarisiere Berlin und treibe Betriebsrat und Investor auseinander. Porsche untermauerte am Donnerstag in einer Mitteilung seine Pläne, noch in diesem Jahr die Beteiligung von gut 30 auf über 50 Prozent zu erhöhen.

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