Windenergie
Nordex verdient weniger als erwartet

Der Windenergie-Anlagenbauer Nordex hat im ersten Quartal wegen der Finanzkrise und höherer Kosten deutlich weniger verdient als vor einem Jahr und dabei auch die Expertenerwartungen enttäuscht. Nach zuletzt eher schwachem Auftragseingang hofft Unternehmenschef Thomas Richterich allerdings auf eine Belebung des Geschäfts.

HB NORDERSTEDT. "Für die kommenden Monate bin ich in Bezug auf das Neugeschäft verhalten optimistisch", sagte er am Freitag in Norderstedt. Noch stelle der Kapitalmarkt zwar nicht das ursprüngliche Finanzierungsvolumen für Kraftwerksprojekte bereit, aber die Konjunkturförderprogramme zeigten erste Wirkung. "Auf den von allen Experten erwarteten Aufschwung bereiten wir uns heute vor, um umgehend Umsätze aus neuen Aufträgen generieren zu können."

Richterich bekräftigte die Prognose für das laufende Jahr. Demnach rechnet Nordex weiter mit einem Umsatzwachstum auf mehr als 1,2 (2008: 1,14) Mrd. Euro, allerdings bei einer sinkenden Profitabilität. Nordex profitiert derzeit noch von den hohen Auftragseingängen der vergangenen Jahre. Ende März hatte das Unternehmen noch Bestellungen von rund 2,9 Mrd. Euro in den Büchern und damit rund 100 Mio. weniger als noch Ende 2008. In den ersten drei Monaten des Jahres lag der Auftragseingang mit 234 Mio. Euro deutlich unter dem Wert des Vorjahresquartals. Im Vergleich zum dritten und vierten Quartal 2008 zog der Auftragseingang allerdings wieder deutlich an.

In den ersten drei Monaten 2009 konnte Nordex den Umsatz zweistellig steigern, musste aber wegen höherer Personalkosten und Abschreibungen einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Der Überschuss sank um 91 Prozent auf 0,5 Mio. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging um 95 Prozent auf 0,3 Mio. Euro zurück. Experten hatten mit einem geringeren Gewinnrückgang gerechnet. Die Erlöse legten dagegen um 17 Prozent auf 233 Mio. Euro zu. Hier übertraf Nordex die Analystenprognose. Die Windenergiebranche leidet seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise unter der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken. Nordex hat darauf bereits mit einer Verschiebung seiner geplanten Kapazitätserweiterungen reagiert.

Am Aktienmarkt wurden die Zahlen mit Enttäuschung aufgenommen. Das im TecDax notierte Papier verlor in einem freundlichen Gesamtmarkt bis 11.30 Uhr rund 2,5 Prozent auf 13,95 Euro. Die Aktie hatte allerdings in den vergangenen Wochen von der Hoffnung auf ein Ende der Flaute bei Nordex profitiert und sich seit dem Mehrjahrestief Anfang März in etwa verdoppelt.

Das Unternehmen, an dem die Milliardärin Susanne Klatten mit knapp 22 Prozent beteiligt ist, ist damit an der Börse wieder rund 900 Mio. Euro wert. Ein Händler sprach von durchwachsenen Zahlen. Er monierte vor allem das Ebit. Im Augenblick pendle das Papier um die charttechnische Unterstützung bei 14 Euro.

Ein Analyst sah das aber gelassen. "Dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern wegen des Anstiegs der betrieblichen Aufwendungen ein paar Millionen unter den Erwartungen liegt, ist nicht so tragisch", sagte er. Wichtiger seien Aussagen zum Gesamtjahr. Hier erhofft er sich bei der Analystenkonferenz präzisere Aussagen zur Profitabilität. Viele Konkurrenten arbeiten derzeit profitabler. Auch der Hamburger Lokalrivale Repower, der im Besitz des indischen Konzerns Suzlon ist, verkündete zu Wochenbeginn, im abgelaufenen Geschäftsjahr Nordex "in allen wesentlichen Kennzeichen" überholt zu haben.

Anders als Nordex erwartet RePower auch in diesem Jahr trotz der schlechten Wirtschaftsbedingungen eine höhere Profitabilität. Zudem droht Nordex nach Einschätzung etwa der HSBC-Analysten, den Anschluss an den Offshore-Markt zu verpassen. Bislang hat sich das Unternehmen bei der Windenergienutzung auf hoher See zurückgehalten. Viele Experten sehen darin den nächsten großen Boommarkt.

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