Windenergie: Hängepartie um Offshore-Windparks

Windenergie
Hängepartie um Offshore-Windparks

Bis 2020 will die Bundesregierung durch Offshore-Windparks rund 10.000 Megawatt Energie generieren, doch der Zeitplan ist gefährdet. Für Verzögerungen sorgen vor allem große Engpässe in der Netzanbindung.
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München, Berlin, DüsseldorfDie großen Ausbaupläne für Windparks im Meer drohen zu scheitern. „Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 gut 10.000 Megawatt an Offshore-Leistung zu installieren, ist sehr ehrgeizig“, urteilt Hans Bünting, Finanzchef von RWE Innogy. RWE selbst müsse bei seinem „Windpark Nordsee Ost mit einer Verzögerung von einem Jahr rechnen“, sagte Bünting dem Handelsblatt. Er werde erst 2013 in Betrieb gehen. Großer Engpass ist der Netzanschluss. Denn der zum Teil mehr als 100 Kilometer vor der Küste im Meer produzierte Strom muss an Land und dann zu den Verbrauchern transportiert werden. Schon heute sind die Netze überlastet, weil überall neue Solar- und Windparks entstehen. Jetzt kommen noch einige riesige Windparks im Meer hinzu.

Die Kritik an Verzögerungen richtet sich gegen Netzbetreiber wie Tennet, der die Windparks in der Nordsee anschließen muss. Der sieht sich zu Unrecht kritisiert. „Wir haben bereits 5,5 Milliarden Euro für die zugesagten Offshore-Netzanbindungen ausgelöst“, berichtet eine Unternehmenssprecherin. Für das Offshore-Netz würden in Zukunft Investitionsvolumina im zweistelligen Milliardenbereich notwendig. Das könne nicht von einem einzelnen Unternehmen geschultert werden. Tennet geht bei der Finanzierung der Leitungen bereits neue Wege. Vergangene Woche hat sich der japanische Konzern Mitsubishi an zwei Kabeln für Offshore-Netze von Tennet mit 240 Millionen Euro beteiligt. Doch das reicht bei weitem nicht.

Der Bundesregierung sind die Probleme bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks bestens bekannt. Sie arbeitet an verbesserten Bedingungen, insbesondere für die Übertragungsnetzbetreiber. In diversen Arbeitsgruppen würden derzeit mit allen Akteuren „Konzepte für eine zügige Anbindung von Offshore-Windparks erarbeitet“, hieß es im Ministerium. „Das betrifft beispielsweise die Verkürzung der Anbindungsdauer des Windparks durch den Netzbetreiber. Zudem sollen auch Investitionen in Offshore-Anbindungsleitungen erleichtert werden, indem die Haftung von Übertragungsnetzbetreibern für Ausfälle oder verspätete Fertigstellung der Leitung begrenzt wird“, hieß es weiter. Ziel sei es, bis Ende März Vorschläge für eine Beschleunigung der Anbindung vorzulegen.

Die Betreiber der Offshore-Parks sind auf eine zügige Netzanbindung angewiesen. „Wir müssen uns darauf verlassen können, dass die Anlagen zum zugesagten Termin ans Netz angeschlossen werden, sonst verlieren wir viel Geld“, meinte Bünting von RWE Innogy. Bevor das Unternehmen die endgültige Bauentscheidung für seinen neuen Windpark Innogy Nordsee 1 trifft, will der Konzern Klarheit. „Wir brauchen unbedingt Rechtssicherheit und womöglich neue, aber verbindliche Fristen für den Netzanschluss“, fordert Bünting. Es geht um Milliardensummen. So investiert Eon in den kommenden Jahren mehr als zwei Milliarden Euro in drei Windparks.

Die Verzögerungen im Offshore-Geschäft treffen auch Hersteller von Windkraftanlagen wie Siemens. Der Weltmarktführer für Offshore-Anlagen musste im abgelaufenen Quartal Sonderbelastungen von 200 Millionen Euro stemmen. Siemens liefert nicht nur Turbinen, sondern hat auch von sieben in der Nordsee geplanten Parks bei vieren den Auftrag erhalten, sie ans Netz anzubinden. Vielleicht, merkte Finanzvorstand Joe Kaeser vor kurzem selbstkritisch an, hätte man erst einmal bei einem Pilotprojekt Erfahrungen sammeln sollen. Doch der Konzern sicherte sich große Aufträge und gab Liefergarantien.

Die Zulieferer kommen schon jetzt teilweise nicht nach. „Es gibt Engpässe bei Herstellern von Seekabeln“, erklärt Mike Winkel, Chef von Eon Climate & Renewables. Der große französische Kabelkonzern Nexans bestätigt, dass die Situation bei der Produktion von Seekabeln angespannt sei.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Windenergie: Hängepartie um Offshore-Windparks"

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  • Lustig! Eine Tochter von EON beklagt sich über den schleppenden Netzausbau und Tennet beklagt sich darüber, dass 10 GW Windleistung bis 2020 angeschlossen werden sollen und dieses nicht schaffen kann.

    Dazu muss man wissen, dass Tennet natürlich sehr wohl von den Zielen und Planungen im Offshorebereich gewußt hat, bevor es die Übertragungsnetze von E O N Netz gekauft hat?! Alles Wehklagen hat deshalb nur einen Zweck, und zwar mehr Geld!

  • Die Förderung für Offshore Anlagen mit 15,5c je kWh hört sich weniger an als es tatsächlich ist, denn nur ein Teil des Windstroms findet den Weg zum Verbraucher. Etwa 40% gehen durch Transport und Speicherung verloren. Bei ausreichendem Windangebot muss die Überschussenergie gespeichert werden, und Deutschland hat jetzt bereits mehr als genügend Windparks. Da nur 60% des Überschussstroms den Verbraucher erreichen, wird die kWh de facto mit 25,8c gefördert.

    Damit wird Windenergie mittlerweile stärker gefördert als die Photovoltaik - eine Energiewende in die falsche Richtung, denn die Photovoltaik hat ein wesentlich größeres Potential. Außerdem stößt die Photovoltaik auf mehr Akzeptanz in der Bevölkerung als Windparks und Hochspannungsleitungen.

  • Ein Hauptgrund für die Verzögerungen sind die unzureichenden Einspeisetarife für Offshore Windstrom. Diese beträgt je nach Wassertiefe und Abstand zur Küste 15.5c/kWh. Gem. eigener Analyse und den Aussagen eines EON Vorstands reicht dies kaum um die Kosten zu decken. Die Netzanbindung wird von den Versorgern extra den Stromkunden berechnet.

    Zum Vergleich: Zufallsstrom hat etwa einen Wert von 1 c/kWh.

    Vandale

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